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Isen:Eine Wiederentdeckung

Eine Ausstellung in Isen erinnert an den vergessenen Maler August von Conring

Von Florian Tempel, Isen

Als August von Conring 1921 das kleine Selbstbildnis malte, war er, sofern man dem Allgemeinen Künstlerlexikon Glauben schenke wollte, schon seit einem Jahr tot. Allein dieser irritierende biografische Irrtum - Conring starb erst 1929 -, macht stutzig und neugierig. Wer ist dieser Mann, der schon zu Lebzeiten so radikal vergessen wurden? Der Isener Arbeitskreis für Heimatpflege und Kultur gibt mit einer kleinen Ausstellung Antworten darauf - ein spannendes Stück Heimat- und Kunstgeschichte.

Der Isener Herbert F. Scholz, der maßgeblichen Anteil an der Ausstellung hat, wurde nur durch einen Zufall auf den vergessenen Künstler aufmerksam. Scholz war gebeten worden, den Rahmen eines Bildes zu reparieren, das Conring in den 1920er Jahren in Isen gemalt hatte. Scholz war beeindruckt von der Könnerschaft des ihm unbekannten Künstlers und begann zu recherchieren. Es fanden sich immer mehr Werke Conrings, die bei Isener Familien seit langem die Wohnungen schmücken. Scholz forschte zudem akribisch zur Biografie des Malers.

August von Conring

Eines der vielen Stillleben, die August von Conring in den 1920er Jahren in Isen mit Pastellkreide malte.

(Foto: oh)

Der 1865 geborene August von Conring hatte keine glückliche Kindheit. Als er ein Jahr alt war, beging sein Vater Selbstmord, acht Jahre später starb seine Mutter und der Neunjährige kam in ein Waisenhaus. Finanziell ging es ihm hingegen gut. 1886 kam er nach München und begann ein Studium an der Kunstakademie. In den 1890er Jahren war er regelmäßig bei den Kunstausstellungen im Münchner Glaspalast präsent. Allein die Teilnahme daran bedeutete nicht unerhebliches Renommee. Viel weiß man jedoch nicht von seinen damaligen Werken. Ein Gemälde mit dem Titel "Ein Niederländer" ist im Bestand der ungarischen Nationalgalerie. Bei Auktionen wurden in jüngerer Zeit die wunderbaren Bilder "Mädchen in Festtagstracht" und "Strickendes Mädchens" angeboten, fanden aber wegen Conrings Unbekanntheit keinen Käufer.

Ein lässiger Künstlertyp war er ganz sicher nie. Womöglich fehlte ihm ob seiner finanziellen Unabhängigkeit der nötige Drive, um auch geschäftlich erfolgreich zu sein. Dass er professionell Schmetterlinge züchtete, ist ein psychologisch interessanter Aspekt. Seine Leidenschaft für die schönen Insekten kann man auch als Abwendung von der großen Welt deuten.

So wie seinen Umzug 1916 zusammen mit seiner Haushälterin nach Isen. Damit war er im Wortsinn und endgültig draußen. Seine Zeit als zurückgezogener Privatier und Isener "Schmetterlingsbaron" endete jedoch jäh. Er hatte sein Vermögen in Kriegsanleihen investiert, die Inflation nahm ihm den Rest und Conring verarmte. Herbert F. Scholz glaubt, dass er selbst 1920 das Gerücht in die Welt setzte, er sei gestorben, um sein Leben am Existenzminimum zu verbergen. Mit Pastellzeichnungen, schönen Stillleben und fast fotorealistischen Zeichnungen von toten Vögeln und kleinen Tieren, für Isener Bürger hat er sich wohl eher schlecht als recht über Wasser gehalten, bis er 1929, ein halbes Jahr nach dem Tod seiner Haushälterin, halb verhungert und geistig zerrüttet im Krankenhaus Gabersee starb.

August von Conring

Das Selbstbildnis des Künstlers zeigt ihn als 56-Jährigen.

(Foto: oh)

Sein Portrait, 1921 in Isen gemalt, ist das einzige greifbare Bild seiner selbst. Es zeigt einen mageren Mann mit bitter schmalen Lippen und skeptischem Blick. Er scheint sich und den Betrachter zu fragen, ob sich wohl dereinst irgendwer an ihn erinnern wird.

Die Ausstellung im Alten Rathaus in Isen ist bis Mitte Januar samstags 14 - 16 Uhr und sonntags 10 - 12 Uhr geöffnet, sowie nach Vereinbarung mit Franz Wenhardt, Telefon 08083/339.

© SZ vom 19.12.2015
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