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Isen:Da schau her

Frau macht Frau: Die Künstlerin Martina Kreitmeier gestaltet in Isen im Sommer ihr Werk für Lengdorf.

(Foto: Renate Schmidt)

Das Isental präsentierte sich im vergangenen Jahr als interessante Kultur-Region

Wer das schöne Buch am Buchrain besucht und sich das massive Holzkunstwerk anschaut, das mittlerweile vor dem Gemeindehaus seinen Platz gefunden hat, der muss schon sehr schmutzige Gedanken haben, um darin ein gewisses männliches Geschlechtsteil zu erkennen. Aber genau vor so einer schmuddeligen Assoziation hatten die Buchener Angst, als ihnen eine erste Skizze des Kunstwerkes präsentiert wurde. Und es war ja auch so: Das Werk, das eigentlich die Buchener Kirche symbolisieren wollte, hatte schon etwas von einem Phallus.

Die Posse in Buch war schnell vorbei: Der Künstler Florian Bunner, der das Werk im Rahmen des letztjährigen Holzbildhauersymposiums erstellen wollte, besserte seinen Entwurf nach, setzte noch einen kleinen Diamanten auf die Kirchturmspitze und fügte Fenster ein. Der Gemeinderat war zufrieden, und die Gemeinde darf sich heute über ein schönes Werk freuen. Überhaupt war die Stimmung gut im Isental im vergagnenen Sommer. Das zweite Holzbildhauersymposium des Landkreises hatte dort, im Meindlpark, statt gefunden. Wie auch das erste vor zwei Jahren in Wartenberg war es ein Erfolg. Sieben Künstler aus ganz Deutschland haben im Laufe einer Woche sieben verschiedene Kunstwerke aus Holz für die teilnehmenden Gemeinden im süd-östlichen Landkreis erstellt, und jeder konnte sie dabei beobachten. Organisiert hat diese "Skulptour" wieder der Oberdinger Künstler Wolfgang Fritz; so nennt er die Mischung aus Kunst, Radfahren und sanftem Tourismus. Denn nachdem die jeweiligen Kunstwerke in den teilnehmenden (und auch finanziell beteiligten) Kommunen aufgestellt wurden, führt wie schon vor zwei Jahren eine Radtour durch das Isental an den Werken vorbei. So können sich nicht nur die Gemeinden mit Kultur schmücken, sondern auch den ein oder anderen Gast begrüßen, der sonst vielleicht nicht den Weg in den Ort gefunden hätte.

Aber das Isental hat nicht nur temporär interessante Kunst zu bieten: Viele Künstler wohnen rund um Dorfen und Isen und haben sich im Sommer zusammengetan und ihre Ateliers ein Wochenende lang für interessierte Besucher geöffnet. Da gab es einiges zu entdecken, und manche dürften überrascht gewesen sein über die Vielfalt der örtlichen Kunstszene: Fotografen waren dabei, Maler, Bildhauer und Metallarbeiter. Zum Teil haben sich Künstler präsentiert, die schon seit Jahrzehnten - weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit - ihren Passionen nachgehen und sie mitunter auch zum Beruf gemacht haben. Zum Beispiel Thomas Bachmaier, der sich mit Metall beschäftigt und Licht-Kunstwerke in alle Welt verkauft. Das Isental hat also im Jahr 2015 richtig überrascht - und darf das auch gerne im kommenden Jahr tun.

© SZ vom 31.12.2015 / webe
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