Immobilienmarkt:Lieber eine Nummer kleiner

Lockdown und Home-Office sorgen für Verschiebungen auf dem Markt für Büroimmobilien. Laut DAK-Studie wollen neun von zehn Mitarbeitern zumindest tageweise weiter zuhause arbeiten

Von Regina Bluhme, Erding

Vor kurzem hat die Agentur für Arbeit beschlossen, von der Erdinger Innenstadt in die Peripherie nach Aufhausen zu ziehen. Die Behörde hat nach langer Suche einfach keine passende neue Bleibe im Zentrum gefunden. Büroflächen, vor allem größere, sind in Erding eher rar gesät. Aber braucht es angesichts von Home-Office überhaupt noch viele Büros? Auf dem hiesigen Immobilienmarkt machen sich gerade zwei Trends bemerkbar: Die Nachfrage nach kleineren Büroeinheiten steigt - und bei Wohnungen darf es ein Zimmer mehr sein: fürs Office daheim.

Mit der Arbeitsagentur als Mieter hat Harald Irl, der Geschäftsführer der IMA GmbH und Co KG, einen dicken Fisch an Land gezogen. Etwa 1000 Quadratmeter hat er an die Behörde in Aufhausen vermietet. Der Trend gehe aber in eine andere Richtung, sagt er: Viele Firmen lösten Großraumbüros in München auf und gingen in die Region mit kleineren Büros. Das spiele seinem Angebot von kleineren Büroeinheiten, die er in Aufhausen noch im Angebot hat, gut in die Karten.

Auch Georg Sellmeier, Geschäftsführer von VID Erding, sieht den Trend, dass Gewerbeflächen etwas kleiner werden. Über den Daumen gepeilt, würde er sagen: 20 bis 30 Prozent weniger Fläche, dafür werde bei Wohnungen gerne ein Zimmer mehr genommen fürs Home-Office. "Die Leute schauen, ob ein zusätzliches Zimmer drin ist." Dazu passt eine aktuelle Meldung der DAK: Laut einer Studie wollen nach dem Ende der gesetzlichen Homeoffice-Pflicht viele nicht zurück ins Büro. "Neun von zehn wollen auch in Zukunft mindestens ein Viertel ihrer Zeit von zu Hause aus arbeiten", heißt es in einer Pressemitteilung.

Martin Sperr von Sperr und Zellner Immobilien in Dorfen hat ebenfalls die Erfahrung gemacht, "dass die Leute etwas großzügiger wohnen wollen". Mehr Wert werde darauf gelegt, dass das Zuhause einen Garten oder zumindest einen Balkon hat, "dass man auf jeden Fall ein bisschen raus kann". Für den Bereich von Dorfen kann er bei der Nachfrage nach Büros keinen "Corona-Effekt" erkennen, die Nachfrage sei weiter da, man könne daher seit der Öffnung der A 94 vielleicht eher von einem "Autobahn-Effekt" in Dorfen sprechen.

Gibt man bei Immoscout "Büroimmobilien" und "Stadt Erding" ein, dann ploppen (Stand 1. Juli) 15 Angebote auf, gleich fünf davon befinden sich an der Otto-Hahn-Straße. Die meisten der Büros sind um die 100 Quadratmeter groß, die kleinste Fläche hat 25, es gibt aber auch Angebote von über 500 Quadratmetern. Im Schnitt werden zehn bis zwölf Euro pro Quadratmeter verlangt, je nach Lage, Zustand und Ausstattung können es aber auch mal 18 Euro werden.

15 Angebote für Büros in der Großen Kreisstadt, das sei nicht so viel, aber nach Ansicht von Georg Sellmeier zeige das auch, dass die meisten eben nicht lange auf dem Markt sind und schnell wieder vermietet werden, "wenn der Preis stimmt". Auch schon vor Corona und dem Home-Office-Trend sei die Erdinger Region in direkter Nachbarschaft zum Flughafen München Erding beliebt gewesen als Standort für Wohnen und Gewerbe.

Die Flughafen München GmbH (FMG) plant mit dem künftigen Lab Campus auf dem Airport Gelände Großes. Erst vor kurzem wurde für das erste Gebäude Lab 48 an der Nordallee symbolisches Richtfest gefeiert. Mit einer Fläche von etwa 30 000 Quadratmetern soll das viergeschossige Bürogebäude den Mietern vielfältigste Nutzungsmöglichkeiten bieten, schrieb damals die Pressestelle der FMG. Zugleich zeigt sich auch hier, wie Büros der Zukunft aussehen: Der Großteil der Flächen ist für individuell gestaltbare Büros vorgesehen, das Erdgeschoss dient als "Begegnungs- und Kommunikationsareal".

"Natürlich merken auch wir bei unserer Vermarktung des ersten Bürogebäudes am LabCampus - dem Lab 48 - dass sich die Rahmenbedingungen für die Vermietung von Büroflächen durch die Pandemie und ihre Folgen verschlechtert haben", schreibt FMG-Pressesprecher Ingo Anspach auf Nachfrage. Die Anforderungen vieler Unternehmen hätten sich verändert, diese hätten "ihre diesbezüglichen Planungen zunächst zurückgestellt oder angepasst". Dennoch würden gerade "viele positive Gespräche mit potentiellen Residents" geführt. Der mit Lab Campus verfolgte Ansatz, "eben nicht nur einzelne Gebäude, sondern ein ganzheitliches Konzept für Innovation, Kollaboration und Vernetzung anzubieten", stoße auf große Resonanz.

Die FMG selbst hat auch Projekte auf dem Lab Campus zurückgestellt. Der hart vom Lockdown getroffene Münchner Airport hat den Bau des Ibis Hotels und des neuen FMG-Verwaltungsgebäudes Campus auf unbestimmte Zeit verschoben.

© SZ vom 02.07.2021
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