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Im Sparkassensaal:Den Augenblick überbrückt

In der Ausstellung "Dillis in Dorfen" kann man Johann Georg von Dillis als zeitlos grandiosen Zeichner erfahren. Im parallelen Gegenüber treffen seine grafischen Werke auf Gemälde von Anton Empl

Ist Johann Georg von Dillis wirklich ein Dorfener, fragt Albrecht Gribl in seinem Einführungstext zu der im Spannung und Vorfreude erwarteten Ausstellung "Dillis in Dorfen - Johann Georg von Dillis und Anton Empl begegnen sich". Sein Geburtshaus, das Alois Lehrhuber eindeutig in Gmain in den Gatterbergen südlich von Schwindkirchen identifiziert hat, gehört zumindest heute zur Stadt Dorfen, zu Dillis Lebzeiten war das aber noch nicht so. Bei Anton Empl, der mit Gribl, Lehrhuber und Franz Wimmer die Dorfener "Dillis-Gruppe" bildet, die sich seit Jahren mit dem herausragenden Künstler und Kunstkenner intensiv befasst, ist es so: Er ist in Sichtweite von Dillis' Geburtshaus zur Welt gekommen, und anders als jener unzweifelhaft Dorfener, weil er nicht nur als langjähriger Kunstpädagoge am Gymnasium der Stadt intensiv verbunden blieb.

Eine Zeichnung von Johann Georg von Dillis, vielleicht ganz schnell aus der Postkutsche heraus skizziert.

(Foto: Abbildungen Aus dem Katalogheft zur Ausstellung)

Auch Johann Georg von Dillis war einen Großteil seines Lebens im Staatsdienst. Er war der Kunstberater des Kronprinzen und späteren Königs Ludwig I. Als Zentralgaleriedirektor betreute und vergrößerte er die königliche Gemäldesammlung und war verantwortlich für den Aufbau der Alten Pinakothek in München, noch immer eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. 1805 hatte Dillis den damals 19-jährigen Ludwig auf einer ausgedehnten Reise nach Rom und Paris begleitet. Die gemeinsamen Monate waren für beide prägend. Denn der Kunstfreund Ludwig nahm sich vor, "aus München einen Stadt zu machen, die Teutschland so zur Ehre gereichen soll, dass keiner Teutschland kennt, wenn er nicht München gesehen hat". Und Dillis reiste dann fast 40 Jahre lang immer wieder nach Italien und in viele andere Länder Europas, um zum Kauf angebotene Gemälde und Plastiken zu begutachten und, falls sie von ihm für würdig befunden wurden, für die königlichen Sammlungen zu erwerben.

Auch in Anton Empls Bild "Isental" ist eine Straße zentral: In der Mitte ist ein Foto der neuen A 94 integriert. Die große Dynamik beider Werke ist kein Zufall, sondern betont jeweils das Thema der Mobilität in und durch die Landschaft auf formale Weise.

(Foto: Abbildungen Aus dem Katalogheft zur Ausstellung)

Dillis war aber eben nicht nur beamteter Kunstexperte im Auftrag des Königs, sondern auch selbst Künstler. Gemälde hat er jedoch meist nur auf Wunsch und Bestellung von Bekannten und Freunden gemalt. Er war dabei vor allem Landschaftsmaler und in diesem Genre zwar sicher sehr gut. Doch wirklich herausragend waren seine Werke nicht, sie erscheinen aus heutiger Sicht nur wenig innovativ und eher brav.

Doch es gibt eine andere Seite des Künstlers Dillis, die erst in der jüngeren Vergangenheit als stark faszinierend und begeisternd erkannt worden ist. Dillis hat als privater Mensch offenbar jeden freie Minute genutzt, um Skizzen, Studien und Zeichnungen anzufertigen, von Motiven, die ihn augenblicklich fesselten, egal wo er gerade war. In vielen Fällen hat er die Zeichnungen später koloriert oder als Aquarelle ausgearbeitet. Mehr als 10 000 Blätter umfasst sein grafischer Nachlass.

Der Künstler und Kunstpädagoge Anton Empl wuchs in Sichtweise auf Dillis' Geburtshaus auf.

(Foto: Renate Schmidt)

Es sind ausschließlich Werke dieser privaten künstlerischen Beschäftigung, die nun in der Ausstellung in Dorfen zu sehen sind. Ein Münchner Sammler hat 46 Blätter zur Verfügung gestellt, die das Schaffen und die außerordentliche künstlerische Einstellung von Dillis in beeindruckender Weise zeigen. Der schnelle, treffende Strich und die dynamische Linienführung seiner Zeichnungen macht ihm dem modernen Betrachter so unmittelbar zugänglich. Die Zeitdifferenz ins frühe 19. Jahrhundert wird überbrückt, weil sein grafisches Werk pure Zeichnung ist, die nicht von einem Zeitgeschmack abhängt, sondern nur von der raschen Auffassungsgabe, dem klaren Blick und der schnellen Hand des Künstlers.

Johann Georg von Dillis, Portrait aus dem Jahr 1833 von Liberat Hundertpfund.

(Foto: Bay. Staatsgemäldesammlungen)

Das wird in der Ausstellung auch und gerade in der Gegenüberbetrachtung mit zehn Gemälden von Anton Empl deutlich. Auch Empl ist in erster Linie ein privater Maler, so wie Dillis für sich zeichnete und aquarellierte. Empls Bilder sind zwar viel größer in ihrer Dimension und ganz anders in ihrer Technik. Und die Dynamik, mit der Empl im großen Format zu Werk geht, ist etwas, das Dillis als Maler niemals getan hätte. Doch als Zeichner - und das wird im Vergleich so klar - hat Dillis Kunst geschaffen, die von Konventionen, die in der Malerei erst nach seinem Tod unwichtiger wurden, schon losgelöst war. Das hat auch damit zu tun, dass Dillis noch ganz und gar in einer Zeit lebte, die keine Fotografie kannte und auch deshalb von Malerei realistisch naturgetreue Darstellung verlangte. Interessanterweise baut wiederum Empl in seine expressiven Gemälde fotografische Aufnahmen ein - Parallelen treffen sich in der Unendlichkeit.

"Dillis in Dorfen - Johann Georg von Dillis und Anton Empl begegnen sich ", im Sparkassensaal, Unterer Markt 39, 14. bis 29. September, samstags und sonntags 13 bis 17 Uhr, mittwochs 19 bis 21 Uhr.

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