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Im Landkreis:Dächer nutzen, Klima schützen

Die Grünen im Kreistag wollen Potenzialkataster für Solar- und Gründächer erstellen lassen. Solche Online-Kartenwerke zeigen für jeden öffentlich zugänglich, auf welchen Gebäuden Photovoltaik, Solarthermie oder eine Bepflanzung möglich und geeignet wäre

Von Florian Tempel, Erding

Ein Dach überm Kopf muss sein, aber es kann noch mehr, als die Hausbewohner vor widrigen Wettereinflüssen schützen. Freie Dächer bieten Platz für eine Solaranlage oder eine Dachbegrünung. Beides wollen die Grünen im Landkreis Erding stärker propagieren und haben deshalb Anträge zur Erstellung von Potenzialkataster für Gründächer und Solardächer in den Kreistag eingebracht. In den Online-Katastern sollen alle Dächer im Landkreis erfasst und ihre Eignung für eine Dachbegrünung oder als Flächen für die Energienutzung öffentlich im Internet zugänglich gemacht werden.

Um die Klimaschutzziele, zu denen sich Deutschland mit dem Pariser Klimaschutzabkommen verpflichtet hat, zu erreichen, "müssen geeignete Maßnahmen auf allen Ebenen umgesetzt werden", schreiben die Grünen-Kreisräte Maria Feckl, Florian Geiger und Dominik Rutz in der Presseerklärung zu ihren Anträgen. Um den Klimaschutz voranzubringen "gehört der Bau von Photovoltaik- und Solarthermieanlagen auf Gebäuden dazu". Ein Solarpotenzialkataster wäre ein sinnvolles Werkzeug, das von vielen "als Planungs- und Marketinginstrument genutzt werden kann". Es zeige nicht nur Hausbesitzern und Handwerkern die Eignung jedes einzelnen Daches im Landkreis, sondern ermögliche auch erste Planungen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen.

Natürliche Dachbepflanzung in Veddel Hamburg Deutschland Europa

Alle Dächer im Landkreis sollen erfasst und bewertet werden, ob sie sich zur Energieerzeugung eignen oder als bewachsene Fläche zur Klimaverbesserung beitragen können.

(Foto: Christian Ohde/imago)

Die Grünen erhoffen sich davon große Wirksamkeit: "So werden Hürden für neue Investitionen in Klimaschutztechnologien auf Dächern herabgesetzt." Auch im Klimaschutzatlas des Landkreises wird ein Solarpotenzialkataster zur Information der Bevölkerung und Wirtschaft vorgeschlagen.

Von den Erdinger Nachbarlandkreisen haben bereits die Landkreise Freising, Ebersberg und München Solarpotenzialkataster. Die Kataster bewerten mit verschiedenen Farben die Dachflächen in Abstufungen von "gut geeignet" bis "gut geeignet" und zeigen, wo die Sonneneinstrahlung besonders stark wäre. Auf den ersten Blick lässt sich so erkennen, dass die Mehrzahl der Dächer für eine Photovoltaik- oder Solarthermieanlage geeignet wäre. Jedes einzelne Haus lässt sich durch die Eingabe der Adresse suchen. Außerdem werden grundlegende Fragen beantwortet und Planungstipps gegeben.

Ähnlich ist es mit dem ebenfalls beantragten Gründachpotenzialkataster. Auch dieses soll als Online-Kartenwerk für jedes Dach im Landkreis dessen mögliche Eignung für eine Dachbepflanzung aufzeigen. Das wäre ein Service für Hausbesitzer und "ein gutes Instrument, um das Thema Gründach und seine Vorteile für die Natur und für die Gesellschaft bekannter zu machen", so die Grünen. Wie bei dem Solarpotenzialkataster erleichtere es für interessierte Hausbesitzer die Planung. Gründächer reduzierten in dicht besiedelten Gebieten die Hitzelast im Sommer, seien gute Puffer bei Starkregenereignisse, filterten Schadstoffe und Feinstaub aus der Luft und leisteten einen aktiven Beitrag zum Artenschutz und mehr Biodiversität, indem sie Lebensraum für Insekten und Kleinlebewesen bieten.

Solardach auf Wohnhaus in Puchheim, 2014

Von den Erdinger Nachbarlandkreisen haben bereits Freising, Ebersberg und München Solarpotentialklaster.

(Foto: Johannes Simon)

Die Kosten betragen nach Angaben der Grünen für das Solarkataster 12 500 Euro sowie einen jährlichen Bearbeitungsgebühr von 1500 Euro. Ein Gründdachkataster sei für 4000 Euro oder noch günstiger zu haben.

© SZ vom 23.02.2021
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