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Gammelsdorf:Vom Après-Ski in den Affenkäfig

Die Pörndorfer Biernasen waren mit ihrem Mottowagen beim Gammelsdorfer Nachtzug dabei.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Zuschauer des 13. Gammelsdorfer Nachtumzugs stehen erst im Bonbon-Regen, dann schüttet es wirklich von ganz oben - doch der guten Stimmung tut das keinen Abbruch

Die ersten blinkenden Lichter, die man auf der Fahrt zum 13. Gammelsdorfer Nachtumzug am Rosenmontag sehen kann, sind die Bremslichter der wartenden Autos und das Blaulicht der Helfer. Nachdem man das Auto abgestellt hat, geht es an den bereitstehenden Umzugswagen vorbei direkt zur Hauptstraße, wo der lange Tross von der Menge bereits erwartet wird.

Auf dem Weg bekommt man einen Vorgeschmack auf die Themen, derer sich Faschingsvereine, Burschen und Landjugend angenommen haben: Es beginnt mit einer fahrenden Après-Ski-Almrausch-Hüttn, aus der laut die zum Konzept passende Musik dröhnt - und das lauter als von mancher kleinen Festivalbühne. Als nächstes kommt ein Wagen, der auf den Super Bowl, das Finale der amerikanischen American-Football-Profiliga NFL, Bezug nimmt, der in der Nacht zum Montag stattfand. Darauf und davor turnen junge Männer in voller Football-Ausrüstung und mit spartanischer Kriegsbemalung herum. Vor einem Piratenschiff dreht sich ein als Fass Verkleideter zu den Klängen von "Atemlos", während ein betrunkener Jack Sparrow rauchend tanzt. Allgemein ist die Artenvielfalt recht groß: Affen, Giraffen, Krokodile und Kaninchen kommen den Besuchern entgegen, eine Horde Bienen kommuniziert zu Slim Shady.

In den fahrenden Discos wird auch sehr unterschiedliche Musik gespielt: Am häufigsten werden einem Schlager oder elektronische Clubmusik um die Ohren gehauen, aber manchmal vernimmt man auch die zarten Klänge von Rammstein oder die gefühlvolle Hingabe der Rednex an "Cotton Eye Joe".

In der Dunkelheit rattern Dieselgeneratoren, um die Umzugswagen dem Fußvolk entsprechend präsentieren zu können, schließlich wollen einige Teilnehmer auch die gesellschaftlichen Probleme ansprechen: Der "Affenzirkus" im eigenen Dorf oder in Deutschland insgesamt wird mit Käfigstangen und entsprechenden Kostümen dargestellt. Dieses Jahr feiert das bayerische Reinheitsgebot sein 500. Jubiläum, was durchaus einen eigenen Umzugswagen wert sein kann, schließlich spielt Bier hierzulande noch immer eine wichtige Rolle.

Entlang der Hauptstraße drängen die Zuschauer auf die Gehsteige, um Platz für den Umzug zu schaffen. Einige Sicherheitskräfte koordinieren das Publikum. Zwei Feuerwehrleute patrouillieren, als ein Bekannter, ein Mann um die 50, den einen grüßt und ihm voller Vorfreude zusteckt, dass jetzt gleich die jungen Fräulein auf den Wagen kommen würden.

Wenn man das erste Mal den Gammelsdorfer Nachtumzug erlebt und orientierungslos auf der Straße herumsteht, auf der gerade eigentlich Traktoren Umzugswagen ziehen sollten, wird man von Faschingserfahrenen netterweise schnell unter die Fittiche genommen ("He, Bursche! So wird des nix! Da wern's dich glei wegschicken. Geh her, da is no Platz!") und steht so wenigstens nicht mehr im Weg, als der Spielmannszug Hörgertshausen in Ponchos und Sombreros das Spektakel eröffnet.

Von den Wagen regnet es Süßigkeiten, als sie die Gasse zwischen den Menschenmassen durchfahren. Vor dem Hochsitz der Moderatoren halten sie dann kurz an, um vorgestellt zu werden.

Unglücklicherweise fängt es nach einiger Zeit an, heftig zu regnen. Der Feierlaune in Gammelsdorf hat das jedoch nicht geschadet. Und wenn man im Regen zwischen lauter Maskierten steht, die sich alle paar Sekunden kehligen Helau-Rufen hingeben, bekommt man selbst als Faschingsmuffel ein wenig Lust mitzufeiern und bereut, die eigene Verkleidung daheim gelassen zu haben.