bedeckt München
vgwortpixel

Freising:Dauerhaft naturnah wirtschaften

Eine Podiumsdiskussion an der Hochschule Weihenstephan macht klar, dass an einer Ökologisierung der Landwirtschaft kein Weg vorbeiführt

Bauern, Naturschützer und Politik müssen miteinander im Gespräch bleiben, an einer Ökologisierung der Landwirtschaft aber führt kein Weg vorbei. Dies ist das Fazit einer Podiumsdiskussion, zu der die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT), die TU München und der Bund Naturschutz am Mittwoch eingeladen hatten. "Landwirtschaft und Naturschutz versöhnen" lautete der Titel. Den Anstoß hatte das erfolgreiche Volksbegehren zur Artenvielfalt gegeben. Das Interesse an dem Thema ist groß, etwa 380 Besucher waren zu der Veranstaltung an der HSWT gekommen, darunter viele Studierende.

Alois Glück, Landtagspräsident a. D. und Moderator des Runden Tisches zum Volksbegehren, sagte in einem kurzen Vortrag, ihm sei nicht bewusst gewesen, was für eine Stimmung sich bei den Landwirten über Jahre hinweg aufgebaut habe. Viele hätten das Gefühl, ihre Arbeit werde nicht mehr geschätzt, sie würden nur noch kontrolliert. Beim Runden Tisch habe er eine hohe Bereitschaft erlebt, dem anderen zuzuhören und ihn zu verstehen. Nicht bewusst gewesen sei ihm aber auch das Ausmaß der Veränderungen bei der Biodiversität. Für die konventionelle Landwirtschaft gehe es jetzt darum, Lösungen zu finden, um dauerhaft naturnah zu wirtschaften. "Dafür braucht es Konzepte." Auch Strukturen in Beratung und Ausbildung müssten überprüft werden. Gefordert seien aber auch die Kommunen bei der Pflege ihrer Grünflächen. "Wir brauchen ein Umdenken", so Glück.

Mit Unternehmen aus anderen Branchen seien landwirtschaftliche Betriebe nicht zu vergleichen, sagte der Agrarwissenschaftler Alois Heißenhuber auf die Frage von Moderator Klaus-Peter Wilbois, Professor an der HSWT. Es gehe nicht an, billige Lebensmittel auf Kosten der Tiere, der Menschen und der Umwelt zu produzieren. "Da braucht es Leitplanken", forderte Heißenhuber. "Ein Weiter-So ist keine Option." Ähnlich sieht dies Richard Mergner, Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern. Er sprach sich für einen "Gesellschaftsvertrag" zwischen Landwirten und Verbrauchern aus. Letztere müssten bereit sein, höhere Preise zu bezahlen. Den Frust der Landwirte könne er verstehen, sagte Mergner. Sie hätten nur das gemacht, was Berater und Bauernverband ihnen gesagt hätten. Jetzt aber sei ein Systemwechsel wichtig. Das Heil könne nicht länger in einer Wachstumssteigerung liegen. Viele Landwirte hätten bereits aufgegeben - und das lange vor dem Volksbegehren.

Georg Rabl, Landesvorsitzender der Bayerischen Jungbauernschaft, verwies darauf, dass das Volksbegehren viele Landwirte sehr getroffen habe. Es habe ihnen das Gefühl vermittelt: "Man braucht euch nicht." Ein Umdenken finde bereits statt, warf er ein. Allerdings müsste der Markt für ökologisch erzeugte Lebensmittel entsprechend wachsen. Er glaubt, dass die Bio-Branche eine Nische bleiben werde.

Alle anwesenden Studenten bekamen zum Schluss ein Exemplar des Buchs "So schön kann Landwirtschaft sein". Herausgeber Ernst Wirthensohn beschreibt darin das Allgäuer Modell "Von hier", an dem sich mittlerweile 600 Landwirte beteiligen. Das spreche für den Erfolg, auch wenn es wie ein "Allgäu-Märchen" klinge, betonte Wirthensohn. Einer dieser Betriebe ist die Breitsameter Ei GmbH. Geschäftsführerin Hanna Breitsameter, die bis vor kurzem selbst in Weihenstephan studiert hat, sagte, der Biolandbau könne mit Blick auf den Artenschutz das leisten, "was die Verbraucher erwarten". Konventionelle Betriebe könnten sich hier etwas abschauen, dafür "müssen wir aber mehr kommunizieren". Es müsse aber auch noch mehr geforscht werden. Alois Glück empfahl allen Beteiligten, auch den Landwirten untereinander, nun gerade auf regionaler Ebene ins Gespräch zu kommen. Das sei eine große Chance.