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Folge des Klimawandels:Buntes Federvieh aus Afrika

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In Langenbach hat am vergangenen Sonntag Hans-Jürgen Seidel diesen Halsbandsittich entdeckt.

(Foto: Privat (Seidel))

Immer häufiger werden Papageien in der freien Natur gesichtet. Den Winter können sie hier überstehen

In der Rheinebene leben schon Tausende Halsbandsittiche in der freien Natur, in Bayern gibt es bisher nur wenige Sichtungen: Die Papageienart, die ursprünglich aus Afrika und Asien stammt, ist jedoch in Deutschland und ganz Europa auf dem Vormarsch. Im Landkreis Freising wurden dem Vorsitzenden des Freisinger Tierschutzvereins Joseph Popp in diesem Jahr bereits drei Sichtungen gemeldet. Jeweils einmal hat ein Bürger einen Halsbandsittich am Freisinger Steincenter und bei den Schlüter Hallen gesehen, eine weitere Sichtung gab es in Langenbach. Ob es sich dabei um das selbe Tier handelt, ist bislang unklar.

In Langenbach hat am vergangenen Sonntag auch Hans-Jürgen Seidel ein Exemplar in einem Vogelbeerbaum am Feldrand entdeckt. Kurzerhandunterbach er sein Frühstück, griff zur Kamera und pirschte sich an den Vogel ran, der offenbar selbst gerade im Begriff zu frühstücken war. Klar ist nun nicht nur, dass es sich um einen Halsbandsittich handelt. Dessen Federfarbe ist in der Regel grün, allerdings gibt es auch hell- und mittelblaue Exemplare. Sicher ist dank der scharfen Aufnahmen auch, dass der Vogel einen Ring am rechten Fuß trägt und daher entweder aus einer Zucht stammt oder einem privaten Halter entflogen ist.

"Der gehört sicher irgendwo hin", sagt Joseph Popp. Allerdings stamme das Tier nicht unbedingt aus dem Landkreis Freising. "Für die sind 50 Kilometer gar nichts", sagt Popp. Die acht Kilometer von Freising nach Langenbach wären daher für den Vogel mit dem markanten roten Schnabel wohl eher ein Kurzstreckenflug. Eine Vermisstenmeldung zu einem Halsbandsittich liege dem Tierschutzverein bislang zudem nicht vor. Der Vogel sehe aber bestens genährt und gesund aus, bestätigt der Vorsitzende des Tierschutzvereins. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) hat bislang nichts von den jüngsten Vogelsichtungen mitbekommen. "Wir hatten letzte Woche unseren Arbeitskreis, da wusste auch niemand was", sagt Hans-Jürgen Unger, stellvertretender Vorsitzender, auf Nachfrage.

Unger weiß aber von einer anderen Begegnung zu erzählen, die seine Frau schon vor einigen Monaten hatte. Da habe sie in Marzling im Frühjahr, als die Bäume noch laubfrei waren, einen "riesengroßen Papagei" gesichtet.

Joseph Popp ist jedes Mal, wenn er von einer Sichtung hörte, direkt ins Auto gestiegen, doch kam er bisher immer zu spät. Sowieso sei es "äußerst schwierig", die entflogenen Vögel wieder einzufangen. "Am einfachsten ist es, wenn es einen Halter gibt, dessen Stimme der Papagei kennt", sagt Popp. Man könne auch versuchen, die Tiere anzufüttern. Ob dies funktioniere, sei aber fraglich, da die Vögel auch in der Natur reichlich Nahrung wie etwa Kirschen, Zwetschgen, Vogelbeeren und Nüsse finden würden.

Dass die Vögel auch mit den hiesigen Jahreszeiten zurechtkommen, bezweifelt Popp nicht. "Diese Vögel wandern seit Jahren in Folge des milderen Klimas in Deutschland ein. Sie leben in Baumhöhlen wie Spechte, hacken aber mit ihrem starken Schnabel auch mal ein Loch in eine Hausdämmung und ziehen da zur 'großen Freude' der Hausbesitzer ein." So würden sie sogar härtere Winter überleben. Sollte es doch noch gelingen, den Langenbacher Vogel einzufangen, sei im Tierheim sicherlich genügend Platz für ihn. Hauptsächlich hätten sie sonst Wellensittiche und Finken dort, sagt Joseph Popp. "Das sind die Standardvögel, die verkauft werden. Wir haben momentan aber alle weiter vermitteln können."