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Flüchtlingsheim in Poing:"Razzia in Rambo-Manier"

Verein "Seite an Seite" kritisiert Einsatz

Der Verein "Seite an Seite" übt massive Kritik an einem Polizeieinsatz am Donnerstagmorgen gegen 5.30 Uhr in einer Poinger Flüchtlingsunterkunft. Es habe sich um eine "Razzia in Rambo-Manier" gehandelt, schreibt Sprecher Tobias Vorburg in einer Pressemitteilung. Einen ersichtlichen Grund für die gemeinsame Aktion der Polizei und der Regierung von Oberbayern habe es nicht gegeben. Die Bilanz seien konfiszierte Elektrogeräte - wie Wasserkocher, Staubsauger und Mixer - gewesen, zudem seien sieben Menschen in der Unterkunft angetroffen worden, die nicht zum Übernachten dort berechtigt sind. Dass die Polizei diese sieben Personen in ihrer Pressemitteilung als "Fremdschläfer" bezeichnet hat, ist nach Ansicht des Vereins "völlig respektlos".

Insgesamt seien Polizeieinsätze in dieser Größenordnung ohne erkennbaren Grund "nicht nur völlig überzogen, sondern auch ein Katalysator für handgreifliche Auseinandersetzungen", kritisiert Tobias Vorburg: "Wer frühmorgens in Rambo-Manier derartige Muskelspiele veranstaltet, sollte seine Haltung zum Beruf überdenken. Ist die Polizei doch eigentlich dafür da, um Konflikte zu schlichten beziehungsweise diese gar nicht aufkommen zu lassen". Für die Zukunft fordert der Verein, "die Beteiligten in aller Deutlichkeit auf, Einsätze dieser Art zu unterlassen und Geflüchtete nicht pauschal zu kriminalisieren."

Die Polizei hatte in ihrer eigenen Pressemitteilung zum etwa einstündigen Einsatz gemeldet, dass dabei etwa 100 Elektrogeräte gefunden worden seien, die laut Hausordnung untersagt seien. Bei einem Bewohner sei ein vierstelliger Geldbetrag gefunden worden, zu dem noch Klärungsbedarf bestehe.

© SZ vom 13.05.2019 / SZ
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