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Der "Kellerbräu" in Dorfen:Wunschtraum erfüllt

Der Sud des Zwicklbiers reift schon in den Stahltanks. Mitte bis Ende November will Andreas Schweiger die ersten Hektoliter seines Kellerbräus auf den regionalen Markt bringen.

(Foto: Renate Schmidt)

Andreas Schweiger hat sich selbständig gemacht. Der erste Sud Zwicklbier reift schon im Keller des elterlichen Getränkemakrtes, weitere Spezialitäten sollen folgen.

Von Thomas Daller, Dorfen

Dorfen war einmal ein bekannter Wallfahrtsort und damit einhergehend auch ein Ort, in dem Brauereien und Gaststätten florierten, denn pilgern macht hungrig und durstig. Sechs Brauereien gab es im 17. Jahrhundert in Dorfen; bis vor kurzem waren es immerhin noch zwei. Neben der Brauerei Bachmayer und dem Bräu z'Loh gibt es seit kurzem eine neue kleine Brauerei, die noch in den Anfängen steckt: Andreas Schweiger hat sich mit dem "Kellerbräu Dorfen" einen Wunschtraum erfüllt. Der 25-Jährige will mit Craft-Bieren und alten Biersorten wie beispielsweise Braunbier eine Nische im hart umkämpften Markt finden.

Es gehört Mut dazu, heutzutage eine kleine Brauerei zu eröffnen. Der Pro-Kopf-Bierkonsum in Deutschland ist seit Jahren rückläufig; von 146 Litern im Jahr 1980 auf 104 Liter im vergangenen Jahr. Aber es gibt auch einen gegenläufigen Trend, der ursprünglich aus den USA kommt. Dort sind viele kleine Brauereien entstanden, die handwerklich gebrautes Bier für einen kleinen regionalen Markt herstellen. Craft steht für Handwerk und damit für ein besonders hochwertiges Bier im Gegensatz zu den konventionellen Brauereien. Mittlerweile ist jedes zehnte in den USA gezapfte Bier ein Craft-Bier.

Auch in Deutschland entstehen solche kleinen Brauereien, die von jungen Brauern betrieben werden. Andreas Schweiger hat sein Handwerk bei der Dorfener Familienbrauerei Bachmayer erlernt und sammelte fast sechs Jahre Erfahrung beim Bräu z'Loh. Dort hat er gekündigt, um nun seine eigene kleine Brauerei auf die Füße zu stellen. Sie befindet sich im Keller unter der "Getränkeoase" seines Vaters Andi Schweiger direkt an der Angermaier-Kreuzung in Dorfen. In dieser Kellerbrauerei ist alles eingerichtet wie in einer großen Brauerei, nur eben ein wenig kleiner: von der Sudpfanne über den Läuterbottich, Whirlpool, Enthärtungsanlage und Dampferzeuger bis zum Flaschenfüller, Kronkorker und Etikettenaufkleber. Die Anlage hat sich Schweiger gebraucht zusammengekauft, denn neu würde sie zwischen 150 000 und 250 000 Euro kosten. Mit ein wenig technischer Fantasie lässt sich auch Geld sparen: So hat er Milchtanks von einer Molkerei erworben, die er als Gärtanks einsetzt. "Ideal für den Anfang", sagt Schweiger.

Der erste Sud von zehn Hektolitern beziehungsweise 100 Tragl ist bereits fertig und reift nun in den Edelstahltanks. Es handelt sich um ein "Zwicklbier", ein unfiltriertes Helles. In den Verkauf geht es erst Mitte bis Ende November. Man bekommt es im Getränkemarkt seines Vaters und im Grüntegernbacher Getränkemarkt Holzmichl. Zu letzterem hat er Kontakt über einen ehemaligen Arbeitskollegen, der "die Grüntegernbacher schon ganz narrisch darauf gemacht hat".

Als nächstes will er ein Braunbier brauen. Bis etwa 1900 soll es das traditionelle Bier in der südbayerischen Region gewesen sein. "Dann ist es immer heller geworden", sagt Schweiger. Geschmacklich liege es zwischen Märzen und Dunkel. Gebraut wird es aus einer Mischung aus dunklem Münchner Malz und Pilsener Malz. Später soll auch mal ein Weißbier aus der Kellerbrauerei folgen. Erkennbar sind die neuen Kellerbräu-Biere an den weiß-orangen Etiketten, die in der Familie entworfen wurden. Es zeigt ein Dorfener Wappen aus der Zeit um 1900.

Derzeit arbeitet Schweiger noch als "Nebenerwerbsbrauer" und fährt morgens noch für die Bäckerei Brugger Brot und Semmeln aus. Danach widmet er sich dem Bier. Wenn die Brauerei mal "auf der Höhe" ist, will er die Ausbildung zum Braumeister machen. Und irgendwann soll es sein Bier auch auf dem Dorfener Volksfest geben, "das würd' mich freuen".

© SZ vom 06.10.2017
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