Soziales Engagement Wertvolle Erfahrungen

Auch in diesem Jahr leisten wieder viele Jugendliche im Landkreis Erding ein Freiwilliges Soziales Jahr. Die meisten arbeiten im sozialen Bereich, einige betreuen aber auch Fußballteams

Von Alexandra Maier, Erding

Für die einen ist es ein Jahr Auszeit vom Lernen, für die anderen eine Orientierungsphase. Wieder andere machen es, weil sie sich sozial engagieren wollen: Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bietet vielfältige Möglichkeiten. Seit Anfang September sind auch im Landkreis Erding wieder FSJler unterwegs, in Altenheimen und Krankenhäusern, Kindertagesstätten und Schulen, und auch einige Gemeinden profitieren von der Arbeit der Freiwilligen.

"FSJ im Sport" heißt das Konzept, das im Landkreis zunehmend Beachtung findet. Dabei arbeiten die Freiwilligen sowohl für die Gemeinde als auch für den ortsansässigen Sportverein. Sie helfen in Kindergärten und Schulen und übernehmen Trainingseinheiten im Kinderturnen oder Fußball. In Forstern hat man eine solche Stelle zum ersten Mal ausgeschrieben, in Finsing und Moosinning hat sich das Konzept bereits bewährt. In Finsing sind seit September wieder zwei FSJler im Einsatz. Sie werden von der Gemeinde bezahlt, übernehmen Arbeiten für den FC Finsing und helfen in der Schule mit. "Wir hatten auch schon Mal jemanden, der bei der Wasserwacht eingesetzt war", erinnert sich Geschäftsleiter Helmut Fryba.

In Moosinning teilen sich Gemeinde und Sportverein zum fünften Mal einen FSJler. "Das hat sich in den vergangenen Jahren bewährt", sagt Claudia Walter von der Gemeindeverwaltung. Matthias Eschbaumer kann einen Großteil seines Freiwilligen Sozialen Jahres auf dem Fußballplatz verbringen. Er trainiert zwei Jugendmannschaften und kümmert sich um die Nachmittagsbetreuung in der Schule. "Am meisten Spaß macht mir die Arbeit mit den Kindern am Platz", sagt er. Auch in der Schülerbetreuung versucht er, Spiel und Bewegung einzubauen. Nicht selten ist das ein Kick in der Mittagspause. "Wenn die Kinder den ganzen Tag still sitzen mussten, ist es wichtig, dass sie sich bewegen, bevor sie sich an die Hausaufgaben machen." Für den passionierten Fußballer ist das FSJ eine willkommene Chance: "Ich kann hier meinen Übungsleiter- und meinen Trainerschein machen". Nach dem Abitur gleich weiterziehen an die Uni, das wollte Eschbaumer nicht. "Ein Jahr abschalten, bevor es mit dem Lernen weiter geht", deswegen hat er sich für das FSJ entschieden.

Auch Mirjam Schwantzer wollte sich Bedenkzeit geben, bevor sie sich auf einen Studiengang einschreibt. "Ich war mir nicht ganz sicher, was genau ich machen will", sagt die 18-Jährige. Sie leistet ihr FSJ im Mehrgenerationenhaus in Taufkirchen. "Ein gutes Jahr, das nicht verschwendet ist, weil ich anderen helfen kann", sagt sie. Ihre Aufgaben sind vielseitig. Sie kümmert sich um die Essensausgabe für die Schüler, richtet das Café für den Nachmittagstreff und hat mit Kindern, Jugendlichen, Eltern und Senioren zu tun. "Es macht mir richtig Spaß. Kein Tag ist wie der andere, das ist toll."

Auch im Mehrgenerationenhaus gibt es bei der Betreuung der Kinder für FSJ-Praktikanten viel zu tun.

(Foto: Renate Schmidt)

Die meisten Freiwilligen sind im sozialen Bereich eingesetzt. Zum Beispiel in der Caritas Kontaktstelle für Menschen mit Behinderung, in der Heilpädagogischen Tagesstätte St. Nikolaus in Erding oder im Mehrgenerationenhaus Taufkirchen. Auch das BRK und das Klinikum Erding beschäftigen FSJler. Sie arbeiten im Rettungs- und Fahrdienst, in der Zentrale Notaufnahme, in der Schlaganfalleinheit und in den Pflegestationen in Erding und Dorfen. Sie haben so die Gelegenheit, "ein Krankenhaus von innen kennenzulernen", sagt Gertrud Friess-Otto, Pflegedirektorin am Klinikum Erding. Für die meisten stelle das Praktikumsjahr eine wichtige Entscheidungshilfe dar, ob ein Pflegeberuf für sie in Frage kommt oder nicht. "In den letzten Jahren konnten wir immer einige von ihnen anschließend für unsere Krankenpflegeschule gewinnen."

Trotz des vielseitigen Angebots: Nicht immer ist es leicht, junge Menschen für ein Freiwilliges Soziales Jahr zu begeistern. Gerade nach dem Wegfall der Wehrpflicht hatte das Klinikum um FSJler umworben. Zwischen 2011 und 2013 arbeiteten maximal fünf Freiwillige dort. In diesem Jahr sind es elf FSJ-Praktikanten. Friess-Otto führt das auf die neue Kooperation mit dem BRK und dem Internationalen Bund zurück.

Die FSJler werden auch geschult. Themen sind Kommunikation, Persönlichkeitsbildung und Teambildung. Miriam Schwantzer ist gerade von einem Seminar zurückgekommen: "Man lernt andere kennen, die etwas ähnliches machen. Und man kann sich über Probleme austauschen. Wir sitzen ja alle im gleichen Boot."