Erding:Warteraum Asyl wird aufgelöst

Das ungenutzte Flüchtlings-Camp am Fliegerhorst kommt weg

Von Florian Tempel, Erding

Der ehemalige Warteraum Asyl am Erdinger Fliegerhorst wird zum Jahresende aufgelöst und abgebaut. "Davon gehen wir jedenfalls aus", sagte ein Pressesprecher der Bundeswehr der SZ Erding. Seit Januar 2020 befindet sich der Warteraum Asyl im Stand-by-Modus, um im Bedarfsfall innerhalb von 48 Stunden ganz schnell reaktiviert werden zu können. Die vertraglichen Vereinbarungen mit dem Bundesamt für Migration (Bamf) laufen in einem halben Jahr aus, sagte der Bundeswehr-Sprecher weiter, "und es ist nicht angedacht, sie zu verlängern."

Der Warteraum Asyl verfügt über circa 3000 Schlafplätze in alten Flugzeugunterständen und relativ neue Leichtbauhallen. Nachdem das Camp im Herbst 2015 in großer Eile errichtet worden war, durchliefen es bis zum Frühjahr 2016 fast 100 000 Flüchtlinge. Alle blieben nur kurz im Warteraum. Bei einem sogenannten Relocation-Programm durchliefen später dann etwa 11 500 ausgesuchte Flüchtlinge, die aus Italien und Griechenland nach München geflogen wurden, das Durchgangslager. Die meisten hielten sich dort weniger als 24 Stunden auf. Vom Herbst 2018 an wurde das Camp in ähnlicher Weise, aber in viel kleinerem Umfang für Familienzusammenführungen genutzt.

Während der ersten Pandemie-Welle hatte Landrat Martin Bayerstorfer (CSU), die Idee, dort ein Covid 19-Hilfskrankenhaus einzurichten. Binnen einer Woche wurden zwei Leichtbauhallen in ein provisorisches Quarantäne-Lazarett mit 160 Betten umfunktioniert. Bei der Firma Linde wurde eine mobile Anlage mit 14 000 Litern flüssigem Sauerstoff geordert, dazu 200 Patienten-Sauerstoffgeräte gekauft und vorübergehend mehr als 30 Container mit Toiletten, Waschräumen und Umkleiden für das medizinische Personal aufgestellt. Das Notfallkrankenhaus kam jedoch nie zum Einsatz. Die Kosten für seine Einrichtung betrugen 5,6 Millionen Euro.

Mittlerweile kümmert sich wieder die Bundeswehr um alles. Doch den Warteraum Asyl auch nur im Stand-by-Modus zu halten, sei "ein immenser Aufwand für die Bundeswehr", sagte der Bundeswehr-Sprecher. Im Winter musste man durchgehend die Hallen heizen, damit kein Schnee und Eis auf den dünnen Dächer liegen blieb und um den Fußboden aus Pressspanplatten trocken zu halten. Alle Wasserleitungen mussten regelmäßig durchgespült und die gesamte Elektrik überprüft werden. Und eine externe Firma habe die IT-Ausstattung in Bürocontainern und die für die Registrierung von Flüchtlingen benötigte Software stets auf dem neuesten Stand gehalten.

Die Bundeswehr hat auch alle anderen Verträge mit externen Nutzern am Fliegerhorst gekündigt. Spätestens zum Jahresende müssen gewerbliche Hallenmieter, die Flugsportgruppe und Vereine, die die Sportanlagen am Fliegerhorst nutzen durften, endgültig raus.

© SZ vom 28.07.2021
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