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Erding:Noch in der Konzeptphase

hochwasser aufhausen

Nach lange anhaltendem Regen kam es Anfang Juni 2013 an vielen Stellen in Erding - wie hier im Gewerbegebiet bei Aufhausen - zu Überflutungen.

(Foto: oh)

Seit 2018 gibt es ein staatliches Förderprogramm für ein kommunales Sturzflut-Risikomanagement. Im Landkreis Erding haben es bislang nur fünf Kommunen in Anspruch genommen

Von Jakob Ille und Florian Tempel, Erding

ErdingKeller voll Wasser, die Straßen überschwemmt, ganze Häuser weggespült - Unwetter haben in Deutschland zuletzt nicht nur schwere Schäden verursacht, sondern auch Todesopfer gefordert. An diesem Wochenende werden in Bayern wieder heftige Gewitter und Starkregen erwartet. Die Bilder in den Nachrichten erinnern an den Juni 2013 als im Landkreis Erding wegen Überflutungen und Hochwasser der Katastrophenfall ausgerufen wurde. Unter dem Eindruck der Starkregenkatastrophe 2016 in Simbach am Inn, legte die damalige bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) ein Sonderförderungsprogramm auf, das Gemeinden seit 2018 finanziell bei der Ausarbeitung von Sturzflutschutzkonzepten unterstützt. Im Landkreis Erding haben es nur Dorfen, Eitting, Fraunberg, St. Wolfgang und Wörth in Anspruch genommen.

Dabei sind seit fünf Jahren alle Gemeinden in Bayern aufgefordert, sich um ein Sturzflut-Risikomanagement zu kümmern. Angesichts der jüngsten Ereignisse müsse deutlich werden, "dass keine Kommune mehr nur zuschauen kann, was passiert", sagt die ehemalige Umweltministerin Ulrike Scharf. Jede Kommune kann bis zu 200 000 Euro Zuschuss erhalten. Scharf war nach dem verheerenden Starkregen in Simbach am Inn, bei dem fünf Menschen starben, drei Mal in der Stadt. Die Verwüstungen durch die Wassermassen waren "eines der dramatischsten Erlebnisse" in ihrer Zeit als Umweltministerin. Es war "ein Schlüsselereignis", das die Zerstörungskraft von Starkregen deutlich machte. Dass die Ursache im Klimawandel liege, werde niemand mehr bezweifeln sagt Scharf. Neben einer Reduzierung des CO₂-Ausstoßes sei eine Ausarbeitung von "Klimaanpassungsstrategien" ebenso notwendig, sagt Scharf. "Auch die Kommunen können in kleinem Umfang etwas tun", ein Sturzflutenkonzept sei ein Baustein.

Wörth war eine der ersten Gemeinden in Bayern, die beim Sonderprogramm zugriff, 150 000 Euro vom Staat erhielt und das Ingenieurbüro Blasy-Øverland mit der Erstellung eines Konzepts beauftragte. Nun wird bald entschieden, welche der ausgearbeiteten und vorgeschlagenen Maßnahmen Sinn machen und umsetzbar sind, sagt Bürgermeister Thomas Gneißl (FW). Zur Diskussion stehen etwa der Ausbau von Kanälen oder ein Rückhaltebecken. In Wörth setzt man vor allem aber auf Eigenverantwortung. Auf der Homepage der Gemeinde ist eine Karte veröffentlicht, aus der jeder die Risikolage für sein Haus entnehmen kann. Je nach Gefahrenlage sind die Häuser grün, gelb, orange oder rot markiert. Gneißl geht es um Sensibilisierung: "Dadurch, dass man die Gefahr visualisiert, werden die Bürger aufmerksam. Sehe ich mein Haus in rot, weiß ich, dass ich etwas tun muss." Hausbesitzer sollten dann selbst das Gefahrenpotenzial ihres Grundstück untersuchen lassen: "Die Situation ist von Haus zu Haus unterschiedlich. Schon die Höhe des Hauseinganges kann entscheiden, ob eine Gefahr besteht oder nicht."

In Dorfen erarbeitet das Ingenieurbüro Spekter ein Konzept. Gegen Ende des Jahres soll es vorgestellt werden. Unter anderem ist ein digitales Warnsystem Teil des Konzepts. Die Bewohner Dorfens sollen über ihr Smartphone informiert werden, wenn eine lokale Starkregengefahr besteht. Der Wörther Bürgermeister Gneißl hält davon nichts und hat eine solches Warnsystem für seine Gemeinde bereits ausgeschlossen. Denn: "Ein Starkregenereignis kommt kurz, heftig und ohne Vorwarnung."

Auch in Eitting wurde in die Entwicklung eines Schutzkonzeptes investiert. Bürgermeister Reinhard Huber sieht die wahre Gefahr aber nicht von oben kommen: "Was Starkregen betrifft, habe ich keine Bedenken. Gefährlich wird es, wenn das Wasser von einem abschüssigen Hang kommt. Bei uns in der Gemeinde ist es aber flach." Für ihn ist ein zentraler Punkt des Hochwasserschutzes die viel diskutierte Mauer entlang der Sempt in Altenerding, die er sehr kritisch sieht. Damit würden Hochwasser nicht verhindert, sondern lediglich verlagert.

Etwa 100 Kommunen haben bislang zwölf Millionen Euro für die Erstellung von Vorsorge- und Schutzkonzepten beantragt. Bayerns aktueller Umweltminister Thorsten Glauber (FW) hat unlängst erst wieder betont, wie wichtig der Schutz vor Starkregen vor allem für kleine Gemeinden sei. Kommunen können die Zuschüsse direkt beim Wasserwirtschaftsamt beantragen. Aus dem Landkreis Erding liegen dem Wasserwirtschaftsamt München derzeit keine weiteren Anträge vor.

© SZ vom 16.07.2021
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