bedeckt München 34°

Erding:Leerstehendes Kleinod

Künstler und Gewerbetreibende wollen Gartenpavillon in der Rossmayrgasse nutzen - zum Beispiel als Massageraum. Der Kreisausschuss hat Bedenken.

Der leer stehende Pavillon in der Roßmayrgasse weckt Begehrlichkeiten: Dem Landkreis als Eigentümer liegen drei Anträge von Bewerbern vor, die das Gebäude gerne mieten würden. Der Kreisausschuss hat sich in der vergangenen Sitzung mit der Frage befasst, ob man den Pavillon vermieten sollte. Er kam aber noch nicht zu einer abschließenden Meinung, ob es wirtschaftlich sinnvoll sei, das kleine Gebäude überhaupt zu vermieten und wenn ja, für welche Nutzung es geeignet sei. Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) hat daraufhin die Abstimmung vertagt. Vor einer Entscheidung soll den Kreisräten die Möglichkeit gegeben werden, den Pavillon zu besichtigen.

Der Pavillon an der Rossmayrgasse weckt Begehrlichkeiten. Er steht unter Denkmalschutz.

(Foto: Bauersachs Peter)

Der Pavillon stammt aus dem 17. Jahrhundert. Er diente den Landrichtern als Gartenpavillon, als das benachbarte Widnmann-Palais, wo sich jetzt die Erdinger SZ und die Fachhochschule befinden, noch Sitz der Erdinger Gerichtsbarkeit war. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, deshalb dürfen beispielsweise auch keine Nägel zum Aufhängen von Bildern in die Wand geschlagen werden.

Die drei Bewerber haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wofür sie den Pavillon nutzen wollen. Einer will ihn als Massageraum anmieten, eine andere will darin Haut- und Gesichtspflegepräsentationen abhalten und eine dritte möchte Kunstausstellungen veranstalten. In der Kreisausschusssitzung wies Landrat Martin Bayerstorfer darauf hin, dass das Gebäude nur einen Zugang über den Garten habe und die nutzbare Fläche sehr klein sei.

Sowohl im Erdgeschoss als auch im ersten Stock sei die Fläche nur jeweils 19 Quadratmeter groß; wobei sich im ersten Stock auch noch ein großer Tisch befinde, der offenbar an Ort und Stelle zusammengebaut worden sei, da nur eine schmale Wendeltreppe zu dem Raum führe. Da es zudem keine Fluchttreppe gebe, die den Anforderungen des Brandschutzes genüge, könne wohl nur das Erdgeschoss genutzt werden. Insofern sei es fraglich, ob man bei einer Miete für 19 Quadratmeter einen echten wirtschaftlichen Gewinn erzielen könne. Denn man müsse auch die finanziellen Folgen beispielsweise durch einen erhöhten Bauunterhalt oder personelle Kosten bedenken.

Wenn man so ein Gebäude hat, soll es nicht nur leerstehen", monierte Horst Schmidt (SPD). "Andererseits bin ich auch nicht für eine gewerbliche Nutzung." Zusammen mit dem 800 Quadratmeter großen Garten könne er sich jedoch eine kulturelle Nutzung in den Sommermonaten vorstellen. Er schlug vor, den Kreisheimatpfleger in die Überlegungen einzubinden: "Vielleicht hat der eine Idee." Bayerstorfer sagte, er könne sich durchaus vorstellen, dass das Areal von gemeinnützigen Vereinen für Kulturveranstaltungen genutzt werde.

Jakob Schwimmer (CSU) war der Auffassung, das Gebäude sei für eine Nutzung nicht geeignet: "Nutzbar ist nur das Erdgeschoss, und das hat eine Größenordnung von einem Schlafzimmer im sozialen Wohnungsbau." Aber es seien ja noch 800 Quadratmeter "Wiese" mit dabei, die könne man der Stadt Erding überlassen: "Dann können's dort Ritterspiele machen."

Bayerstorfer schlug vor, erst einmal ausrechnen zu lassen, was die Nutzbarmachung kosten würde, damit man das Objekt für Veranstaltungen zur Verfügung stellen könnte. "Ich schlage vor, wir schauen es uns erst mal an." "Fahren wir dort mit dem Bus hin", juxte Schwimmer.