bedeckt München

Erding:Ein Tunnel für 40 Millionen

Ein heikles Thema: Die Bäume entlang der Gleise müssen zurückgeschnitten werden.

(Foto: Renate Schmidt)

Planer beziffern die Kosten für eine Tieferlegung der Gleise von der Dorfener Straße bis zum Stadtpark. OB Max Gotz sucht Geldgeber und verhandelt unter anderem mit der Deutschen Bahn

Von Antonia Steiger

Erstmals hat das Rathaus Erding eine Zahl genannt, wie viel eine Verlängerung des S-Bahn-Tunnels bis zur Haager Straße kosten würde: 40 Millionen Euro. In den Plänen des Ministeriums fährt die S-Bahn erst ab der Dorfener Straße Richtung neuer Bahnhof unterirdisch. Die Stadt will aber, dass die Züge schon ab der Semptbrücke unter der Erde verkehren. Dann verschwände der Bahnübergang an der Haager Straße, und das Bahnhofsgelände wäre frei. Der Stadtentwicklungs-, Umwelt- und Verkehrsausschuss hat sich am Dienstag dafür ausgesprochen, diese Planung weiterzuverfolgen. OB Max Gotz (CSU) wurde mit dem Auftrag ausgestattet, nach Geldquellen zu suchen.

Eine erste Art der Kostenaufteilung hat Gotz bereits gefunden: An den Kosten für einen tiefer gelegten Bahnübergang Haager Straße, der 18 bis 20 Millionen Euro kosten würde, sollen sich nach dem Bundeseisenbahnkreuzungsgesetz auch der Bund und die Bahn mit jeweils einem Drittel beteiligen. Dies geht aber nur dann, wenn die Tieferlegung verkehrstechnisch erforderlich ist. Das galt jedoch bis Dienstag als ausgeschlossen, weil die Schließzeiten der Schranken unter 30 Minuten pro Stunde liegen sollen, auch wenn mehr Züge die Schranken passieren werden.

Die Diskussion nimmt nun eine Wende, weil Tom Seufert vom Planungsbüro Obermeyer darzulegen wusste, dass der Verkehr an den beiden als Knotenpunkten bezeichneten Straßeneinmündungen der Wilhelm-von-Diez-Straße in die Haager Straße östlich des Bahnübergangs und der Straße Am Bahnhof westlich des Übergangs nicht mehr leistungsfähig seien. Das machte Seufert anhand einer bewegten Grafik deutlich, derzufolge die Autos sich dort aufstauen. Alternativ müsste die Stadt eine Reihe von Rechts- und Linksabbiegespuren bauen, für die jedoch allein schon der Platz fehlt, wie Gotz anmerkte. Nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz müsste Erding daher für die Tieferlegung nur ein Drittel der Kosten übernehmen, zusätzlich wären Fördermittel zu erwarten.

Eine S-Bahn im Tunnel unterhalb des jetzigen Erdinger Bahnhofs - das ist technisch machbar. Das versicherte Konrad Daxenberger, Geschäftsführer der Lahmeyer Ingenieurgesellschaft den Stadträten. Er hatte eine Machbarkeitsstudie angefertigt und war dabei unter anderem auf einen Abwasserkanal gestoßen. Dass er verlegt werden kann, hat der Abwasserzweckverband laut Daxenberger bestätigt. Er hatte auch die erste Kostenschätzung für den S-Bahn-Tunnel vorgelegt und angefügt, er habe die Zahlen nicht schöngerechnet. Nicht beinhaltet seien jedoch die höheren Kosten für den Unterhalt eines Bahntunnels im Vergleich z einem oberirdischen Gleis.

Mit der Attitüde eines besorgten Hausarztes wies er die Stadträte auch darauf hin, dass die wertvollen Buchenbestände im Stadtpark so nicht stehen bleiben werden. Es helfe nichts, man müsse die Wahrheit aussprechen, sagte Daxenberger. Jedoch würden die Buchen auch bei einer oberirdischen S-Bahn angefasst werden müssen. Jeder Baum werde begutachtet, dann werde bestimmt, ob er umgeschnitten werden muss. Die Bahn wird durch den Park auf zwei nebeneinander liegenden Gleisen rollen, das hatte schon im Februar 2012 für Aufruhr gesorgt. Die Gleise sollen so weit wie möglich nach Osten gerückt werden, um die Bäume zu schonen.

Viele Male ist im Stadtrat schon von dem Finanzierungsdelta die Rede gewesen: von der Summe, die aufgebracht werden muss, um einen Gleisverlauf zu bekommen, der den Menschen und den städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten gerecht werden. Dazu gehört auch die Tieferlegung des Bahnübergangs in Altenerding. Hans Egger (Erding jetzt) hätte gerne gehabt, dass Erding mit einem Tunnel bis Altenerding ins Verfahren geht.

Hier widersprach ihm aber Rechtsanwalt Nikolaus Birkl. Erding dürfte keine Bereiche überplanen, die eisenbahnrechtlich gewidmet seien. Nur wenn absehbar sie, dass sich etwas ändere - wie beim jetzigen Bahnhof - sei die Kommune berechtigt, eigene Pläne vorzulegen. Das Rathaus hat über all das auch schon mit der Deutschen Bahn gesprochen. Die zeigt demnach Interesse an einer Überplanung der Flächen auf dem Bahnhofsareal. Erlöse aus deren Vermarktung sollen die von Erding zu tragenden Kosten weiter dämpfen.

© SZ vom 22.05.2014
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema