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Erding/Dorfen:Verlegen, absagen, abwarten

Die Corona-Krise trifft die Kulturschaffenden: Die Planung fürs Sinnflut steht, doch ob das Festival stattfinden kann, weiß im Moment niemand. Die Volksspielgruppe Altenerding verschiebt ihr Jubiläumsstück auf 2021 und im Kulturzentrum Jakobmayer ist es ungewohnt ruhig

"Es ist bitter für uns", so kommentiert Renate Eßbaumer, Regisseurin der Volksspielgruppe Altenerding, die Absage der Aufführungen für Juni und Juli. Die Proben für "Magdalena" liefen auf Hochtouren, dann kam Corona. Das Stück, eingeplant zum 100-jährigen Vereinsjubiläum, wird erst im nächsten Jahr gespielt. Auch im Dorfener Jakobmayer muss Kulturmanagerin Birgitt Binder mit Terminen jonglieren. Zwei für April eingeplante Auftritte sollen jetzt im Oktober und November stattfinden. Ob Ende Juli das Sinnflut in Erding stattfinden kann, darauf kann Veranstalter Peter Feller im Moment nur hoffen. Die Planung läuft aktuell weiter. "Wir stehen in den Startlöchern", erklärt der Festival-Macher.

"Wir haben alles gemacht, die Planung steht", sagt Feller - nur ob das beliebte Festival auf dem Erdinger Volksfestplatz auch tatsächlich vom 23. Juli bis 2. August stattfinden wird, das wisse er nicht. "Die Situation ist nicht einfach für uns", räumt er ein. Die Ungewissheit macht ihm sehr zu schaffen. Theoretisch könne die Entscheidung lange hinausgezögert werde, der Aufbau sei kein Problem, "in fünf Tagen stehen wir". Derzeit würden noch Tickets fürs Münchner Tollwood verkauft, das finde immer kurz vor dem Sinnflut statt. "Wenn die absagen, dann sagen wir auch ab", lautet jetzt erst mal die Devise. Das Sinnflut-Festival in Erding sei nun 26 Jahre lang immer über die Runden gekommen, nur diesmal, so fürchtet Feller, könnte die Corona-Krise den Machern das Genick brechen. "Das kann für uns noch dramatisch werden." Das Team versuche, irgendwie mit der Situation umzugehen und Ruhe zu bewahren, "wenn's auch nicht immer gelingt." Jetzt gelte es einfach abzuwarten, mehr könne man nicht tun. "Bis jetzt halten wir es aus. Aber spurlos geht das nicht an uns vorbei."

"Im Haus ist es grade so seltsam, ohne Zuschauer und Applaus, so leer", sagt Birgitt Binder, die das Programm im Jakobmayer in Dorfen managt. Zum Glück konnten zwei Termine auf den kommenden Herbst verschoben werden: Franzi Wanninger kommt am Samstag, 28. November, in den Jakobmayer, ursprünglicher Termin war der 3. April. Und der Auftritt der Band Monobo Son wurde vom 4. April auf Freitag, 16. Oktober, verschoben. Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit und können gegebenenfalls an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden. "Mit weiteren Terminverlegungen warten wir jetzt erst mal ab", sagt Birgitt Binder. Noch gelte die Ausgangsbeschränkung bis 19. April. Was im Juni und Juli passiere, könne derzeit niemand sagen. "Aber die Hoffnung stirbt zuletzt." Binder will optimistisch bleiben. "Es kommen auch wieder andere Zeiten", sagt die Kulturmanagerin. Sie freue sich schon auf den ersten Applaus im Jakobmayer und die erste "After-Corona-Veranstaltung".

volksspielgruppe altenerding

Die Proben für das Drama Magdalena liefen bereits, jetzt hat die Volksspielgruppe Altenerding alles abgesagt: Lore Wimmer als Bäuerin (links) mit Anna-Lisa Burgmaier in der Rolle der Magdalena.

(Foto: Veranstalter/oh)

Feiern wollte dieses Jahr die Volksspielgruppe Altenerding und zwar richtig. Zum 100-jährigen Bestehen sollte das Drama "Magdalena" von Ludwig Thoma im Erdinger Bauernhausmuseum zur Aufführung kommen. Schweren Herzens hat sich die Vorstandschaft der Volksspielgruppe Altenerding aufgrund der Corona-Virus-Problematik entschieden, die Premiere des Volksstücks auf das nächste Jahr zu verschieben, schreibt nun Renate Eßbaumer, die zusammen mit Manuela Schieder die Regie führt.

Die 100 Jahr-Feier des Vereins wurde ebenfalls abgesagt und wird zu gegebener Zeit neu angesetzt. "2021 hoffen die Verantwortlichen dann auf den wundervollen Theatersommer, den sie ihrem treuen Publikum bereits versprochen hatten", schreibt Eßbaumer weiter. Die Rollen sind und bleiben besetzt, der neue Premierentermin werde rechtzeitig bekannt gegeben. Der Kartenvorverkauf lief gut. 30 Prozent waren bereits verkauft, sagt Renate Eßbaumer am Telefon. Erworbene Tickets behalten ihre Gültigkeit. Nun hofft die Erdinger Theaterregisseurin, dass nicht alle gleich ihr Ticket zurückgeben.

"Ich bin schon traurig, es ist bitter für uns", sagt Renate Eßbaumer. Die Tribüne für die Zuschauer ist bereits abbestellt, der Probenplan hinfällig. Gerade jetzt zum 100-jährigen Jubiläum macht Corona den Theaterleuten einen Strich durch die Rechnung. Zum Jubiläum war auch an einem Nachmittag eine Sondervorstellung für geladene Gäste geplant, für Bewohner von Seniorenheimen und Behinderteneinrichtungen und für Ehrenamtliche von der Tafel oder Hospizbegleiter. Ein Fahrdienst über ein lokales Busunternehmen war bereits organisiert.

Sinnflut-Festival 2019

Die Band Beat Stones heizte den Besuchern im vergangenen Jahr beim Sinnflut-Festival kräftig ein. Ob es heuer wieder steigt, ist fraglich.

(Foto: Stephan Görlich)

Auch das ausgewählte Theaterstück wäre eine Besonderheit gewesen. Nach zuletzt humorvollen Stücken wie "Ladies Night" oder "Eine ganz heiße Nummer" setzten Schieder und Eßbaumer diesmal auf das sozialkritische Drama "Magdalena". Durchaus passend zum Jubiläum der Volksspielgruppe und absolut aktuell, "gerade in Zeiten von Social Media", so Schieder.

Renate Eßbaumer blickt unverzagt nach vorne: Dann werde die Volksspielgruppe eben im kommenden Jahr das 101. Jubiläum groß begehen. "Ich denke, da werden wir nicht der einzige Verein sein, der nachfeiert."

Weitere Infos zu Veranstaltungen und zu Terminänderungen im Jakobmayer gibt es unter www.jakobmayer.de. Informationen zur Volksspielgruppe Altenerding unter www.volksspielgruppe.de.

© SZ vom 01.04.2020

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