bedeckt München

Dorfen:Zwei Tage, die entscheidend sind

Klausurtagung zur Gestaltung des Bahnausbaus in Dorfen

Von Florian Tempel, Dorfen

Die Gestaltung des Bahnausbaus im Stadtgebiet von Dorfen hängt nach vielen Jahren der Planung, Kritik und Alternativplanung vom Erfolg einer zweitägigen Klausurtagung ab. An diesem Mittwoch und am morgigen Donnerstag treffen sich Vertreter der Deutschen Bahn mit einer kleinen Delegation aus Dorfen, um Fragen zur Alternativlösung der Stadt zu klären. Der Entwurf des Münchner Verkehrsplaners Martin Vieregg sieht eine weitgehende Tieferlegung der Bahngleise in einem breiten Graben vor - was dem Wunsch der Stadt entspricht, beim Bahnausbau kilometerlange Lärmschutzwände und sehr große Überbrückungsbauwerke zu vermeiden. Die Bahn plant hingegen nur eine relativ kurze Tieferlegung unter der Bundesstraße B15 hindurch, sonst einen im Wesentlichen ebenerdigen Ausbau - was unter anderem die Entwicklung eines neues Stadtteils südlich der Bahngleise massiv stören würde.

In der Klausurtagung in München, die als sogenannter Faktencheck beim Treffen in Berlin im Bundesverkehrsministerium vereinbart worden war, sollen kontroverse Punkte besprochen werden. Der Projektleiter der Deutschen Bahn, Klaus-Peter Zellmer, sieht laut einer Pressemitteilung, bei der Umsetzung der Dorfener Pläne "ein finanzielles Risiko im hohen zweistelligen Millionenbereich und ein Terminverzug von bis zu fünf Jahren". Die Kosten, aber auch der Zeitfaktor spielen für den Bund, der alles im Rahmen des Ausbaus der Strecke München - Mühldorf - Freilassing (ABS 38) bezahlen wird, die entscheidende Rolle. Mehr denn je verweist das Bundesverkehrsministerium darauf, dass der Bahnausbau auch aus Klimaschutzgründen wichtig sei. Um die Sache maximal zu beschleunigen, wurde sogar per Gesetz das Genehmigungsprozedere grundlegend geändert. Das Projekt ABS 38 wird nicht wie sonst üblich mit Planfeststellungsbeschlüssen, sondern mit einem Maßnahmengesetz genehmigt werden. So verhindert der Bund mögliche Klagen gegen die Genehmigung. Die Beschneidung der gerichtlichen Überprüfbarkeit soll zwei Jahre Zeitgewinn bringen. Mit einer Fertigstellung des Bahnausbaus ist nicht vor 2030 zu rechnen.

Beim Treffen Anfang September in Berlin hatte Projektleiter Zellmer der Stadt einen Katalog mit "453 offenen Fragen" zur gewünschten Alternativlösung übergeben. Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) sagte in der jüngsten Stadtratssitzung, dass Verkehrsplaner Vieregg mit Unterstützung der Stadtverwaltung alle Fragen beantwortet habe. Neben technischen Aspekten geht es vor allem um die Kostenrechnung. Nach Viereggs Zahlen kostet die Alternativlösung nicht mehr als das, was die Bahn vorschlägt. Zellmer sagte in Berlin hingegen, sie sei "mindestens 30 Millionen Euro teurer als unsere Planung". Bei Viereggs Lösung wird zwar vielmehr Grund benötigt und viel mehr Erde bewegt. Die Bahnplanung sieht hingegen viel teuren Beton vor. Auf Dorfener Seite dürfen fünf Personen an den Klausurgesprächen teilnehmen. Neben Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) und Vieregg werden Vertreter der Stadtverwaltung und der Bürgerinitiative für einen verträglichen Bahnausbau dabei sein.

© SZ vom 14.10.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema