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Dorfen:Von bitteren Zeiten und großer Fröhlichkeit

Gabriela Kaufmann, Nina Hacker und Almut Schwab sind Klezmers Techter, eines der wenige weiblichen Klezmer-Ensembles.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

"Klezmers Techter" treten mit ihren Interpretationen jiddischer Musik im Jakobmayer-Saal auf

Am Sonntag findet in Dorfen ein ganz besonderes Konzert statt: Klezmers Techter, eines der wenigen weiblichen Klezmer-Ensembles überhaupt, tritt im Jakobmayer-Saal auf und sorgt für eine wunderbare Verbindung von Kultur, Unterhaltung und Geschichte. Das Konzert wird von Andreas Greinsberger und der Geschichtswerkstatt Dorfen gemeinsam präsentiert. Der Jakobmayer ist ein äußerst passender Ort für ein Konzert dieser Art, diente er doch nach dem Zweiten Weltkrieg jüdischen Displaced Persons als Versammlungs- und Begegnungsstätte. Über diesen Hintergrund werden Schorsch Wiesmaier und Doris Minet von der Geschichtswerkstatt vor dem Konzert einleitend sprechen.

Das Trio Klezmers Techter gibt es seit 1994. Von den Gründungsmitgliedern ist freilich nur noch die Klarinettistin Gabriela Kaufmann dabei. Sie hat die Klezmer-Musik beim legendären Giora Feidman gelernt und spielt in ihrem Trio nun besonders gerne Bassklarinette. Almut Schwab ist seit 2009 dabei und spielt Klezmers Techter Akkordeon, Flöten, Hackbrett. Die Kontrabassistin Nina Hacker gehört dem Trio seit 2010 an. Sie war vor zwei Jahren als Gastmusikerin bei Giora Feidmans Programm "Klezmer for Peace" dabei. In ihr eigenes Ensemble bringen die drei Frauen musikalische Erfahrungen sehr unterschiedlicher Stilrichtungen ein, von der Klassik über Neue Musik bis hin zum Jazz.

Klezmers Techter erzählen in tiefer Verbundenheit und mit großem Respekt vor dem musikalischen Erbe in ihren Stücken von Leid und Sehnsucht, von bitteren Zeiten, aber auch von großer Fröhlichkeit. Das Trio tut das mit viel Energie und großer Klangvielfalt. Von traditionellen Interpretationen jiddischer Musik bis hin zu freien Improvisationen spannen die Musikerinnen einen facettenreichen Bogen. Klezmers Techter sind viel unterwegs, haben mehrere Alben aufgenommen und sind beim internationalen Ensemblewettbewerb im französischen Privas ausgezeichnet worden. Sie treten regelmäßig in der Alten Oper in Frankfurt auf, waren auch schon im Gasteig in München und auf Einladung von Giora Feidman mehrmals in Israel. In Dorfen sind sie exklusiv und erstmalig zu erleben.

Im Zentrum des Interesses der Geschichtswerkstatt Dorfen steht die lokale Geschichte der Stadt, vor allem die Zeit des Nationalsozialismus mit Vor- und Nachgeschichte. Die Geschichtswerkstatt agiert dabei von einem kritischen Standpunkt aus. Denn während viele Opfer und deren Leiden vergessen sind, führten Mitläufern, Opportunisten und Profiteuren des NS-Systems nach 1945 ein komfortables und geachtetes Leben, bis schließlich sogar Straßen nach ihnen benannt wurden. Andreas Greinsberger hat 2017 die Konzertreihe "4NDREAS" ins Leben gerufen, in der er immer wieder ganz außergewöhnliche Musikprojekte nach Dorfen und Umgebung holt.

Klezmers Techter, Sonntag, 9. Februar, 19 Uhr, Jakobmayer, Unterer Markt 34.

© SZ vom 06.02.2020
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