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Dorfen:Vieregg hält dagegen

Diese Visualisierung der Vieregg-Variante haben die Planer der Deutschen Bahn vorgenommen. Der Ausschnitt zeigt, wie die Gleise unter der Bundesstraße B 15 hindurchführen und dahinter die tiefgelegten Bahnsteige. Visualisierung: DB Netz AG

Der Planer der Dorfener Wunschlösung bleibt dabei, dass seine Variante die günstigere sei. Die angeblichen Mehrkosten von fast 40 Millionen Euro basierten lediglich auf "Bearbeitungsfehlern"

Von Florian Tempel, Dorfen

Der Münchner Verkehrsplaner Martin Vieregg, dessen Variante für einen Bahnausbau in Dorfen vom Gesamtprojektleiter der Ausbaustrecke München - Mühldorf - Freilassing (ABS 38), Klaus-Peter Zellmer, vor einer Woche als "nicht baubar" abqualifiziert worden ist, wehrt sich. In einem Schreiben an die Stadt, den Stadtrat und die Presse nennt er die Ausführung Zellmers in der Sitzung am vergangenen Mittwoch "von Anfang bis Ende vollkommen absurd, haltlos und geschäftsschädigend". Vieregg bleibt dabei, dass auch nach einer nochmaligen Überprüfung seine Variante günstiger als die Planung der Bahn sei. Zellmer hatte gesagt, dass die Vieregg-Variante nach der Rechnung seines Team 113 Millionen kosten würde, fast 40 Millionen Euro mehr als in Viereggs Kalkulation. Vieregg schreibt, er "erwarte, dass sich Herr Zellmer vor dem Stadtrat und vor mir offiziell entschuldigt". Außerdem werde er sich in Berlin "über das unverschämte und fachlich geradezu peinliche Vorgehen des Herrn Zellmer beschweren".

Vieregg beteuert, dass beim sogenannten Faktencheck Mitte Oktober in Mühldorf, bei der die divergierenden Kostenschätzung zwei Tage lang besprochen wurde, "ein gutes Kooperationsverhältnis" zwischen ihm und den Planern der Bahn bestanden habe. Er sei deshalb überrascht gewesen von den Ausführungen Zellmers, die Viereggs Ideen und Berechnungen als unbrauchbar einstuften. Zellmer habe "auf einmal völlig diametrale Ansichten gegenüber den Wochen davor mühsam errungenen gemeinsamen Standpunkten vertreten, sowohl was die Kosten der beiden Varianten der Bahnplanung betreffen als auch was die Machbarkeit betrifft", schreibt Vieregg.

Auf mehreren Seiten erläutert Vieregg, wie er die extreme Differenz in den Berechnungen erklären könne. In einem zweiten Text befasst er sich mit angeblichen Widersprüchen in Zellmers Aussagen. Zusammengefasst seien "die Differenzen auf einer Summe von Bearbeitungsfehlern und nicht durchgeführten, jedoch in der Klausur besprochenen Änderungen von Seiten der Deutschen Bahn zurückzuführen", schreibt Vieregg.

Mit 113 Millionen Euro werde von den Bahnplanern sein umfassendes Gesamtkonzept bewertet, dass auch mehrere Punkte enthalte, die über den eigentlichen Bahnausbau hinausgehen wie etwa "die Anbindung des Meindl-Geländes" oder "zusätzliche Asphaltflächen für Erschließungsstraßen und Busbahnhof". Die Kosten für den eigentliche Bahnausbau seien von den Bahnplanern mit 99 Millionen Euro angesetzt. Allerdings verringere sich dieser Betrag jedoch, so Vieregg, wenn die beim Faktencheck in Mühldorf besprochenen Änderungen berücksichtigt würden. So würde etwa die "Entsorgung der Erdmassen" um 12,6 Millionen Euro günstiger gehen. Die Erdbewegungen würden für 4,6 Millionen Euro weniger zu haben sein und die Tunneldecken für 4,0 Millionen Euro. Weitere "Korrekturen" bei der Eisenbahnbrücke über die Lappach, beim Hochwasserschutz und beim Rückbau von Bahnübergängen brächten weitere Reduzierungen. Alles in allem koste seine Variante somit 70,9 Millionen Euro und sei damit viel günstiger, als von Zellmer behauptet.

Abschließend schreibt Vieregg: "Ich hoffe, dass der Dorfener Stadtrat nun zügig zur richtigen Entscheidung kommt."

© SZ vom 18.11.2020
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