Dorfen:Solarstrom-Felder an der Autobahn

Moorenweis: ENERGIEWENDE - DachPhotovoltaik auf Bauernhof

Photovoltaik-Freiflächenfelder sollen an der Autobahn entstehen, obwohl die Einspeisevergütung gesunken ist.

(Foto: Johannes Simon)

Stadtrat bewilligt drei Anlagen auf landwirtschaftlichen Flächen, zwei weitere Bauern machen Rückzieher

Von Thomas Daller, Dorfen

Drei Solarstrom-Felder auf landwirtschaftlichen Flächen entlang der Autobahn hat der Dorfener Stadtrat in der vergangenen Sitzung bewilligt, bei vier Gegenstimmen von Landlisten und AfD. Zwei weitere Antragsteller hatten im Laufe des Verfahrens ihre Anträge zurück gezogen, weil zwischenzeitlich die Einspeisevergütung zu niedrig wurde und sie aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit nicht mehr bauen wollen. Genehmigt wurden daher nur 2,7 Hektar bei Haidach sowie 4,2 Hektar bei Unterschiltern. Hinzu kommen 0,7 Hektar bei Klachlhub, abseits der A 94.

Im Rahmen der Stellungnahmen kam auch Kritik vom Bauernverband. Besonders im Ballungsraum München sei der Verbrauch von landwirtschaftlicher Fläche bereits sehr hoch. Durch Freiflächen-Photovoltaikanlagen in dieser Region werde der Flächenverbrauch unnötig beschleunigt. Grundsätzlich seien aus Sicht des BauernverbandesPhotovoltaik-Anlagen vorrangig auf Dachflächen und Gebäuden sowie Konversionsflächen und versiegelten Flächen zu installieren. Es sei daher sicher zu stellen, dass die Fläche nach Beendigung der Nutzung als Sondergebiet Freiflächen-Photovoltaikanlage wieder landwirtschaftlich genutzt werde.

Diskutiert wurde vor allem über die Stellungnahme der Autobahn Südbayern. Diese forderte eine 40 Meter breite Anbauverbotszone entlang der Fahrbahnen. Bisher waren es 30 Meter, "und man konnte auch Ausnahmen erwirken", sagte Bauamtsleiter Franz Wandinger. An den 40 Meter komme man nun nicht mehr vorbei. Begründet werde das mit Blendwirkung der Photovoltaikflächen.

Einige Stadträte konnten diese Begründung nicht nachvollziehen. Martin Heilmaier (Landliste) wies auf die Topogra- fie hin und sagte: "Die Autobahn liegt in einem Trog. Das ist physikalisch ein Schmarren."

Auch der Einwand des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege geriet in die Kritik. Das Landesamt hatte moniert, die Blickbeziehung zwischen Baudenkmälern und den geplanten Photovoltaikanlagen müsse berücksichtigt werden. Im Falle Haidach sei sie hinsichtlich der Kirche gestört. Heiner Müller-Ermann (SPD) sagte, "das Landesdenkmalamt gibt sich der Lächerlichkeit preis". Die Autobahn mit ihren Großbrücken habe sie akzeptiert, aber gegen eine Photovoltaikanlage erhebe sie nun Einwände.

In der gleichen Sitzung hatte zuvor Stadtwerke-Geschäftsführer Klaus Steiner des Geschäftsbericht vorgestellt und dabei prognostiziert, dass im Rahmen der Energiewende der Strombedarf enorm steigen werde. Einerseits würden im kommenden Jahr Kernkraftwerke wie Isar 2 in Essenbach bei Landshut im kommenden Jahr abgeschaltet, andererseits werde der Strombedarf durch steigende Elektromobilität und Wärmepumpen in Zukunft stark zunehmen. "Wir werden mit Strom fahren, wir werden mit Strom stärker heizen, der Strombedarf wird sich verdoppeln", kündigte Geschäftsführer Steiner an. "Das wird die Landschaft verändern und das wird unser Land verändern." Entlang der Autobahn tritt dieser Prozess nun auch in Dorfen ersichtlich in Gang.

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