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Dorfen:Schwindendes Nahrungsangebot

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Die Kindergruppe des Dorfener LBV bei einer Vogelfütterung, die nun fortgeführt wird.

(Foto: Privat)

Dorfener LBV-Kindergruppe füttert Vögel auch während der Brutzeit

Die Kindergruppe der LBV- Ortsgruppe Dorfen hat eine neue Aufgabe bekommen. Die Kinder helfen gemeinsam mit ihren Eltern bei der regelmäßigen Nachfüllung der Futtersilos. Obwohl die praktischen Aktivitäten der Umweltbildung mit Kindern durch die Pandemie stark eingeschränkt seien, sei die Vogelfütterung eine machbare pädagogisch sinnvolle Tätigkeit, der die Kinder mit großer Begeisterung nachkommen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die LBV-Ortsgruppe ist der Meinung, die Fütterung sei über das ganze Jahr hinweg sinnvoll, solange es kein ausreichendes natürliches Nahrungsangebot gebe. Ein Rundgang durch die Dorfener Neubausiedlungen zeige, dass naturnahe Gärten mit reichhaltigem Nahrungsangebot von Unkrautsamen, Kleininsekten und Beeren zwar im Kommen seien, in den Planungen der Neuanlagen jedoch keine herausragende Rolle spielen würden.

Grundsätzlich werde das Nahrungsangebot für die Vogelwelt immer kleiner. Unkraut werde professionell bekämpft, sowohl in den Gärten als auch in der Landwirtschaft. Der Anteil der Hecken und Feldgehölze habe sich drastisch verringert und die Erntetechnik sei inzwischen so perfekt, dass im Herbst auf den Feldern kaum noch Ernterückstände zu finden seien.

Am meisten betroffen davon seien die Feldvögel. Viele vom Arten- und Bestandsrückgang bedrohte Vögel sind zeit- und teilweise Körnerfresser. So ernähren sich Lerchen ab dem Spätsommer hauptsächlich von Pflanzenteilen und Samen der Ackerwildkräuter und zum Teil auch von Ausfallgetreide, das jedoch häufig rasch untergepflügt werde. Durch häufige Mahd gebe es kaum noch samenbildende Wiesen und durch die moderne Unkrautregulierung kaum noch Wildkräuter auf den Getreidefeldern und Maisfeldern. Somit stehe den Wildtieren nur noch eine eingeschränkte Nahrungsgrundlage zur Verfügung.

Wichtig sei die Vogelfütterung vor allem in den Brutzeiten, da die Bruterfolge besser sind, wenn die Eltern gut ernährt sind. Aufgrund des Insektensterbens werde die Futterbeschaffung für die Brut der Singvögel immer zeitraubender und anstrengender. Proteinreiche Insektennahrung sei für die Aufzucht aber unentbehrlich. Erschöpfte und schlecht ernährte Elternvögel werden leichter zur Beute von Katzen und Greifvögeln. Dies könnte auch ein Grund für die beachtliche Zahl verhungerter Nestlinge in den Nistkästen sein, wie der LBV bei der Kontrolle ihrer Nistkästen in Dorfen auch in diesem Jahr wieder feststellen musste.

Optimales Körnerfutter bestehe aus proteinreichen Sonnenblumenkernen, Erdnussschrot, Haferflocken und Kleinsämereien wie Mohn oder Hanf. Futterballen aus Talg oder Meisenknödel zur Fettversorgung sind sinnvoll. Mischfutter mit Weizen sollte nicht verwendet werden, weil die von den Vögeln auf den Boden geworfenen Weizenkörner nur Ratten und Mäuse anlocken.

Gefüttert werden sollte regelmäßig ohne lange Unterbrechungen, da der Aufbau und Erhalt lokaler Populationen nur mit verlässlichen Nahrungsquellen gefördert werden kann.

© SZ vom 10.04.2021 / tdr
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