Dorfen:Polarisierender Endspurt

Kurz vor der Bundestagswahl besuchen die beiden CSU-Abgeordneten Andreas Lenz und Alexander Dobrindt das Holzmodulbauwerk Timber Homes in Dorfen und warnen dort vor einem künftigen dirigistischen Politikansatz

Von Thomas Daller, Dorfen

Klimaschutz durch Innovation: Das war das Narrativ, mit dem der CSU-Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz zusammen mit dem CSU-Spitzenkandidaten Alexander Dobrindt vor Unternehmern um Unterstützung warb. Der Wahlkampftermin fand bei einem Vorzeigebetrieb in Dorfen statt: Timber Homes, ein noch junger Betrieb des Bauträgers Robert Decker, das im Holzmodulbau kreative Akzente setzt.

Decker sieht eine wichtige Komponente im Baustoff Holz, wenn es um die Speicherung von CO₂ geht. Damit meint er jedoch keine kanadischen Blockhütten oder spartanische Tinyhouses. Die Zukunft gehört seines Erachtens Holzmodulen für den Wohnungs- und Gewerbebau, die er in seinem Dorfener Werk produzieren lässt. Ein Baukastensystem wie beim Lego, dabei sehr hochwertig. Voll ausgestattet haben sie keinerlei Ähnlichkeiten mit Försterhütten, die Anleihen stammen vielmehr aus dem Jachtbau. Dennoch zu bezahlbaren Preisen, auch für die öffentliche Hand.

Dorfen: Unternehmer Robert Decker (links) erläuterte bei einem Rundgang durch die Fertigungshalle den Abgeordneten Andreas Lenz (Mitte) und Alexander Dobrindt (rechts), wie die Holzmodule gefertigt werden.

Unternehmer Robert Decker (links) erläuterte bei einem Rundgang durch die Fertigungshalle den Abgeordneten Andreas Lenz (Mitte) und Alexander Dobrindt (rechts), wie die Holzmodule gefertigt werden.

(Foto: Renate Schmidt)

Wie dieses Baukastensystem funktioniert, kann man an der Beamtenfachhochschule und dem Studentenwohnheim sehen, die sich ebenfalls auf dem weitläufigen Firmengelände Deckers befinden. Bei der Fachhochschule wurden die Gewerbebaumodule verwendet, in dem Wohnheim die Wohnbaumodule.

Decker sagte bei der Führung durch die Fertigungshalle, dass er sich im industriellen Bau der Module an die Fertigung in der Automobilindustrie anlehne. Zudem sei der serielle Bau günstiger als der herkömmliche, wo jedes Bauwerk ein Prototyp sei. Auch der Aufbau gehe schneller, weil man die Module bereits fertige, während an Ort und Stelle noch die Bodenplatte errichtet werde. Die Nutzungsdauer sei auf 70 bis 100 Jahre angelegt, wenn man in Lebenszykluskosten denke, sei dieser Modulbau sehr rentabel.

Dorfen: Für den Unternehmer Decker gehört die Zukunft Holzmodulen für den Wohnungs- und Gewerbebau.

Für den Unternehmer Decker gehört die Zukunft Holzmodulen für den Wohnungs- und Gewerbebau.

(Foto: Renate Schmidt)

Decker wünschte sich von der Politik auch etwas mehr Unterstützung. Die Transportvorschriften für die Module könnten vereinfacht werden, außerdem könne er sich vorstellen, dass man für diese Bauweise auch CO₂-Zertifikate gegenrechnen könnte. Denn damit binde man CO₂ nachhaltig, eine so errichtete Siedlung sei wie ein kleiner Wald.

Lenz und Dobrindt sagten, sie würden diese Anregungen mitnehmen und lobten den innovativen Ansatz des Unternehmens. Bei einer gemeinsamen Nachbesprechung ging es dann in den Wahlkampfmodus. Das sei ein Unternehmertum, bei dem nachhaltige Entwicklung, Umweltschutz, Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung Hand in Hand gehe, sagte Lenz. Das sei ein fundamentaler Unterschied zu einem dirigistischen Politikansatz, der bei der anstehenden Richtungswahl zu befürchten sei. "Da gibt es unterschiedliche Wertvorstellungen und ein anderes Menschenbild." "Unternehmer sind für uns ein Vorbild und nicht ein Feindbild", polarisierte Lenz. Gerade nach Corona könne man den Unternehmern nicht auch noch Steuererhöhungen zumuten. "Wenn es um Substanzsteuern wie Erbschaftssteuern oder Vermögenssteuern geht, ist das, als würde man einen gerade genesenen Patienten von der Coronastation noch zu einer Blutspende nötigen."

Dorfen: Die Nutzungsdauer der Module ist auf 70 bis 100 Jahre angelegt.

Die Nutzungsdauer der Module ist auf 70 bis 100 Jahre angelegt.

(Foto: Renate Schmidt)

Auch Dobrindt schlug in diese Kerbe: Man benötige nun Innovation, Wachstum, Chancen und Dynamik. Damit werde man sich nach der Wahl auseinandersetzen. Dazu benötigten die Unternehmer auch die richtigen Rahmenbedingungen und dafür benötigten sie Entlastungen. Wenn man die Vermögenssteuer auch nur um ein oder zwei Prozent anhebe, prognostizierte Dobrindt, werde es keinen neuen Spielraum für Investitionen und Innovation geben. Auch die Energiepreise würden zukünftig ein enormes Thema werden; steigende Energiepreise müsse man stoppen. Zudem habe sich die Bürokratie "bei allen Bemühungen" weiter gesteigert: "Der Formularwust muss runter."

Außerdem müsse die Souveränität stärker berücksichtigt werden: Er habe mit mehreren Mittelständlern in den vergangenen Wochen gesprochen, die volle Auftragsbücher hätten, sagte Dobrindt. "Aber sie müssen Kurzarbeit anmelden, weil sie ein Vorprodukt nicht bekommen. Das können wir uns auf Dauer nicht leisten." In Deutschland und in Europa müsse man wieder stärker selbst produzieren, sonst werde man auch politisch hochanfällig.

Von Seiten der Unternehmer kam auch vereinzelt Kritik. Die CSU laufe dem Zeitgeist hinterher und verliere deswegen so viele konservative Wähler und auch an Vertrauen, hieß es.

© SZ vom 22.09.2021
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