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Dorfen:Heimlich, still und gar nicht leise

2015 wurde der Lärmschutz für die A94-Lappachtalbrücke verringert, ohne die Stadt Dorfen zu informieren

Beim Treffen von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit lärmgeplagten A 94-Anwohnern, ist auch ein Punkt angesprochen worden, der bei vielen für Empörung sorgt: Der Lärmschutz auf mehreren Autobahnbrücken wurden Mitte 2015 abgeändert, ohne dass die Anwohner und die Kommunen darüber informiert worden waren. Im Landkreis wurde nur das Landratsamt über die Planänderung in Kenntnis gesetzt. A 94-Anwohner sehen in der mehr oder minder heimlich, still und leise erfolgten Änderung vor allem jedoch einen Verschlechterung des Lärmschutzes. Vor allem bei der großen Autobahnbrücke über das Lappachtal in der Nähe von Dorfen sind offenbar viel weniger wirksame Lärmschutzwände eingebaut worden, als zunächst festgelegt war.

Mit Datum vom 22. Mai 2015 wurde eine "Änderungen von Lärm- und Immissionsschutzwänden sowie des Fahrbahnbelages" im Bereich von sieben A 94-Brückenbauwerken beschlossen. In diesem Beschluss der Regierung von Oberbayern ist zu lesen, "die Autobahndirektion Südbayern hat nachgewiesen, dass die betroffenen Träger öffentlicher Belange gegen die Planänderung keine Einwände haben und private Belange nicht berührt sind". Die Anwohner wussten freilich gar nichts davon. Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) sagte beim Besuch von Ministerpräsident Söder am Mittwoch, er sei "verwundert" und finde es "eigenartig", dass auch die Stadt nicht in die Planänderungen einbezogen wurde: "Da muss man näher prüfen, wie das passieren konnte."

Was inhaltlich passiert ist, lässt sich anhand öffentlich zugänglicher Unterlagen aber sehr wohl nachvollziehen. In der Planänderung vom Mai 2015 steht klipp und klar: "Im Planfeststellungsbeschluss vom 3. Dezember 2009 wurden auf der A 94 im Abschnitt zwischen Pastetten und Dorfen hochabsorbierende und lichtdichte Lärm- und Immissionsschutzwände auf den geplanten Brückenbauwerken vorgesehen." Was eine hochabsorbierende Lärmschutzwand ist, steht wiederum in den "Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen RLS-90", auf die auch Planfeststellungsbeschluss und die spätere Änderung explizit Bezug nehmen. Eine hochabsorbierende Lärmschutzwand muss mindestens acht Dezibel Lärm schlucken. Lärmschutzwände von solcher Qualität waren auf alle Brücken vorgesehen.

Die Änderung vom Mai 2015 sieht für die Lappachtalbrücke keine hochabsorbierende Lärmschutzwände mehr vor - und dementsprechend sind auch keine gebaut worden. Stattdessen gibt es auf der 275 Meter langen Brücke transparente und reflektierende Immissionsschutzwände. In den "Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen RLS-90" steht, welcher Qualität solche Wände sind: Sie bringen maximal vier Dezibel Lärmschutz. Sie sind also deutlich weniger wirksam als die ursprünglich vorgesehenen hochabsorbierenden Lärmschutzwände. Dennoch heißt es im Änderungsbeschluss: "Die Lärmbelastung der Anwohner bleibt durch den Einbau eines lärmmindernden Fahrbahnbelages mit einer Minderungswirkung von mindestens drei Dezibel unverändert". Der angesprochene bessere Fahrbahnbelag ist aber gar nicht auf der Brücke, sondern nur östlich der Brücke vorgesehen. Die Rechnung scheint außerdem auch deshalb nicht aufzugehen, da schon im Planfeststellungsbeschluss ein um zwei Dezibel lärmmindernder Fahrbahnbelag auf der ganzen Strecke festgelegt worden war.

Warum kam es überhaupt zu einer Änderung? Die Änderung erfolgt, so steht es im Änderungsbeschluss, um die "Gestaltung der Brückenbauwerke zu verbessern". Man erreiche damit "ein Erscheinungsbild, welches einen erheblich leichteren Eindruck erweckt". Durch die zum Teil transparenten Wände "wird die Riegelwirkung der Bauwerke und damit Eingriffe der Planung in das Landschaftsbild erheblich minimiert." Die Landschaft sei ja "ein hochwertiger Siedlungs- beziehungsweise Landschaftsraum".

© SZ vom 10.01.2020
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