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Dorfen:Beamtenschule stört nicht

Verkehrsplaner Vieregg sieht keine Probleme für den Bahnausbau

Von Florian Tempel, Dorfen

Am 1. September wird die wegen der Corona-Pandemie ausgefallene Fahrt nach Berlin ins Bundesverkehrsministerium nachgeholt. Die Dorfener Delegation will dort die Alternativplanung der Stadt für den Bahnausbau im Stadtgebiet vorstellen. Vor drei Jahren waren drei Mitglieder des Petitionsausschusses des Bundestags von der Spree an die Isen gekommen und hatten die Dorfener ermuntert, bessere Ideen zum Bahnausbau zu entwickeln. Der Münchner Verkehrsplaner Martin Vieregg hat eine Variante ausgetüftelt, die eine Tieferlegung der Bahngleise in einem breiten Graben vorsieht, lange Lärmschutzwände und Monsterbrücken überflüssig macht und noch weitere Vorteile hat.

Zuletzt waren in Dorfen aber Bedenken aufgekommen, dass die temporäre Errichtung einer Beamtenschule, die auf der Trasse der Vieregg-Variante stehen wird, die eigene Position in Berlin in absurder Weise schwächen könnte. Die Mehrheit im Stadtrat sah jedoch kein Problem, nachdem Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) und Bauamtsleiter Franz Wandinger versichert hatten, dass nicht einmal Vieregg selbst die Lage problematisch sehe. Vieregg habe gesagt, wenn der Schulbau nur für acht Jahre stehe, könne er "Entwarnung" geben.

Auf dem Gelände der ehemaligen Dachziegelfabrik Meindl wird die Akademie für Sozialverwaltung aus Wasserburg eine Dependance eröffnen. Der Dorfener Immobilienunternehmer Robert Decker, dem das Meindl-Areal gehört, will bis September die Beamtenschule mit einem Wohnheim für 42 Studenten und ein Unterrichtsgebäude errichten. Die Gebäude, in denen der Unterricht stattfinden soll, stehen zwar genau dort, wo laut der Alternativplanung später die tiefer gelegten Bahngleise verlaufen sollen. Allerdings ist nur ein Baurecht für acht Jahre vorgesehen, also spätestens 2028 müssten die Gebäude dort weg. Falls die Flächen wider Erwarten vorher für den Bahnausbau gebraucht würden, ist Decker durch eine vertragliche Vereinbarung mit der Stadt Dorfen verpflichtet, die Gebäude auf seine Kosten schon früher zu versetzen. Stadtrat Andreas Hartl (GAL) und andere waren der Ansicht, dann sollte Decker die Schule doch gleich an einer anderen Stelle errichten. Martin Heilmeier (Landlisten) und andere sahen aber "überhaupt keine Gefahr" für die Dorfener Bahnausbaupläne.

Der Stadtrat hat noch einmal neu beschlossen, wer alles mit nach Berlin fährt. Neben Bürgermeister Grundner und seinen beiden Stellvertretern Ludwig Rudolf (CSU) und Sven Krage (ÜWG) hat jede Fraktion einen weiteren Teilnehmer benannt. Für die SPD nimmt Michael Meister an der Fahrt nach Berlin teil, für die Grün-Alternative Liste ist der Dorfener Umweltreferent Gerald Forstmaier dabei. Die ÜWG schickt Walter Zwirglmaier mit, die Landlisten Günther Drobilitsch, die CSU-Fraktion wird durch Barbara Lanzinger vertreten. Die Bürgerinitiative für einen verträglichen Bahnausbau, die alles in Gang gebracht hat, wird durch Georg Brandhuber und Ernst Rausch repräsentiert. Neben Verkehrsplaner Martin Vieregg soll auch die für Dorfen schon oft tätige Stadtplanerin Martina Schneider mitfahren. Von der Dorfener Stadtverwaltung ist Bauamtsleiter Franz Wandinger mit dabei.

© SZ vom 04.07.2020

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