Dorfen Baurecht für die Isental-Autobahn

Ende eines jahrzehntelangen Rechtsstreits: Die letzten Kläger gegen die Trasse haben Vergleichsangebote akzeptiert.

Von Florian Tempel

Für den Weiterbau der Autobahn A 94 durch das Isental besteht seit Dienstag durchgehend rechtskräftiges Baurecht. In einer Verhandlung am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in München sind die Klagen gegen den dritten Bauabschnitt von Dorfen bis Heldenstein "allesamt gütlich erledigt" worden, heißt es in einer Pressemitteilung des VGH. Die letzten Kläger, drei Landwirte, haben Vergleichsangebote akzeptiert. Da das Verfahren ohne Urteil endete, sind keine Rechtsmittel möglich und der Klageweg gegen die Isentalautobahn nunmehr endgültig zu Ende.

Für die Regierung von Oberbayern, die in den vergangenen Jahren die Genehmigungen für die Isentalautobahn in drei Abschnitten erlassen hat, ist das Ende eines zähen Rechtsstreits eine gute Nachricht. "Nun ist endgültig der Weg frei für die wichtige Autobahnverbindung zwischen München und dem südostbayerischen Chemiedreieck", sagte Regierungspräsident Christoph Hillenbrand. Das Genehmigungsverfahren sei "eines der schwierigsten in Oberbayern überhaupt" gewesen. Niemand hatte freilich erwartet, dass dieses letzte Gerichtsverfahren die Isentalautobahn noch kippen könnte. Die Entscheidung für die Pläne des Staats, durch eine der wenigen noch weitgehende unverbauten Flusslandschaften Bayerns eine Autobahn zu betonieren, waren schon mit zwei früheren Urteilen vom VGH genehmigt worden.

Für Jakob Baumgartner, Ortsvorsitzender des Bund Naturschutz in Dorfen und Jahrzehnte lang im Widerstand gegen den Autobahnbau aktiv, ist der 8. Mai 2012 deshalb kein einschneidendes Datum. Baumgartner war 16 Jahre alt, als er sich zum ersten Mal gegen den Bau der Autobahn A 94 durch das Isental engagierte. Zusammen mit anderen Dorfenern ging er vor 35 Jahren zu Fuß den damals geplanten Trassenverlauf ab. Seitdem hat er mit vielen anderen Bürgern gegen den Bau einer Isentalautobahn gekämpft.

Dass er und seine vielen Mitstreiter verloren haben, war ihm am Freitag, den 13. April, mit viel staatlicher Symbolik drastisch vor Augen geführt worden. Die Autobahndirektion Südbayern hatte zum offiziellen Spatenstich geladen. Die Rednerbühne, auf der Bayerns Umweltminister Marcel Huber (CSU) den Bau der Isentalautobahn "eines der wichtigsten Zukunftsprojekte der bayerischen Staatsregierung" nannte, stand exakt auf einer Stelle, wo später einmal der Mittelstreifen der Autobahn verlaufen wird. Auf einer Anhöhe, von der man einen weiten Überblick über das Isental und das Städtchen Dorfen hat. In den Wochen vor dem Spatenstich hatten dort Bagger massiv die Erde umgegraben, als "vorbereitende Maßnahmen" für den eigentlichen Autobahnbau, der mindestens 350 Millionen Euro kosten wird.

Die Finanzierung ist allerdings noch nicht gesichert. Baumgartner klammert sich wie viele andere Gegner der Isentalautobahn - "es gibt uns weiterhin" - an eine letzte Hoffnung: dass der Staat das Geld nicht zusammenbekommt. Doch Baumgartner weiß: "Wir hoffen auf ein Wunder."