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Deutscher Gewerkschaftsbund:Kraftvolle Mai-Kundgebung

Andreas Faltermaier ist Betriebsratsvorsitzender bei der Post in der Flughafenregion und ein Freund "klarer Worte".

(Foto: Renate Schmidt)

Die Veranstaltung des Kreisverbands Erding-Freising ist gut besucht und alles andere als langweilig

Er versprach vorab "klare Worte" und bat um Nachsicht, wenn er dabei womöglich sehr explizit werde. Andreas Faltermaier, Betriebsratsvorsitzender der Post in der Flughafenregion, ist ein kraftvoller Redner, nicht zimperlich und benutzt gerne mal auch sogenannte Kraftausdrücke. Wenn aber selbst ältere Damen bei der DGB-Kundgebung im Mayr-Wirt seine Rede zum 1. Mai am Ende als "erfrischend" lobten, dann war das ein eindeutiges Zeichen dafür, dass Faltermaier es mit seiner Art ganz richtig gemacht hatte.

Nach einem eher länglichen Grußwort von Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) und einer knapperen Ansprach der Dritten Landrätin Gertrud Eichinger (SPD) nahm sich Faltermaier in rascher Folge eine Vielzahl von Themen vor, beginnend "mit der Weltpolitik" bis runter zur Betriebsratsebene. Zum Thema Globalisierung forderte er etwas, was man nicht mehr so oft hört: "Internationale Solidarität." Es dürfe nicht sein, dass "wir uns nur die Rosinen raus picken" und den Menschen in Afrika kaum Chancen auf etwas Wohlstand lassen, sagte Faltermaier. Womit er auch schon bei der kritikwürdigen Entwicklung in der Türkei war. Angesichts der vielen Erdoğan-Befürworter auch und gerade in der türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland, sei es ein "ständiger und schwieriger Prozess" mit ihnen im Gespräch und in der Diskussion zu bleiben. Das sei jedoch dringend nötig. Auf keinen Fall dürfe man sich zurücklehnen, "die Menschen in der Türkei fallen lassen und sagen, die sind doch alle Deppen da unten". In der EU habe man allerdings nicht weniger viel Überzeugungsarbeit zu leisten. "Wenn wir jetzt Europa kaputt machen, sind wir die dümmste Generation, die je gelebt hat", war sich Faltermaier sicher. Auch wenn viele Regelungen der EU kritisiert werden könnten, sei sie doch nicht zuletzt für ein friedfertiges Miteinander in Europa notwendig.

Zur Politik in Deutschland leitete Faltermaier mit Lob für Horst Seehofer und Angela Merkel über. Der "Horsti" sei ja eigentlich "der Sozialdemokrat in der CSU" und habe sich nur zuletzt etwas gewandelt. Und die "Angie" habe im Sommer 2015 bewiesen, dass sie ein "Christenmensch" sei, als sie die Grenzen für die in Budapest gestrandeten Flüchtlinge öffnete. Das habe "uns dann zwar ein bisschen überrollt", aber die Flüchtlinge seien doch "eigentlich sogar ein Konjunkturprogramm".

Dass es in Deutschland endlich einen Mindestlohn gebe, sei ein großer Erfolg, der einen Gewerkschafter zufrieden machen müsse: "Es war eine Sauerei ohne Gleichen, dass wir früher keinen hatten." Eines passe aber noch nicht: "Er ist zu niedrig, wir müssen dafür sorgen, dass er steigt." Beim Thema Wohnungsbau wies Faltermaier auf einen Aspekt hin, der nicht von vielen angesprochen wird. Zurzeit kämen "viele Leute vom Balkan zu uns, die beim Wohnen zum Teil extrem abgezockt werden oder sogar im Auto schlafen". Da müsse rasche Abhilfe her, durch Boardinghäuser als Übergangslösung und dringend mehr sozialen Wohnungsbau.

Auf die Frage, "wer soll denn das alles zahlen", hatte Faltermaier eine einfache Antwort: "Die Reichen, denen müssen wir schlicht und ergreifend Geld wegnehmen." Mit einer Vermögenssteuer, höherer Erbschaftssteuer und einer Steuer auf Finanzgeschäfte. Das sei nicht nur die Sicht eines Gewerkschafters, sagte Faltermaier: "Auch Erzbischof Marx ist voll auf unserer Seite." Und dann zitierte er aus einer Pressemitteilung, laut der der Kardinal tatsächlich genau dasselbe wie er forderte. Auf der Ebene der Betriebe angekommen, verlangte Faltermaier schließlich ein Verbot von Leiharbeit und grundloser Befristung von Arbeitsverträgen sowie "kostenlose Bildung von der Kita bis zum Master oder Meister".