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Denkmalpflege und Archäologie :Lauter Fälschungen

Christian Wunderlich bezweifelt Echtheit des Bernstorfer Schatzes

Von Alexandra Vettori, Freising

Der Krimi um den Goldschmuck aus dem bronzenzeitlichen Bernstorf bei Kranzberg erregt weiter die Gemüter. 70 Besucher sind am Freitagabend auf Einladung des Archäologischen Vereins in die einstige Klosterbibliothek im Landratsamt gekommen. Das Thema: neueste Erkenntnisse zur Echtheit der Stücke. Referent war Christian Wunderlich vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und erklärter Verfechter der Fälschungstheorie, für den Schmuck, wie für die ebenfalls gefundenen Bernsteinstücke.

Seit 1999 die Hobby-Archäologen Traudl Bachmaier und Manfred Moosauer das goldene Diadem, diverse Anhänger und eine Nadel in einer Abraumhalde fanden, gibt es Zweifel an der Echtheit der Stücke In den vergangenen Jahren ist ein handfester Expertenstreit daraus geworden, längst mischen Professoren und in vorderster Front Rupert Gebhard, Leiter der Archäologischen Staatssammlung in München, mit. Er ist überzeugt, dass der Schmuck aus der mittleren Bronzezeit um 1300 vor Christus stammt. Endgültig belegen sollte das eine Veröffentlichung vor einem guten Jahr. Die darin zu Wort gekommenen Wissenschaftler fanden zumindest keinen Beleg für eine Fälschung.

Wunderlich ließ allerdings kein gutes Haar an den Argumenten. Die These, ein so reines Gold wie im Bernstorfer Schatz herzustellen, sei schon in der Bronzezeit möglich gewesen, treffe nicht zu. "Ein Vier-Neuner-Gold gibt es erst in der Moderne", sagte Wunderlich, dafür seien elektrochemische Prozesse nötig. Den Silbergehalt könne man reduzieren, doch enthalte prähistorisches Gold immer ein höheren Kupferanteil. Er hat sich im Internet auf die Suche nach solch reinem Gold gemacht und ist bei der US-Firma Surepure Chemicals fündig geworden, sehr teuer, aber genau 0,08 Millimeter dick und genau einen Zoll breit. Das Zollmaß sei besonders interessant, merkte er an, der gesamte Schmuck sei zusammengelegt einen Zoll lang.

Das Argument der Befürworter, das Gold weise unter dem Rastermikroskop Furchen, Risse und Kratzer auf, wie sie bei einer maschinellen Herstellung nicht möglich seien, ließ Wunderlich nicht gelten. Sein im Internet bestelltes Goldblech habe diese Spuren auch aufgewiesen, "das passiert beim kalten Walzen". Die immer gleiche Dicke des Goldblechs ist für ihn ein weiteres Indiz für dessen maschinelle Herstellung. Für die ausgefransten Bohrlöcher in den Bernsteinfiguren, welche die Echtheitsbefürworter als Beweis für die händische Herstellung sahen, hatte er nach dem Eigenversuch eine Erklärung: Eine heiße Nadel habe den Bernstein mühelos durchbohrt und ein ähnliches Loch hinterlassen.

Schließlich führte Wunderlich noch den UV-Test an: Verwittert Bernstein, legt sich eine raue Schicht auf ihm ab, wo diese abgeschlagen ist, tritt der Bernstein hervor. Mit UV-Licht bestrahlt leuchtet er bläulich - ebenso, wie es die geritzten Bernstein-Gesichter aus Bernstorf auf den von Wunderlich gezeigten Fotos taten.

Wer die Fälschungen hergestellt habe, die Frage tauchte in der anschließenden Diskussion auf, "das wäre eine interessante Frage für einen Profiler", so Wunderlich. Fakt sei, "der Fund war wichtig, weil der Platz wichtig war". Und die Politik habe kein großes Interesse, die Sache aufzudecken, nachdem sie Hundertausende von Euro in den Schmuck und das Bronzezeitmuseum in Kranzberg gesteckt habe. Daran, dass die Wallanlage in Bernstorf eine archäologische Sensation ist, änderten die Zweifel am Goldschmuck nichts, betonte Florian Bichlmeier, Vorsitzender des Archäologischen Vereins, "die B-Funde sind spektakulär".

© SZ vom 26.03.2018

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