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Cleo Kretschmer im Gespräch:"Es gibt hier überhaupt keine Kneipen"

Die Schauspielerin Cleo Kretschmer wird 60. Ein Gespräch über ihre Pläne, ihre Wahlheimat Dorfen - und warum sie sich nicht für Lokalpolitik interessiert.

Cleo Kretschmer wurde durch Kultregisseur Klaus Lemke berühmt. Seine Komödien machten sie in der 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum Star. 1998 erlitt Cleo Maria Kretschmer eine schwere Gehirnblutung. Nach ihrer vollständigen Genesung begann sie wieder zu schreiben. Zudem ist sie ist offizielle Schirmherrin des Bayerischen Landesverbandes für die Rehabilitation der Aphasiker. Die Schauspielerin, Drehbuch- und Romanautorin lebt in Dorfen und feiert heute ihren 60. Geburtstag.

Cleo Kretschmer wird 60

Die Schauspielerin Cleo Kretschmer, aufgenommen am 19.10.2010 in Gotteszell (Niederbayern) während einer Drehpause zu ihrem neuen Kinofilm "Eine ganz heiße Nummer". In den 1970er und -80er Jahren erlangte sie als Schauspielerin Kultstatus. Foto: dpa

(Foto: dpa)

SZ: Sie leben seit 1998 in Dorfen. Was hat Sie damals veranlasst, von München in dieses kleine Städtchen zu ziehen?

Cleo Kretschmer: Ich wollte damals von München weg, weil mir die Stadt zu hektisch geworden ist. Eigentlich hatte ich vor, nach Kärnten zu gehen, um dort in der Tourismusbranche zu arbeiten. Als daraus nichts geworden ist, haben mir Bekannte Dorfen empfohlen. Kurz darauf habe ich mir die Stadt angeschaut. Es war Liebe auf den ersten Blick. Noch am selben Tag habe ich mir einige Immobilien angesehen. Bei der letzten wusste ich sofort - das ist meine Wohnung. Meinen Katzen hat sie auch gefallen.

SZ: 1998 erlitten Sie eine schwere Gehirnblutung. Sie erholten sich nur langsam und mussten mühevoll wieder sprechen und gehen lernen. Die Journalistin Monica Lierhaus hat Ähnliches durchmachen müssen. Nun trat sie im Rahmen der Verleihung der "Goldenen Kamera" erstmals seit zwei Jahren wieder auf. Hat Sie ihr Auftritt bewegt?

Kretschmer: Ich finde das ganz toll! Lierhaus ist wirklich schlau. Sie hat gewartet bis sie bereit war, wieder den Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen. Ihre Kraft brauchte sie, um gesund zu werden und nicht, um sich fotografieren zu lassen. Nun musste sie den Schritt aber wagen, denn er hat sicher therapeutische Gründe. Bei mir war das ähnlich.

SZ: Sie werden heute 60 Jahre alt. Wollen Sie Ihren Lebensabend in Dorfen verbringen oder könnten Sie es sich vorstellen, noch einmal wegzuziehen?

Kretschmer: Da mache ich gar keine Pläne. Aber ich kann mir vorstellen zu bleiben, solange Dorfen so bleibt, wie es ist, meine Nachbarn nicht wegziehen und die Autobahn nicht gebaut wird.

SZ: Im November hat der Bayrische Verwaltungsgerichtshof grünes Licht für den Bau der Isental-Autobahn gegeben. Wie stehen Sie zu dem Projekt?

Kretschmer: Wenn unser Naturgebiet kaputt gemacht wird, dann ist Dorfen für mich gestorben - dann ziehe ich in den Bayerischen Wald! Aber die Dorfener kämpfen ja schon seit 25 Jahren gegen diese Autobahn. Die sind so rebellisch hier, ich glaube, die würden das Ganze über Nacht in die Luft sprengen - mit Recht!

SZ: Sie pflegen ein inniges Verhältnis zur Natur. Genießen Sie die ländliche Umgebung rund um Dorfen?

Kretschmer: Wenn das Wetter schön ist, gehe ich spazieren oder fahre Radl. Es gibt ein paar ganz tolle Strecken: zum Beispiel von der Mehlmühle aus in Richtung Wasentegernbach. Sie läuft durch ein Naturschutzgebiet, da begegnet man sogar Ottern, Fasanen und Rebhühnern. Sonst trifft man höchstens auf Bauern, die dort arbeiten. Im Sommer nehme ich mir eine Decke unter den Arm, packe ein Buch ein und lege mich unter ein Bäumchen in den Schatten und verbringe dort den ganzen Nachmittag. Schon in meiner Kindheit war ich viel in der Natur - im Bayerischen Wald. Der ist sowieso der allerschönste: wie ein kleines Kanada.

SZ: Interessieren Sie sich für die Dorfener Lokalpolitik?

Kretschmer: Nein, ich verfolge sie nicht. Das einzige Projekt, das hier gut gemacht wurde, war die Sache mit dem Hochwasserrückhaltebecken.

SZ: Sie haben 1990 für den Münchner Stadtrat kandidiert. Haben Sie auch daran gedacht, sich in Dorfen in die Lokalpolitik einzubringen?

Kretschmer: Nein. Ich glaube auch nicht, dass ich großen Einfluss hätte. Abgesehen von meinen Nachbarn und den Menschen, bei denen ich einkaufe, kommuniziere ich in Dorfen mit niemandem. Ich bin hier, weil ich meine Ruhe haben will. Wenn ich die Ruhe nicht will, reise ich nach München oder Hamburg. In Dorfen bin ich hauptsächlich am Schreiben.

SZ: Würden Sie Dorfen als konservativ bezeichnen?

Kretschmer: Dorfen ist sehr konservativ, es gibt hier überhaupt keine Kneipen. Das E3 hat manchmal ganz gute Konzerte und Lesungen, aber ansonsten gibt es momentan nichts. Früher war das Cafe Lipp wirklich ganz toll. In Dorfen gibt es entweder gar nichts und wenn mal ein neues Lokal aufmacht, dann folgen gleich drei bis fünf Nachahmer.

SZ: Ende der 1970er Jahre haben Sie einige bayerische Komödien gedreht. Könnten Sie es sich vorstellen eine Rolle in einem der neuen Heimatfilme von Markus Rosenmüller zu spielen?

Kretschmer: Sofort! Im letzten Jahr habe ich selbst einen richtig modernen Heimatfilm gedreht: "Eine ganz heiße Nummer". Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Andrea Sixt und kommt im November in die Kinos. Der wird eine Bombe!

SZ: Mit welchen Projekten dürfen Ihre Fans demnächst rechnen?

Kretschmer: Sobald mein Geburtstag und der ganze Trubel endlich vorbei sind, ziehe ich mich zurück und gehe nicht mehr ans Telefon. Dann fange ich zu schreiben an. Es gibt eine Schauspielerin, Rosalie Thomass. Sie erinnert mich daran, wie ich selbst in meiner Jugend war. Die hat mich so fasziniert, dass ich einen Roman und Drehbuch für sie schreiben möchte. Außerdem habe ich ja für das ZDF den Pilotfilm "Meine Mutter, Heinrich und Ich", mit Bettina Zimmermann in der Hauptrolle, gedreht. Der Film soll um Ostern herum ausgestrahlt werden. Wenn er gut läuft, soll ein Mehrteiler daraus werden; darin spiele ich "Trudi-Maus", eine Frau mittleren Alters und Alt-Hippie. Die Rolle ist wie auf mich zugeschnitten. Auch deswegen, weil es eine Nebenrolle ist und ich wegen meiner Krankheit nicht mehr die Energie für so viele Drehtage habe.

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