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Ärger in Berglern über die dritte Startbahn:Bürgermeister Knur verlässt die CSU

Der Berglerner Bürgermeister und Chef der Kreistagsfraktion Herbert Knur tritt aus der CSU aus. Als Grund nennt er die Festlegung von Ministerpräsident Horst Seehofer auf eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen.

ErdingHerbert Knur, Bürgermeister von Berglern und Vorsitzender der CSU-Kreistagsfraktion, ist aus Protest gegen die Festlegung von Ministerpräsident Horst Seehofer auf eine dritte Startbahn aus der CSU ausgetreten - zusammen mit dem gesamten Vorstand des CSU-Ortsverbandes Berglern. Der somit Ex-Ortsvorsitzende Georg Wagner erwartet, dass auch alle weiteren Berglerner CSU-Mitglieder dem Beispiel folgen werden. "Ich gehe davon aus, dass sich dieser Ortsverband auflösen wird."

Am Mittwoch hatte Knur in einem Gespräch mit der SZ gesagt, er werde die CSU verlassen, "wenn die dritte Start- und Landebahn definitiv kommt", ließ aber offen, wann er aus der Partei austreten werde. Noch am gleichen Abend traf sich der Vorstand der Berglerner CSU zu einer Krisensitzung, bei der der gemeinsame Parteiaustritt aller neun Vorstandsmitglieder beschlossen wurde. Knur verfasste gleich am nächsten Tag seine persönliche "Kündigung der Mitgliedschaft in der CSU - Mitglieds-Nr. 222930 vom 14. Januar 1977".

In dem an den CSU-Kreisvorsitzenden, Landrat Martin Bayerstorfer, adressierten Schreiben begründet Knur den Austritt mit der Haltung von Ministerpräsident Horst Seehofer. "Die Festlegung des Parteivorsitzenden und Ministerpräsidenten zugunsten eines Baues der dritten Startbahn" sei für seinen CSU-Austritt verantwortlich. Seehofer habe ihm vor zwei Jahren in einem Telefonat zugesichert, wenn der Planfeststellungsbeschluss ergangen sei, werde er "mit den Kirchen und weiteren ernst zu nehmenden Personen" das Gespräch suchen, bevor er eine Entscheidung für oder gegen den Bau der Startbahn fällen werde. Ein solches Gespräch habe jedoch nicht stattgefunden und Seehofer somit "sein Wort gebrochen". Dass Seehofer nun gesprächsbereit sei, empfinde er "als Farce". Er fühle sich von Seehofer "gedemütigt" und "schändlich hintergangen".

Auch in der Pressemitteilung des CSU-Ortsverbandes zum geschlossenen Austritt des Vorstands wird Seehofer ein "grober Vertrauensbruch" vorgeworfen. Man sei es leid, "mit Sprüchen und Beschwichtigungen hingehalten" zu werden. Der nunmehr ehemalige Ortsvorsitzende Wagner sagte, der Austritt solle ein Signal "an die Oberen in der CSU" sein: "Ich hoffe schon, dass die das nicht so einfach hinnehmen und sagen: Mei, da sind jetzt 40 ausgetreten, was soll's?"

Wahnsinn. Das ist eines der Zeichen, die wir uns jetzt wünschen", kommentiert Hartmut Binner, Sprecher des Aktionsbündnisses Aufgemuckt, die Entscheidung Knurs, "dem sollten sich viele anschließen". Auch Aufgemuckt-Sprecherin Helga Stieglmeier glaubt, der Austritt gebe dem Widerstand gegen die dritte Startbahn "einen starken Rückenwind". Die Sprecherin der Kreis-Grünen zollte Knur "Respekt", der mit dem Parteiaustritt "viel Rückgrat" beweise. Auch die SPD-Kreisvorsitzende Michaela Meister sagte, Knur gebühre Respekt, denn er sei "konsequent in der Haltung". Auf Verständnis stieß der Austritt auch im Erdinger Rathaus und im Landratsamt. "Knur hat X Kämpfe in der Lärmschutzkommission gefochten. Wenn man sieht, wie wenig dabei herumkommt, kann das schon zermürben", sagte Bürgermeister Max Gotz (CSU). Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) respektiert Knurs Rücktritt, bedauert ihn aber auch: "Die Kreis-CSU verliert einen markanten Gegner der dritten Startbahn."