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A94 bei Dorfen:Alles im Normbereich

Pressegespraech zum Laermalltag der A94 bei Dorfen

Der tatsächlich gemessene Lärm an mehreren Wohnhäusern nahe der A 94 lag stets unter den Grenzwerten.

(Foto: Stephan Görlich)

Die von der Stadt Dorfen in Auftrag gegebenen Messungen an der Isentalautobahn zeigen keine Unzulänglichkeiten bei der Bauausführung und keine Überschreitungen der Lärmgrenzwerte

Von Florian Tempel, Dorfen

Das Fazit, das Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) nach der Vorstellung der Ergebnisse der Lärmmessungen an der A 94 zog, war bitter: "Es ist, wie wir es alle befürchtet haben." Die akustischen Untersuchungen des Fahrbahnbelags und die Messungen des Verkehrslärms an fünf Wohnanwesen, die im Auftrag der Stadt Anfang des Jahres gemacht wurden, haben keine Unzulänglichkeiten bei der Bauausführung und keine Überschreitungen der Lärmgrenzwerte ergeben. "Das ist bedauerlich für unser weiteres Vorgehen", sagte Grundner. Denn die Möglichkeiten, mit rechtlichen Schritten eine Verbesserung des Lärmschutzes an der Isentalautobahn zu erreichen "sind somit zusammengeschrumpft".

Für die lärmgeplagten A 94-Anwohner ist es eine Woche voller schlechter Nachrichten. Nach der Aufhebung des Tempolimits durch das Verwaltungsgericht München, folgte nun gleich die nächste Enttäuschung. Während die wegen Corona verschobenen Lärmmessungen, die der bayerische Landtag verlangt hat, nun endlich begonnen haben, rauben die Ergebnisse der städtischen Untersuchungen schon alle Hoffnung, auf diesem Weg etwas erreichen zu können.

Die Gesellschaft für Akustikforschung aus Dresden hat den Fahrbahnbelag auf der A 94 im Gebiet der Stadt Dorfen untersucht. Die Messungen vorbeifahrender Autos an vier Messpunkten ergaben, dass der von vielen kritisierte Asphalt doch "deutlich leiser ist als die Anforderung". Viele hatten bezweifelt, dass der Belag wie in der Genehmigung festgelegt, tatsächlich drei Dezibel mehr Lärm schluckt als ein Standard-Asphalt. Nach den Messungen der Dresdner Experten war der Belag - bei vorbeifahrenden Pkw, denn nur die sind rechtlich maßgeblich - aber um 3,8 bis 4,9 Dezibel besser als Standard. Bei einem Test mit einem Spezialanhänger, der das Fahrbahngeräusch für Pkw- und Lkw-Reifen misst, waren die Werte ebenfalls in Ordnung. Bei Lastwagen schluckt der A 94-Belag zwar nur gut zwei Dezibel. Doch das zählt nicht, weil die geltende Verordnung bislang Lastwagen völlig außer acht ließ. Nach einer neue Straßenverkehrslärmrichtlinie sollen zukünftig auch Lastwagen berücksichtigt werden, für die Isentalautobahn und die Anwohner kommt das jedoch zu spät.

Die vom Augsburger Unternehmen Accon vorgenommenen Lärmmessungen an fünf Wohnanwesen nahe der A 94 ergaben alle, dass der Lärm stets unterhalb der für diese Stellen berechneten Lärmbelastung lag. An manchen Tagen gab es zwar höhere Werte. Doch diese ließen sich mit Wetterereignissen wie starkem Regen oder heftigem Wind erklären und aussondern.

Der Stadtrat nahm die Ergebnisse zerknirscht zur Kenntnis. Anträge von SPD-Stadtrat Heiner Müller-Ermann, man sollte dennoch per Beschluss besseren Asphalt und neue Gesetze für Tempolimits aus Lärmschutzgründen fordern, wurde vorab vor allem von CSU-Vertretern so heftig abgelehnt, dass sie Müller-Ermann zurückzog. Bürgermeister Grundner hatte den Kurs vorgegeben, lieber nicht mit konfrontativen Forderungen, sondern auf "politischem Weg" Verbesserungen zu erreichen. Zudem verwies er auf die "bestehende Beschlusslage" des Stadtrats, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 100 Stundenkilometer für Pkw und Tempo 60 für Lastwagen gefordert werden.

Am kommenden Montag, 14. September, wollen viele Anwohner am Abend mit Mahnfeuern entlang der Isentalautobahn auf ihre unverändert beklagenswerte Situation aufmerksam machen. Wie schon einmal im Dezember 2019 werden sie Lagerfeuer, Kerzen und Fackeln entzünden, um wahrgenommen und nicht vergessen zu werden.

© SZ vom 11.09.2020
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