Einweihung mit 200 Gästen Selber Ort, neues Hotel

Dreimal Geisel: Die Brüder Stephan, Michael und Carl (v. l.).

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Geisel-Gruppe eröffnet in der Hohenzollernstraße die "Schwabinger Wahrheit"

Von Franz Kotteder

"Wahrheit" ist sicher nicht das Erste, was einem zu Schwabing einfällt. Schon das Attribut "Traumstadt" deutet darauf hin, dass es sich hier um jenen Münchner Stadtteil handelt, in dem das Leben nicht immer so ernst genommen wird. Die drei Geisel-Brüder Carl, Michael und Stephan haben ihr neues Hotel aber "Schwabinger Wahrheit" genannt, wohl aus einem Bauchgefühl heraus. Carl Geisel spricht von der Assoziation zur "Münchner Freiheit" und sagt: "Wir haben über verschiedene Vorschläge nachgedacht, aber die Wahrheit hat uns am besten gefallen."

Die Wahrheit ist: Hier an der Hohenzollernstraße 5 stand früher das Hotel Cosmopolitan, das ebenfalls zur Gruppe der Geisel Privathotels gehörte (wie der Königshof, das Anna-Hotel, das Hotel Excelsior und die Beyond-Suiten am Marienplatz). Es war aber in die Jahre gekommen, und der Hausbesitzer, das Schuhhaus Tretter, wollte die Immobilie sowieso neu bauen. So geschah es auch, und am Donnerstagabend wurde das neue Hotel nun auch offiziell mit einem Fest eröffnet - Gäste können hier schon seit Mai wohnen. "Schön, wenn man so ein Hotel gleich zweimal eröffnen kann", freute sich Michael Geisel vor den rund 200 geladenen Gästen. "Vor 23 Jahren hab' ich das hier schon mit dem Cosmopolitan gemacht." Der Mann ist sichtlich zufrieden mit dem, was hier entstanden ist, und wünscht sich nur, dass seine Gäste "vielleicht nicht ganz so ausgelassen feiern wie beim Abrissfest vor zwei Jahren". Allem Anschein nach hat der Appell gefruchtet, am Freitag stand das Hotel noch. Wäre ja auch schade drum, handelt es sich schließlich um "das erste Hybridhotel Münchens", wie die Marketingabteilung verkündet. Man könnte auch Zwitter dazu sagen, denn die Schwabinger Wahrheit ist einerseits ein günstiges Hostel - im Rückgebäude gibt es sechs Zimmer, in denen sich jeweils sechs Schlafkojen befinden, die man für 40 Euro pro Nase buchen kann -, andererseits findet man im Vorderhaus im siebten Stock drei Suiten, eine gar mit integrierter Bar, Privatsauna und einem Esstisch, den man zur Tischtennisplatte umbauen kann. 80 Zimmer hat das Haus, die meisten sind übersichtliche Doppelzimmer mit skandinavischem Holz und viel Liebe zum Detail, einem eigenen Handyparkplatz zum Beispiel.

Schwabing findet sich in jedem Raum wieder, etwa in Gestalt einer Fototapete auf der Toilette, die ein Bild aus dem Englischen Garten zeigt. Und auf dem überlebensgroßen Graffito im schlauchartigen Foyer des Hauses, das Bilder der Stadtteilgeschichte vom Simplicissimus-Hund bis zu Uschi Obermaier zeigt. Viel Lokalkolorit also, bis hin zum Hinweis aufs Rauchverbot im Zimmer: "Qualmen is ned hier drin." Das hat wohl ein Zugereister formuliert, denn "qualmen" sagt kein Bayer. Aber Zugereiste gibt es in Schwabing ja genug.