Einsatz mit Lieferwagen Eine Uniform, die stolz macht

Fleißig: Markus Geyer, Robert Feichtner und Peter Raab (v.l.n.r.)

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Das Umweltteam des Vereins Cooperative Beschützende Arbeitsstätten säubert Wertstoffinseln und Friedhöfe

Von Christina Hertel

Zwei Matratzen, ein Stuhl, ein alter Ventilator, Kissen, Pappkartons, das Kopfteil eines Holzbetts, Styroporplatten - das alles haben Menschen vor den Altglascontainern beim Viehhof abgestellt. Markus Geyer und Robert Feichtner, beide tragen orangefarbene Hosen und Jacken, schleppen ein Teil nach dem anderen in ihren roten Lieferwagen. Die zwei Männer arbeiten für das Umweltteam des Vereins Cooperative Beschützende Arbeitsstätten (cba). 700 solcher Wertstoffinseln in München, 60 Stück am Tag, machen die rund 20 Mitarbeiter des Umweltteams sauber. Sie alle haben eine Lernbehinderung oder eine andere geistige Einschränkung - etwa Trisomie 21.

An manchen Tagen, erzählt Robert Feichtner, komme er schon um sieben Uhr früh in die Arbeit, obwohl er eigentlich erst eine Stunde später anfangen muss. Er trinkt dann mit seinen Kollegen noch einen Kaffee, bevor es los geht. "Hätte ich die Arbeit nicht, wäre ich schon traurig." Feichtner ist seit rund 20 Jahren für das Umweltteam im Einsatz. Zuvor baute er in einer Werkstatt Metallteile zusammen. Doch das habe ihm nicht gefallen. "Das war langweilig. Und meine Finger waren immer schmutzig", sagt Feichtner. Außerdem bekam er dort bloß ein Taschengeld, bei der cba erhält er einen regulären Lohn. Damit sei es einfacher, sich auch mal etwas zu leisten - im Winter ins Kino zu gehen oder im Sommer ins Schwimmbad.

Mitte der Achtzigerjahre gründeten Eltern die cba. Ihre Kinder hatten alle eine Einschränkung, gingen jedoch gemeinsam mit Jungen und Mädchen ohne Behinderung in eine Klasse einer Montessori-Schule. "Die Eltern erlebten das damals als so positiv, dass sie nicht wollten, dass ihre Kinder danach in einer Werkstatt verschwinden", sagt Sharmila Pal Chowdhury, die Vorsitzende der cba. Weil es damals allerdings kaum Arbeitsplätze für Menschen mit einer Behinderung gab, gründeten die Eltern ihre eigenen Betriebe: zuerst das Umweltteam, das sich neben den Container-Stellplätzen auch um Friedhöfe kümmert, die Gebäudereinigung Putzblitz und die Gastronomie Conviva, die heute unter anderem das Blaue Haus bei den Kammerspielen betreibt. 180 Mitarbeiter sind bei der cba angestellt, die Hälfte davon hat eine Einschränkung. Beim Umweltteam etwa ist immer ein Anleiter dabei, der keine Behinderung hat.

Einer von ihnen ist Peter Raab. Er fing bereits als Student an, für die cba zu arbeiten - inzwischen sind mehr als 20 Jahre vergangenen. So wie hier beim Viehhof, sagt er, würden die Wertstoffinseln in München häufig aussehen. Besonders schlimm sei es an den Montagen, wenn die Menschen am Wochenende Zeit zu entrümpeln hatten. Und in den Vierteln, in denen die eher wohlhabenderen Münchner leben. "Solln ist viel schlimmer als das Hasenbergl." Er habe den Eindruck, dass für seine Mitarbeiter die Arbeit oft der ganze Lebensinhalt sei. "Viele haben keine Hobbys, keinen Freundeskreis." Sie seien stolz auf ihre Uniform - weil es für sie ein Zeichen sei, dass sie etwas leisten. Dabei sei die Arbeit nicht immer angenehm: Einmal, an einem heißen Sommertag, fand sein Team einen blauen Sack voller vergammelter Hähnchen. Maden machten sich bereits daran zu schaffen.