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Weggang:Fünf Jahre im Traumjob

"Ich hatte immer das Gefühl, exakt am richtigen Ort zu sein", sagt Bernadette Bognar über ihre Arbeit in der Jugendstelle.

(Foto: Christian Endt)

Bernadette Bognar verabschiedet sich aus der katholischen Jugendstelle Ebersberg, um sich der Familie zu widmen

Mit dem Weggang von Bernadette Bognar verliert die katholische Jugendstelle im Landkreis Ebersberg eine wichtige Persönlichkeit. Nach fünf Jahren als Jugendpflegerin verabschiedet sich die werdende Mutter, um sich dann ganz ihrer Familie widmen zu können. Ein Nachfolger steht noch nicht fest, die Stelle ist aber ausgeschrieben.

SZ: Frau Bognar, wie hat sich in Ihrer Zeit in Ebersberg die Arbeit in der katholischen Jugendstelle verändert?

Bernadette Bognar: Als ich angefangen habe, waren ein paar örtliche Gruppen etwas eingeschlafen, zum Beispiel die katholische Landjugendbewegung (KLJB). Mein Kollege Thomas Bergmeister und ich haben über die Jahre erst einmal ziemlich viel Aufbauarbeit geleistet. Wir haben überall beim Organisieren geholfen, Projekte mit umgesetzt und Schulungen für die Gruppen angeboten. Die Jugendstelle soll ein Anlaufpunkt für Jugendliche sein, wenn sie Fragen haben oder Hilfe brauchen bei ihrem Engagement im jeweiligen Verband. Über die Jahre haben wir es geschafft, dass Kirche ein beliebter Treffpunkt gerade für Gruppenleiter hier in der Jugendstelle geworden ist.

Warum, glauben Sie, war das vorher nicht so? Wie muss man die Stelle als Jugendpflegerin Ihrer Meinung nach ausfüllen?

Für die Jugendlichen ist es wichtig zu wissen, dass immer jemand ansprechbar ist. Mit voller Energie und Motivation. Meines Erachtens müssen wir immer wieder selbst auf die Jugendlichen zugehen und nicht warten, bis sie es tun. Wir können unsere Fachkraft anbieten und ihnen vor allem eine wertschätzende Haltung entgegenbringen. Außerdem ist Partizipation ein großes Stichwort meiner Arbeit. Obwohl es mir sehr schwer fällt, setze ich hier einen Schlusspunkt, da mir dies mit eigener Familie nicht mehr in diesem flexiblen Umfang möglich sein wird.

Welche Verbände sind das denn, die Sie betreut haben?

Wir kümmern uns um die Pfadfinder, die Kolpingjugend, den Bund Deutscher Katholischer Jugend (BDKJ), die KLJB und die vielen Ministranten in unseren Pfarreien. Da kommt schon einiges zusammen, weil mein Kollege und ich für das ganze Dekanat Ebersberg zuständig sind. Das entspricht ungefähr dem Landkreis Ebersberg.

Was genau gehörte zu Ihren Aufgaben?

In erster Linie war ich Koordinationsstelle und wie gesagt Ansprechpartnerin bei Problemen und Fragen, was inzwischen sehr oft in Anspruch genommen wird. Damit unnötige Fragen aber gar nicht erst aufkommen, habe ich im Namen der Jugendstelle viele bedarfsorientierte Workshops und Schulungen organisiert, in denen die Jugendlichen lernen, wie man Projekte umsetzt, andere motiviert oder souverän vor Gruppen auftritt. Zum Beispiel gibt es jedes Jahr in den Herbstferien einen mehrtägigen Gruppenleiterkurs, den ich als mein Steckenpferd und einen großen Schwerpunkt bezeichnen würde. Es waren aber auch eintägige Kurse oder Freizeitangebote darunter.

Wer nimmt diese Angebote in Anspruch?

Der Gruppenleiterkurs kann ab 15 Jahren belegt werden, andere Angebote schon früher. Die jüngsten Jugendlichen, mit denen ich zu tun hatte, waren etwa 13 Jahre alt. Was die älteren angeht, haben wir im Dekanat Ebersberg ziemlichen Luxus: Da wir im Speckgürtel von München sind, bleiben viele zum Studieren zu Hause wohnen. Sie bleiben dann länger in ihren Jugendgruppen aktiv als anderswo. Manche Gruppenleiter sind sogar in meinem Alter.

Welches Projekt war denn, im Rückblick, ihr Lieblingsprojekt?

So genau lässt sich das nicht festmachen, zumal alle Aktivitäten sehr unterschiedlich und immer auf ihre Weise toll waren. Aber besonders viel Herzblut habe ich in die 72-Stunden-Aktion gesteckt, Deutschlands größte Sozialaktion. Hier im Dekanat konnten wir zwanzig Gruppen motivieren teilzunehmen, indem wir den persönlichen Kontakt gesucht haben. Bei mir in der Jugendstelle sind die Fäden zusammengelaufen. Für die Organisation habe ich ungefähr neun Monate gebraucht, und die letzten drei davon waren höchst intensiv. Deswegen steht im Flur der Jugendstelle immer noch das große Plakat davon. Mein Kollege wollte umdekorieren, aber ich habe darauf bestanden.

Die Jugendstelle sieht insgesamt sehr gemütlich aus! Wie viel haben Sie daran in den letzten Jahren verändert?

Einiges wurde umgestaltet, aber das vor allem auf Anregung der Jugendlichen, die die Räume hier immer mehr als Anlaufstation genutzt haben. Eine kleine Abstellkammer haben wir zum Gebetsraum umfunktioniert. Und die Sitzgruppe im Garten haben wir aufgestellt, weil sie sich mehr Sitzgelegenheiten gewünscht haben. Denn bei den verschiedenen Workshops und Projekten sind verbandübergreifende Freundschaften entstanden, sodass sich die Jugendlichen inzwischen gerne bei uns, dem Bindeglied, verabreden. Ich bin froh, dass ich ihnen das ermöglichen konnte.

Welche Eindrücke werden Sie aus ihrer Zeit in der Jugendstelle und in Ebersberg mitnehmen?

Ich bin sehr dankbar für die Offenheit, die mir die Menschen hier in Ebersberg entgegengebracht haben. Hier in der Jugendstelle habe ich meinen Traumjob gefunden, ich hatte wirklich immer das Gefühl, exakt am richtigen Ort zu sein. Ich habe den Jugendlichen etwas gegeben, aber für mich mindestens genauso viel zurückbekommen. Kirche ist hier vor Ort erlebbar. Oft werde ich gefragt, wie ich denn überhaupt noch hinter der Kirche stehen kann, bei all den Skandalen und den rückläufigen Zahlen von Kirchenbesuchern. Meine Antwort ist, dass hier im Dekanat Ebersberg die Zahlen teilweise sogar steigen, und dass Kirche hier vor Ort Jugendliche Kirche als Heimat wahrnehmen und der Glaube gelebt wird.

© SZ vom 02.09.2016
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