Nahverkehr Ministerium prüft Erweiterung der S-Bahn-Strecken im Kreis Ebersberg

Züge in Grafing-Bahnhof.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Innerhalb von vier Jahren soll ein entsprechendes Gutachten vorliegen. Ziel ist nicht nur der Ausbau auf vier Gleise.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Bis 2022 soll feststehen, wie es mit dem S-Bahn-Ausbau im Landkreis Ebersberg weitergeht. Konkret will das bayerische Verkehrsministerium prüfen lassen, ob und wie sich ein viergleisiger Ausbau der Strecke nach Markt Schwaben umsetzen lässt. Dasselbe gilt für das seit Jahren geforderte Ausweichgleis zwischen Grafing-Bahnhof und Ebersberg. Beide Projekte werden Teil eines Gutachtens, das demnächst vergeben werden soll, wie nun Landrat Robert Niedergesäß (CSU) bei einem Pressegespräch bekannt gab.

Vorangegangen war ein Treffen von Kommunalpolitikern mit Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU) in Rosenheim. Dort wurden regionale Wunschprojekte für den Ausbau der Infrastruktur vorgestellt. Darunter auch die beiden Vorhaben im Landkreis. Wie Niedergesäß erklärte, sollen diese nun von Gutachtern überprüft werden, als Zeitrahmen sind vier Jahre vorgesehen. Dabei sollen die Ergebnisse nach und nach vorgestellt werden. Wann die Ausbaustrecken im Landkreis Ebersberg an die Reihe kommen, stehe noch nicht fest.

Sicher ist bereits, dass sich der Landkreis sowie die Städte Ebersberg und Grafing einiges Geld sparen werden. Anfang des Jahres hatten die beiden Städte und der Kreis dem Freistaat und dem MVV ein Angebot gemacht. Bei der Suche nach einem Standort für das Ausweichgleis sollten die Kosten für ein entsprechendes Gutachten unter den drei Beteiligten gleichmäßig aufgeteilt werden. Nun will der Freistaat die Gutachterkosten übernehmen.

Geprüft werden muss vor allem, wo das Ausweichgleis zu bauen ist

Das unterstreicht die Bedeutung, welche man in den Rathäusern von Grafing und Ebersberg sowie im Landratsamt dem Ausbau der Strecke bemisst. Denn wenn es bei der S-Bahn von und nach Ebersberg zu Verspätungen und Zugausfällen kommt, liegt dies oft an der mangelnden Kapazität der Strecke. Auch ein dichterer S-Bahn-Takt ist auf dem eingleisigen Abschnitt zwischen Grafing-Bahnhof und Ebersberg - auf dem auch noch der Filzenexpress verkehrt - nicht möglich.

Geprüft werden muss vor allem, wo das Ausweichgleis zu bauen ist. Möglich wäre dies etwa kurz nach Grafing-Bahnhof auf Höhe Gindlkofen oder bei Wiesham. Dort soll demnächst der Bahnübergang ertüchtigt werden, ein Vorhaben, an dem der Landkreis auch weiter festhalte, so Niedergesäß. Im zuständigen Ausschuss hatte es damals den Vorschlag gegeben, mit dem Ausbau zu warten, bis feststeht, wo das Ausweichgleis hinkomme.

Aus Sicherheitsgründen solle man den unbeschrankten Bahnübergang bald ausbauen, sagt der Landrat, allerdings so, dass er "möglichst aufwärtskompatibel" gestaltet wird, also ein weiteres Gleis hinpasst. Bereits so gut wie sicher ist die Elektrifizierung der Strecke von Ebersberg nach Reitmehring bei Wasserburg. Niedergesäß bekräftigte die Pläne, den Oberleitungsbau bis 2026 anzugehen. Dieser wäre nötig, soll die S-Bahn bis Wasserburg verlängert werden.

Optimismus gibt es auch beim zweiten S-Bahn-Nadelöhr im Landkreis, der zweigleisigen Strecke von Markt Schwaben Richtung München. Wie man dieses entschärfen kann, soll ebenfalls in den kommenden vier Jahren geprüft werden. Dabei dürfte es eher um Fragen der Finanzierung gehen, denn die Planungen für einen viergleisigen Ausbau begannen bereits vor mehr als 20 Jahren. Seit 2003 steht das Projekt sogar im Bundesverkehrswegeplan.

Der Bedarf ist unstrittig

Der Bedarf ist auch unstrittig, schließlich gehören die Gemeinden entlang der Strecke zu den wachstumsstärksten in der Region. Bislang war ein Ausbau allerdings immer an den hohen Kosten gescheitert. Vor drei Jahren gründeten dann die Gemeinden Feldkirchen, Aschheim, Kirchheim bei München, Poing und Markt Schwaben zusammen mit den Landkreisen München, Ebersberg und Erding sowie der Messe München das S-Bahn-Bündnis-Ost. Diesem gehören auch die Industrie- und Handelskammer Oberbayern und Bayern sowie die Handwerkskammer an. Ziel ist, neben einem viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke, eine Anbindung der Messe an die S-Bahn.

Eine andere Messeanbindung soll es dagegen schon in knapp einem Jahr geben: Die Buslinie von Pliening über Kirchheim zur Messestadt. Diese werde derzeit ausgeschrieben, so Niedergesäß, zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 soll die neue Linie dann in Betrieb gehen. Etwas länger könnte es mit dem Ausbau der Busverbindungen im südlichen Landkreis dauern.

Derzeit wird noch eine Nutzerumfrage ausgewertet, voraussichtlich im November wird der zuständige Ausschuss des Kreistages darüber beraten, wie die Ergebnisse in den Nahverkehrsplan eingearbeitet werden können. Konkret geht es um Verbesserungen am Abend und an den Wochenenden.

Ob es dazu neue Buslinien oder andere Angebote, wie Ruf- und Sammeltaxis braucht, dazu liefert vielleicht das Ergebnis der Umfrage Erkenntnisse. Auf jeden Fall werde der Landkreis hier investieren, sagt Niedergesäß: "Das wird etwas kosten, aber wenn man die Verkehrswende schaffen will, muss man bei der Attraktivität zulegen."

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