Schulversuch Freiraum für Handys

Drei Einrichtungen im Landkreis nehmen an bayernweitem Projekt teil

Von clara lipkowski

Das Smartphonedisplay flimmert von früh bis spät und das Handy wegzulegen, mal bewusst offline zu sein, und seien es nur 20 Minuten, fällt heutzutage vielen Menschen schwer, besonders Jugendlichen, die mit dem Handy aufwachsen. Wie aber sieht der richtige - private - Umgang mit dem Gerät während der Schulzeit aus? Darüber streiten Politik, Lehrer und Eltern seit Jahren.

Zum Start des Schuljahrs in diesem September hat das bayerische Kultusministerium dazu einen Versuch an 20 Schulen in Oberbayern gestartet. Im Landkreis Ebersberg nehmen das Sonderpädagogische Förderzentrum Seerosenschule in Poing, die Dominik-Brunner-Realschule gleich nebenan und das Humboldt-Gymnasium Vaterstetten in Baldham teil. Sie sollen in zwei Jahren für sich herausfinden, mit welcher Nutzung alle Beteiligten am besten Leben können.

Noch sind die drei Schulen in der Findungsphase für den Versuch. Auf Nachfrage der SZ teilen sie mit, dass es bereits Ideen gibt, aber erst Rücksprachen mit Lehrern, Eltern und Schülern stattfinden, denn bei der Umsetzung sollen alle eingebunden sein. Matthias Wabner, Direktor der Poinger Realschule, hat sich mit seiner Schule für das Projekt beworben, weil ihm wichtig ist, dass die Schüler einen selbständigen und verantwortungsbewussten Umgang mit dem Smartphone lernen. Denn oft klärten die Eltern ihre Kinder nicht darüber auf. Deswegen falle diese Aufgabe auch der Schule zu, sagt er. Cybermobbing sei nach wie vor ein kritisches Thema, vor allem in Klassenchats bei Whatsapp.

Welche Schüler genau beim Versuch die Handynutzung testen, steht noch nicht fest, in Poing erwägt man an beiden Schulen die Jahrgänge 7 bis 9. Am Baldhamer Gymnasium will man erst weitere Informationen des Kultusministeriums abwarten und sich dann intern bis Ende September besprechen.

An der Seerosenschule in Poing überlegt man nun, sogenannte "Education Apps" zu testen, die das digitale Lernen in der Schule ermöglichen. Für Schulleiter Jörn Bülck sei außerdem denkbar, künftig öfter das Schul-WLan für Schüler freizuschalten. Dann könnten sie sich mit ihrem Gerät einloggen und zum Beispiel Internetseiten der Schule erstellen und überarbeiten, sagt er.

Der Realschulleiter Martin Wabner findet: "Der Versuch ist für uns insofern schön, weil wir jetzt einen rechtlichen Freiraum haben, in dem wir das ausprobieren können". Man könne überlegen, in einer bestimmten Zone auf dem Schulhof das Handy zu erlauben. Geklärt werden müsse, wie dann damit umzugehen sei, wenn Handyvideos oder Tonaufnahmen gemacht würden. Bisher müssen die Schüler ihre Handys ausgeschaltet in der Tasche verstauen und dürfen sie auch während der Pausen nicht nutzen. Zu Recherchezwecken dürfen sie eingeschaltet werden, aber nur, wenn der Lehrer das auch genauso erlaubt.