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Poinger Bestattungsgarten:Letzte Ruhe auf der Wiese

Der neue Poinger Bestattungsgarten hätte von Bäumen umrahmt sein sollen, die jedoch dem Borkenkäfer zum Opfer fielen.

(Foto: Christian Endt)

Im Mai wird Einweihung gefeiert - allerdings fehlen die Bäume, die wurden vom Borkenkäfer aufgefressen

Er wird nicht ganz so lauschig wie eigentlich erhofft, der neue Bestattungsgarten in Poing. Die Idee war, dass die vorhandenen Bäume rund um das Areal erhalten werden und es schön einrahmen - da machte allerdings der gefräßige Borkenkäfer einen Strich durch die Rechnung.

Das Interesse an der neuen Art der Bestattung unter einer Blumenwiese ohne Markierungen und Grabmäler wird dadurch sicher nicht geringer - in den vergangenen Jahren waren immer mehr entsprechende Anfrage bei der Gemeinde eingegangen. Nun soll der Bestattungsgarten Mitte Mai offiziell eingeweiht werden.

Rechtzeitig vorher hat der Haupt- und Finanzausschuss in der jüngsten Sitzung über nötige Änderungen bei der Friedhofssatzung der Gemeinde debattiert, endgültig verabschieden wird sie der Gemeinderat im April. Der Gemeinde geht es dabei darum, unschönen Entwicklungen von vornherein einen Riegel vorzuschieben, daher ist in der Satzung genau geregelt, was erlaubt ist und was nicht.

Denn der Bestattungsgarten ist etwas Besonderes und eine Ausnahme im Landkreis: Es wird weder Grabsteine, noch Grablaternen oder auch Grabschmuck im konventionellen Sinn geben - die Urnen, die biologisch abbaubar sein müssen, werden unter einer bunten Blumenwiese in die Erde gebettet. Zwar wird die Gemeinde wissen, wer wo bestattet ist, gekennzeichnet sind die Gräber aber nicht.

Die Bestattungen können anonym erfolgen, genauso ist es aber möglich, dass wie auf jedem anderen Friedhof eine kleine Zeremonie am Grab stattfindet. Angehörige können auch an einer Tafel in einem kleinen Pavillon die Namen der Bestatteten anbringen lassen, wenn sie dies wünschen - allerdings nur für die Ruhefrist von zwölf Jahren, die im Bestattungsgarten, anders als auf dem Gemeindefriedhof, auch nicht verlängert werden kann.

700 Euro für zwölf Jahre Grab

Die Grabgebühr für die zwölf Jahre kostet im Bestattungsgarten 700 Euro, die selben Gebühren fallen im Gemeindefriedhof für eine Urnennische in der nördlichen Urnenwand oder für ein Urnenerdgrab an.

Weil durch die Neuerungen im Bestattungsgarten ohnehin die Friedhofssatzung geändert werden muss, nutzt die Gemeinde die Gelegenheit, eher unsinnige Bestimmungen aus der Satzung zu werfen - etwa die, die sogar regelt, wie dick der Draht bei einem Gesteck sein darf, das auf einem Grab im Gemeindefriedhof abgelegt wird. Jetzt ist nur noch festgelegt, dass Grabschmuck aus natürlichen oder überwiegend natürlichen Materialien bestehen soll.

Aus aktuellem Anlass will Poing zudem einen Passus einfügen, dass die Bestattung von einbalsamierten Leichen im Gemeindefriedhof nicht zulässig ist. Ein Fall im Nachbarlandkreis, bei dem ein Bestatter einen Toten einbalsamiert hatte, um die Beerdigung länger hinausschieben zu können, hatte Renate Karisch, die zuständige Expertin im Poinger Rathaus alarmiert: Würde sich das durchsetzen, müsste die Ruhefrist laut Auskunft eines Bestatters von zwölf auf mindestens 24 bis 30 Jahre erhöht werden, sagte Karisch.

Doch auch ein politisches Signal setzt der Poinger Gemeinderat: Grabsteine oder Grabeinfassung aus Naturstein dürfen nur aufgestellt werden, wenn sie ohne ausbeuterische Kinderarbeit hergestellt werden. Steinmetze müssen bei jedem Grabmal eine Bestätigung vorlegen, dass die Produktionsbedingungen den Vorgaben entsprechen.

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