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Poing:Tradition trifft Moderne

Im Bauzentrum Poing steht ein neues Fertighaus. Bei einer Führung wird deutlich, dass nachhaltige Bauweise und Flächennutzung essenziell für die Zukunft der Baubranche sein können

Von René Becker, Poing

Der Saal ist voll und die Teilnehmer sind gespannt. Das Unternehmen SchwörerHaus hat zur Pressekonferenz im Bauzentrum Poing geladen. Der Fertighausbauer stellt sein nun viertes Musterhaus in Poing vor. Mit dabei sind die TV-Moderatoren Jana und Thore Schölermann. Beide eröffnen auf humorvolle Art die Pressekonferenz. Zwei Gäste, die zu spät gekommen sind, müssen verlegen eine persönliche Begrüßung seitens des Moderators über sich ergehen lassen. Er nimmt die beiden charmant aufs Korn. Das Eis ist gebrochen und die Veranstaltung kann losgehen.

Die Schölermanns sind Markenbotschafter des Unternehmens SchwörerHaus und bauen mit der Firma aktuell ein Fertighaus nahe Köln. Das Paar zeigt Homestory-Bilder und -Videos, die zeigen, wie der Bau abläuft. Johannes Schwörer, Geschäftsführer des Unternehmens, spricht von der Wichtigkeit einer nachhaltigen Bauweise und Flächennutzung für die Zukunft der Baubranche. Schwörer: "Die deutsche Branche hat zu lange geschlafen und muss jetzt die Entwicklungsschritte aufholen."

Die Architektin Franca Wacker stellt nun das Herzstück der Poinger Veranstaltung vor: Das neue Musterhaus. "Wir haben in den Städten immer weniger Bauland, deswegen müssen wir mehr im ländlichen Raum bauen." Dementsprechend ist das neue Musterhaus im modernen Landhausstil gehalten. Architektin Wacker erzählt die Geschichte einer fiktiven Familie, die sich die drei Wohneinheiten des Multifunktionshauses auf zwei Stockwerken zu eigen macht. So beherbergt das Musterhaus unter anderen Elementen eine Bungalowwohnung und ein Loft-Apartment. Danach folgen noch Vorträge zu den Themen Wohngesundheit, Smart Home und Beleuchtung.

Im Anschluss findet die Führung durch das Musterhaus statt. Architektin Wacker stellt die Räume vor und führt aus, dass der Bau des Haues traditionelle und moderne Aspekte im Bereich Wohnen miteinander vereinen soll. Den Anfang macht das Loft-Apartment. Die Wohnung ist geprägt von wenigen aber großen Zimmern mit moderner Einrichtung. Die Wohnungen im Erdgeschoss sind traditioneller gehalten, viel Holz, aber dennoch weitläufig geschnitten. Viele Räume sind halboffen und unter anderem mit Schiebewänden ausgestattet. In dem Haus verstecken sich viele liebevolle Details, etwa eine alte eiserne Kamintür, wie man sie sonst nur im Altbau antrifft.

Mehr als eine Geisterstadt

Das Bauzentrum Poing versteht es als seine Aufgabe, Impulse für ein zukunftsweisendes Bauen und Wohnen zu setzen. Nachhaltigkeit und Energieeffizienz seien hierbei essenzielle Punkte, heißt es von den Verantwortlichen. Veranstaltet von der Messe München und betrieben von der Ausstellungsgesellschaft Eigenheim & Garten, beherbergt die 1999 eröffnete 59 000 Quadratmeter große Anlage in Poing mittlerweile um die 60 Fertighäuser.

Diese zeichnen sich durch eine kurze Bauzeit, niedrige Baukosten und nachhaltige sowie energieeffiziente Bauweise und Materialien aus. Wer das Bauzentrum erkundet, geht durch eine simulierte Vorstadt. Zwischen den Straßen befinden sich vollausgestattete Häuser. Diese sind nicht bewohnt, manche würden das Gelände vielleicht als Geisterstadt bezeichnen, tatsächlich handelt es sich um eine große interaktive Ausstellung - laut eigener Webseite sogar um die meistbesuchte Fertighausausstellung Deutschlands.

Die Häuser können mit Führungen besichtigt werden. Jede Wohneinheit ist anders individuell gebaut und bietet verschiedene Nutzungsmöglichkeiten sowie Wohn-, Gestaltungs- und Design-Ideen. Weiter gibt es im Technologiepavillon Vortragsreihen zum Thema Eigenheim, unter anderem Architektur und Wohnen im Alter. Dabei können sich Besucher über die neuesten Bau- und Wohntrends informieren sowie sich individuell beraten lassen. Interessenten bekommen Inspirationen und Beratung für ihr Eigenheim, auch in Sachen Nachhaltigkeit. Das Bauzentrum Poing hat täglich (außer Montag) von 10 bis 17 Uhr geöffnet, auch an Sonn- und Feiertagen, Eintritt für Erwachsene sind vier Euro. René Becker

Bei dem vorgestellten Haus handelt es sich jedoch lediglich um ein Musterhaus. Wie der Geschäftsführer später betont, sind alle SchwörerHäuser Unikate. Das Musterhaus im Poinger Bauzentrum dient lediglich der Inspiration. Die Symbiose aus Tradition und Moderne ist jedenfalls gelungen. "Das verwendete Holz ist immer aus der Region" und werde in eigenen Einrichtungen getrocknet und verarbeitet, ergänzt die Architektin während der Führung.

Neben dem Aspekt der Nachhaltigkeit, ist das Haus zudem auch schnell gebaut. Bis alle Wände stehen, vergehen maximal drei Tage, heißt es, meistens reiche ein Tag. Die Innenausstattung kann dann - je nachdem wie das Haus gebaut ist - bis zu drei Monaten dauern. Das eigentliche Problem aber sei das lange Warten auf die Baugenehmigung und die hohe Auftragslage des Unternehmens, erklärt die Architektin. Die Veranstaltung ist nach der Führung beendet und die Gäste und Verantwortlichen lassen am Buffet den Nachmittag ausklingen.

© SZ vom 10.10.2020

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