Poing Sankt Michael bleibt Sankt Michael

"Sprungschanze Gottes" wird Poings neue Kirche genannt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Obwohl das neue katholische Gotteshaus "Seliger Rupert Mayer" Hauptkirche der Gemeinde wird, behält die Pfarrei ihren alten Namen. Im Erzbistum München-Freising ist das ungewöhnlich

Von Karin Kampwerth, Poing

Poings alteingesessene Katholiken müssen sich nicht umgewöhnen. Obwohl ihre neue Kirche, an der derzeit noch gebaut wird, zur Hauptkirche der Pfarrei wird, behält diese ihren Namen "St. Michael." Das teilte Pfarrer Christoph Klingan den Gläubigen am Wochenende während der Gottesdienste mit. Dass die Pfarrei bei ihrem angestammten Namen bleibt, sei äußerst ungewöhnlich. Dem Pfarrer sei nur eine andere Pfarrei im Erzbistum München-Freising bekannt, die einen anderen Namen trage als ihre Pfarrkirche. Außerdem steht mit dem 15. Oktober inzwischen das Datum fest, an dem die Kirche von Kardinal Reinhard Marx geweiht wird.

Und noch eine gute Nachricht hatte er für die Freunde von St. Michael. Die bestehende Pfarrkirche wird nicht wie befürchtet zur Werktagskirche degradiert, wie von vielen Alt-Poingern befürchtet. Sonntags, so Klingan, wird in St. Michael um 9 Uhr ein Gottesdienst gefeiert und in der neuen Pfarrkirche um 10.30 Uhr. An den Werktagen bleiben die Gottesdienste dienstags, mittwochs und freitags in St. Michael. "Ich habe diese Gottesdienstordnung mit dem Pfarrgemeinderat intensiv beraten", berichtet Pfarrer Klingan. Eine breite Mehrheit habe dem zugestimmt.

Der Pfarrer kündigte darüber hinaus ein weiteres Großereignis für die künftige Pfarrkirche "Seliger Rupert Mayer" an. "Kurzfristig haben wir jetzt erfahren, dass die Weihe der vier neuen Glocken für die neue Pfarrkirche aus Gründen des Baufortschrittes in der letzten Maiwoche erfolgen muss", schreibt Klingan in einer Pressemitteilung. Die Glocken seien bereits nach einer Klangprobe von der Glockengießerei in der Eifel nach Passau geliefert worden. Am 25. Mai werden die Glocken um 10 Uhr während eines Festgottesdienstes im Pfarrheim Rupert Mayer neben der neuen Kirche geweiht. "Die Namen, die Patronate der Glocken und die Inschriften konnte die Pfarrei selber auswählen", erläuterte Karl Rutzmoser, der zweite Vorsitzende des Fördervereins Kirchenzentrum Seliger Rupert Mayer, "dafür wollten wir möglichst viele in der Pfarrei beteiligen." Er hatte eine "Glockenwerkstatt" einberufen, in welcher aus den eingegangen Vorschlägen die Patronate der jetzt zu gießenden Glocken erarbeitet wurden. Während die größte Glocke eben dem Kirchenpatron gewidmet ist, stehen die weiteren für die Heilige Familie, mit Bezug zu den vielen jungen Familien, die im neuen Poing Heimat finden. Die Heilige Edith Stein steht für den modernen Menschen auf der Suche nach Gott und die vierte Glocke ist dem Seligen Adolph Kolping gewidmet, als Ehrung für die örtliche Kolpingsfamilie, welche tatkräftig das Leben in Pfarrei und Gemeinde mitgestaltet. Die Poinger Katholiken erwarten für die Glockenweihe den Domkapitular Thomas Schlichting in Poing.

Klingan hält es durchaus für möglich, dass die Glocken noch am selben Tag im Glockenträger der neuen Kirche aufgehängt wird - in der Fachsprache wird das als "einheben" bezeichnet. Vermutlich könnten sie dann auch ein Mal manuell geläutet werden. Geplant ist allerdings, die Glocken offiziell erst mit der Kirchweihe erklingen zu lassen.

Die Kirche selber ist eines der ganz seltenen Neubauprojekte, entworfen wurde sie vom Münchner Architektenbüro Meck. In der Bevölkerung hat das Gebäude aufgrund seiner Form mit einer doppelten, aber unterschiedlich hohen Dachspitze bereits den Spitznamen "Sprungschanze Gottes" erhalten. 14,6 Millionen Euro soll die Kirche kosten, an deren Fassade 15 000 weiße dreidimensionale Kacheln das Gebäude wie einen Kristall schimmern lassen sollen.