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Pflegeheim-Qualität:Vergleichsweise vage

Die Noten der Häuser

Der Vergleich der Pflegeeinrichtungen im Landkreis bleibt kompliziert. Einen Überblick über die aktuellen MDK-Noten (in Klammern) sowie die Prozentwerte der Weißen Liste mit Hinweisen zu den voll erfüllten/überhaupt geprüften Kriterien finden Sie hier:

Reischlhof Ebersberg: (1,0); 97%; 29 von 30

Pflegestern Grafing: (1,0); 94%; 29 von 31

AWO Seniorenzentrum Kirchseeon: (1,0); 100%; 33 von 33

Abaton Kirchseeon: (1,1); 88%; 23 von 26

Haus Bartholomäus Zorneding: (1,6); 48%; 16 von 33

Seniorenzentrum Anzing: (2,0); 67%; 22 von 33

Marienheim Glonn: (1,1); 73%; 22 von 30

St. Korbinian Baldham: (1,2); 69%; 18 von 26

AWO Seniorenzentrum Markt Schwaben: (1,3); 74%; 25 von 34

Walterhof Markt Schwaben: (1,0); 90%; 28 von 31

Am Burgerfeld Markt Schwaben: (1,4); 63%; 22 von 35

Pflegestern Poing: (1,1); 87%; 27 von 31

GSD Seniorenwohnpark Vaterstetten: (1,0); 100%; 31 von 31

Einige Pflegeheime im Landkreis schneiden auf der "Weißen Liste" schlechter ab als beim gängigen Pflege-TÜV. Sorgen machen sich die Einrichtungen deshalb aber kaum, denn die alternative Bewertungsmethode ist ebenfalls ungenau

Sich selbst einen Eindruck verschaffen, Bekannte fragen, oder sich auf Benotungen verlassen? Wer für sich oder einen Angehörigen das passende Pflegeheim sucht, hat im Landkreis eine große Auswahl: 13 Häuser offerieren eine vollstationäre Pflege. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) bietet als Richtschnur für die Wahl der Einrichtung den sogenannten Pflege-TÜV an: regelmäßig durchgeführte Prüfungen, anhand derer jedes Haus benotet wird.

Als nicht aussagekräftig und viel zu positiv, so bezeichnen allerdings viele Vertreter der Pflegebranche diese Noten. Das Vergleichsportal "Weiße Liste", ein Projekt der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände von Patienten- und Verbraucherorganisationen, wertet die Prüfungsergebnisse des MDK deshalb nun anders aus, mit dem Ziel, einen besseren Überblick zu bieten. Einige Heime im Ebersberger Kreis kommen bei der neuen Darstellung viel schlechter weg - doch auch auf diese Einschätzung ist nicht unbedingt Verlass.

Insgesamt erhalten die Pflegeheime im Landkreis Ebersberg vom MDK Noten zwischen 1,0 und 2,0 - auf einer Skala des bekannten Schulnotensystems. Geprüft werden vor allem die Pflege, der soziale Umgang mit den Bewohnern, die Einrichtung und die Verpflegung. Laut den Noten müsste es im Kreis also ausschließlich sehr gute bis gute Einrichtungen geben. Dass die Noten jedoch nicht allzu viel aussagen, bemängeln sogar Pflegekräfte, Heimleitungen und Ärzte selbst: Mit "nicht sehr ausgewogen" bis hin zu "für die Tonne" bewerten Einrichtungsleiter im Kreis die Benotung.

Das sieht auch die Bertelsmann Stiftung so. Grund sei, dass die Noten die Prüfergebnisse zu ungenau darstellten. Die sogenannte Weiße Liste soll das verbessern, indem sie Prüfungsergebnisse in Prozentwerten angibt; mit 100 Prozent als bestmöglichem Wert.

Für einige Häuser im Landkreis macht dies kaum einen Unterschied: Der Reischlhof in Ebersberg etwa erhielt bei der jüngsten Prüfung durch den MDK eine 1,0. Die Weiße Liste bewertet ihn mit 97 Prozent - in beiden Fällen kommt das Heim also sehr gut weg. Gleiches gilt für den GSD Seniorenwohnpark Vaterstetten, der vom MDK mit einer 1,0 und vom Vergleichsportal sogar mit 100 Prozent bewertet wird.

Anders sieht es hingegen beispielsweise beim Abaton Pflegeheim in Kirchseeon aus: Es erreicht in der Weißen Liste nur 88 Prozent, was der sehr guten Note 1,1 des MDK nicht entspricht. Noch auffälliger ist der Unterschied beim Seniorendomizil Haus Bartholomäus in Zorneding. Zwar lag die Note des Medizinischen Dienstes hier gerade mal bei einer 1,6 - und damit schlechter als der bayerische Durchschnitt von 1,3. Die Weiße Liste bewertet das Haus aber sogar nur mit 48 Prozent - und damit noch schlechter.

Doch was sagen die alternativen Ergebnisse überhaupt aus? Und sind sie repräsentativer als die bisherigen Noten? Basis der Auswertung sind schließlich die gleichen Daten, die der MDK bei seinen Besuchen der Heime sammelt. 82 Kriterien gibt es insgesamt; beispielsweise: "Ist der Umgang mit Medikamenten sachgerecht?" oder "Sind gesicherte Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien vorhanden?" Die Weiße Liste wertet nun aus, wie viele Kriterien das Heim voll und ganz erfüllt. Erreicht ein Haus also einen hohen Prozentpunkt, sollte die Versorgung der Bewohner auch besser sein als in einem Pflegeheim mit weniger Prozentpunkten.

Damit scheint das Haus Bartholomäus also viel schlechter abzuschneiden als das Abaton. Dabei lässt die Weiße Liste aber zwei wichtige Faktoren einfach unter den Tisch fallen: Wie viele der 82 Kriterien wurden überhaupt geprüft? Und wie viele Bewohner haben die Prüfer des MDK eigentlich begutachtet? Damit ermöglicht die Weiße Liste letztlich auch keine bessere Vergleichbarkeit der Einrichtungen als die Pflegenoten des MDK.

"Das ist statistisch einfach falsch ausgewertet", bemängelt Stefan Schmidt, Einrichtungsleiter im Haus Bartholomäus. Das Problem liege weiterhin an den Daten, die erhoben werden. Denn die Prüfung durch den MDK beziehe zu stark die Dokumentation mit ein; individuelle Faktoren der Pflege - also der Umgang mit den Bewohnern - kämen weiterhin zu kurz. In der Zornedinger Einrichtung wurde vor einigen Monaten eine Vereinfachung der Dokumentation eingeführt, die dem Pflegepersonal mehr Zeit mit den Bewohnern ermöglichen soll. Beim jüngsten MDK-Besuch im März seien die Prüfer darauf allerdings gar nicht eingegangen, obwohl man das dem Einrichtungsleiter versprochen hatte. "Die Bewohner und die Aussagen der Pflegekräfte haben noch immer wenig bis kein Gewicht", so das Fazit des Einrichtungsleiters.

Auch in anderen Pflegeheimen im Landkreis herrscht Ernüchterung in Bezug auf die Aussagekraft der MDK-Prüfungen. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass kaum eine Einrichtung sich bisher mit der alternativen Bewertung durch die Weiße Liste auseinandergesetzt hat.

Im Abaton in Kirchseeon kennt man sie bislang gar nicht; ohnehin geht man davon aus, dass die MDK-Noten bald zur Vergangenheit zählen werden. Im St. Korbinian-Heim in Baldham hat Pflegedienstleiter Andreas Semmler zwar etwas über die Weiße Liste gelesen; das Ergebnis für sein Haus hat er sich allerdings noch nicht einmal angeschaut. Auch die MDK-Bewertung an sich habe für ihn keinen besonders hohen Stellenwert, sondern eher einen beratenden Charakter.

Eine echte Verbesserung und damit eine tatsächliche Vergleichbarkeit der Pflegeeinrichtungen könnte nur eine grundlegende Reform der Bewertungsmethode ergeben. Diese soll kommen - das hat der Bundestag vor einiger Zeit beschlossen: In etwa drei bis vier Jahren soll es soweit sein. Bis dahin bleibt den Landkreisbürgern also weiterhin nur, die detaillierten Auswertungen des MDK selbst zu prüfen und abzuwägen. Laut Empfehlungen der Einrichtungsleiter sollte man sich überlegen, auf welche Punkte man für sich oder die Angehörigen besonders Wert legt: Ist eine spezielle Pflege bei Demenz gewünscht, oder soll die Verpflegung individuell angepasst werden können? Ist ein breites soziales Angebot wichtig oder muss vor allem der Außenbereich des Heims schön angelegt sein?

Vor allem aber - und immerhin da sind sich Weiße Liste, MDK und Einrichtungsleiter einig - sollte man sich auf der Suche nach einem geeigneten Heim selbst einen Eindruck verschaffen: die Häuser einfach einmal anschauen, mit Mitarbeitern sprechen und sich im Bekanntenkreis nach Erfahrungen umhören.