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Mitten in der Region:Eitel Sonnenschein

Als Therapeutikum gegen Herbst- und Corona-Blues hilft jede Form von Licht - ob künstliches im Solarium oder natürliches an der frischen Luft

Glosse von Martin Mühlfenzl

Der Herbstblues grassiert; und bei vielen setzt er schon vor Sonnenuntergang ein, der gefühlt irgendwann um die Mittagszeit beginnt. Manch einer weiß dabei nicht, ob er nur leichte Melancholie verspürt oder sich schon in einer handfesten Depression befindet. Aber es gibt Mittel, den Blues zu bekämpfen, manche finden sich ohne großen Rechercheaufwand im Internet. Das auf jugendlich getrimmte NDR-Radioprogramm "N-Joy" empfiehlt: "Gönnt euch eine Lichttherapie." Klar, logisch beim Blick nach draußen in die Finsternis. "Kuschelt euch glücklich." Okay, nett, aber bitte nur mit Personen aus einem Hausstand. "Verabredet euch." Oh, nicht ratsam, Kontakte sollen reduziert werden.

Dieses verfluchte Virus hat unseren Alltag so fest im Griff, dass es manchmal schon wehtut. Da hilft der jugendlichste Glücksgefühle-Ratgeber nicht mehr. Was man alles nicht mehr darf, wird in der Siebten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung geregelt; ein Begriff, der es nie in das N-Joy-Programm schaffen würde. Dort steht andererseits aber auch drin, was ausnahmsweise erlaubt bleibt. Ein künstliches Sonnenbad etwa, alleine in einer abgesperrten Kabine und unter einem mannshohen Deckel. Kein Spaß für Klaustrophobe, aber für Freunde einer gesunden Körperbräune. Denn anders als etwa Nagelstudios dürfen Sonnenstudios im Teil-Lockdown weiter öffnen.

Vielleicht ist das die Wiederbelebung eines Trends, der in den Neunzigerjahren seinen Anfang nahm. Die Solarium-Renaissance. Und für all jene, die mit dieser Methode nichts anfangen können: So schlimm ist der Herbst auch nicht. Also einfach mal raus, frische Luft schnappen, durchatmen, Sonne tanken. Die geht zur Zeit nämlich erst kurz vor 17 Uhr unter.

© SZ vom 16.11.2020
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