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Lehrküche in der Grafinger Mittelschule:Schädlinge im sensiblen Bereich

Mäuse-Alarm in der Grafinger Mittelschule.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Mäuse in der Küche: Weil die Tiere an der Grafinger Mittelschule entdeckt worden sind, fällt nun der Unterricht aus - die Lehrküche muss saniert werden. Doch der Stadtrat erfährt davon erst spät.

An geregelten Unterricht ist in der Lehrküche der Grafinger Mittelschule seit Monaten nicht mehr zu denken: Eine Mäusekolonie ist in den Zwischenboden der Lehrküche eingezogen. Die Ironie der Geschichte ist, dass ausgerechnet in diesen Räumlichkeiten Schülern der hygienische Umgang mit Lebensmitteln beigebracht wird. Im zufälligerweise am Dienstag tagenden Haushaltsausschuss stellte der Stadtrat nun eilig 125 000 Euro für die Sanierung zur Verfügung.

Die Küche liegt im Souterrain, die Fenster zeigen ebenerdig hinaus in den Garten. "Beim Lüften kann da durchaus mal eine Maus durchhuschen", beschreibt Schulleiterin Susanne Böhm die Situation. Offenbar ist das in der Lehrküche gleich mehrmals geschehen. Von 12 bis 30 Mäusen ist die Rede. Ende November hätten Schüler und Lehrer die ersten Mäusespuren festgestellt, berichtete die Rektorin. Kleine Hinterlassenschaften auf dem Boden, Knabberspuren an einigen Lebensmitteln.

Was die gesundheitlichen Risiken angeht, gibt Gesundheitsamtsleiter Hermann Büchner zwar Entwarnung. "Es ist nicht so, dass man sofort krank wird, nur weil man in die Küche geht", erklärte er. "In erster Linie sind Mäuse und das, was sie liegen lassen, einfach nur ekelerregend." Gleichwohl: "Beides ist in einer Schulküche ein Missstand, der behoben gehört." Rektorin Böhm blieb also Ende November nichts anderes übrig, als die Küche zuzusperren. Dann schaltete sie die Stadt ein. Die wiederum schickte einen Kammerjäger und informierte das Gesundheitsamt. "Frühzeitig und ausführlich", wie Büchner vom Gesundheitsamt betonte.

Den Stadtrat informierte Bürgermeister Rudolf Heiler (Freie Wähler) dagegen nicht. Nur durch Zufall bekam das Gremium vor etwa zwei Wochen Wind von der Sache - weil sich Zweite Bürgermeisterin Susanne Linhart und Susanne Böhm zufällig auf dem Supermarktparkplatz über den Weg liefen.

So musste sich Heiler am Dienstag die inzwischen schon fast zur Regelmäßigkeit gewordene Schelte zur bürgermeisterlichen Informationspolitik anhören. "Wir sind wieder einmal in keinster Weise in diese Vorgänge eingebunden worden", beklagte sich Susanne Linhart im Namen des Stadtrats. "Es ist alarmierend, wie es da zugeht und ich frage mich, warum man erst reagiert, wenn's brennt", schimpfte CSU-Ortsvorsitzender Sepp Carpus. Heiler wusste mit den Kommentaren wenig anzufangen. "Ich verstehe nicht, was da jetzt wieder aufgezogen wird", entgegnete er.

Rektorin Böhm ist vom langsam in die Gänge kommenden Grafinger Kommunalwahlkampf unbeeindruckt. "Mir geht es einfach darum, dass ich die Küche bald wieder aufsperren kann." Etwa 80 Schüler von der siebten bis zur neunten Klasse unterrichten die Lehrkräfte in der Küche. "Bei den Neuntklässlern würde jetzt eigentlich die Prüfungsvorbereitung anstehen."

Mit einer Art Pendelbus fahren Lehrer und Kinder seit nun fast drei Monaten zwischen Mittelschule und der Oberndorfer Schulküche hin und her. "Die ist zwar seit 20 Jahren nicht benutzt worden, aber wir sind sehr dankbar, dass wir dorthin ausweichen können", sagt die Rektorin. "Alle anderen Schulen brauchen ihre Lehrküche ja selbst, da kann man nicht mitten im Jahr einfach so den Stundenplan umstellen."

Abgesehen vom logistischen und finanziellen Aufwand - mehr als 800 Euro kosten die Busse die Stadt Grafing monatlich - geht die Schließung vor allem zu Lasten der Schüler. "Die haben in der Küche normalerweise eineinhalb Stunden Unterricht", erklärt die Rektorin. "Das ist mit der Fahrerei jetzt nur noch eine Stunde und manchmal müssen die sogar auf ihrer Pause verzichten."

Zumindest theoretisch könnte es damit bald vorbei sein. CSU und Bündnis für Grafing (BfG) reichten kurz vor der Sitzung am Dienstag nahezu gleichlautende Anträge ein. Ziel war eine sofortige Sanierung des ohnehin überholungsbedürftigen Lehrküchenbodens. Weil das Mäuseproblem damit wohl gelöst sein dürfte, ließ Heiler für das Vorhaben umgehend 125 000 Euro in den Haushalt einstellen. "Wir werden zusehen, dass da jetzt was passiert", versprach er. Klar, dass vor allem CSU und BfG dies wohlwollend zur Kenntnis nahmen. Eine Prognose, bis wann die Arbeiten fertig sind, gibt es allerdings noch nicht.