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Kreisklinik:Nach den Bauarbeiten ist vor den Bauarbeiten

Im Jahr 2019 ist die Generalsanierung der Kreisklinik Ebersberg abgeschlossen. Das heißt aber nicht, dass sich dann rund um das Krankenhausgelände nichts mehr tut - im Gegenteil. Klinik-Chef Stefan Huber hat viele Pläne

Stillstand wird es rund um die Kreisklinik auch in den nächsten Jahren nicht geben, Geschäftsführer Stefan Huber hat viele Pläne, wie das Krankenhaus in einem ständig schwieriger werdenden Markt wettbewerbsfähig gehalten werden kann. Auch Rückschläge lassen sich dabei manchmal nicht vermeiden, wie sich in diesem Jahr gezeigt hat.

SZ: Eines der Projekte, auf die man in der Kreisklinik sehr stolz war, war die neue Aufnahmestation für nächtliche Notfallpatienten. Diese hatte 2017 aber geschlossen - was war der Grund?

Stefan Huber: Ja, das war der Fall - leider, muss man sagen, weil es ja ein tolles Projekt ist. Aber wir konnten bisher das Personal nicht zur Verfügung stellen. Wir können aktuell 17 Stellen im Bereich der Pflege nicht besetzen. Der Markt ist momentan in Aufruhr, der Mangel an Pflegekräften betrifft inzwischen die gesamte Europäische Union. Über neue Modelle und Wege versuchen wir, Mitarbeiter aus dem Ausland zu akquirieren. Das gelingt uns jetzt auch, Gott sei Dank, wir bekommen aus Serbien und aus Albanien Krankenpflegekräfte. Wir gehen auch eine Kooperation mit einer philippinischen Schule ein. Das ist spannend, auf den Philippinen wird für den europäischen Markt zusätzlich zum eigenen Bedarf ausgebildet, die Teilnehmer lernen sogar schon Deutsch.

War die Schließung der Aufnahmestation die einzige Maßnahme, die aufgrund des Personalmangels nötig geworden ist?

Nein, wir konnten leider auch noch nicht die Kurzliegerstation wieder aktivieren, die seit Ende 2016 nicht mehr läuft und die eigentlich im November wieder ihren Betrieb aufnehmen sollte. Leider sind dann aber drei Mitarbeiter gegangen, damit war es wieder nicht möglich, die Station zu betreiben. So wie es jetzt aussieht, wird uns das jetzt im März, spätestens April wieder gelingen. Die Aufnahmestation werden wir voraussichtlich Mitte des Jahres wieder öffnen können.

Ist der Personalmangel nur im Pflegebereich so schlimm?

Da ist er jedenfalls so, dass er uns im Betrieb eingeschränkt. In allen anderen Bereichen, gerade im medizinischen Dienst, gibt es noch genügend Bewerber. Das liegt aber mit Sicherheit an der attraktiven Lage von Ebersberg, nahe an München und nahe an den Bergen. Wenn wir ausschreiben, bekommen wir natürlich weltweit Bewerbungen, aber auch - was nicht ganz gewöhnlich ist - viele aus Deutschland. Wobei es selbst bei uns schwieriger wird, ich nenne mal ein Beispiel: Ich hatte einen Oberarztbewerber für die Abteilung Radiologie aus Essen, er ist verheiratet und hat zwei Kinder und ein Einfamilienhaus in Essen, das ihm gehört. Wir waren eigentlich so weit einig, dass er bei uns anfängt, bis er sich informiert hat, wie die Immobilienpreise bei uns in Ebersberg so sind. Er hat festgestellt, dass er für sein Einfamilienhaus in Essen hier gerade einmal eine Doppelgarage finanzieren kann. Weil er nicht auf seinen bisherigen Lebensstandard verzichten wollte, kam er dann auch nicht.

Und das, obwohl Oberärzte nicht ganz schlecht verdienen...

Sie verdienen wirklich gut! Oberärzte verdienen in aller Regel im sechsstelligen Bereich. Das zeigt auch gleich ein akutes Problem: Wir können aktuell gute, qualifizierte Mitarbeiter nur dann gewinnen, wenn wir auch bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen können.

Immerhin geht es ja mit Ihrem neuen Schwesternwohngebäude voran, oder?

Ja, das geht voran. Die Stadt Ebersberg führt gerade einen Wettbewerb durch für ein Bauleitplanverfahren für das gesamte Areal rundherum. Dabei soll festgelegt werden, was städtebaulich sinnvoll ist und reinpasst. Momentan sind wohl zirka 100 Wohneinheiten geplant, uns wären natürlich mehr lieber, aber das muss das Planverfahren zeigen, was tatsächlich städtebaulich hier verträglich ist. Realisieren möchte das Projekt der Landkreis vermutlich mit seinem Kommunalunternehmen. Realistisch betrachtet ist ein Baubeginn 2020 denkbar. Und dann wird sicherlich in Bauabschnitten gearbeitet werden müssen, es wird also nicht alles auf einmal gebaut. Wenn es supergut funktioniert und alle an einem Strang ziehen, kann ich mir vorstellen, dass wir 2021 oder 2022 die ersten Wohnungen haben. Dass es noch so lange dauert, ist für uns natürlich schon ein Problem. Wir sind aktuell dazu übergegangen, Wohnungen in Ebersberg und Umgebung für Mitarbeiter anzumieten. Das Modell sieht so aus, dass wir als Kreisklinik anmieten und wir dann die Wohnungen an Mitarbeiter untervermieten.

Und das klappt tatsächlich?

Ja, wir haben bisher drei Wohnungen angemietet, die werden jetzt Stück für Stück weitervermietet. Ich finde es toll, dass es viele Eigentümer gibt, die dieses Modell interessant finden. Für die Vermieter bietet die Tatsache, dass die Klinik der Mieter ist, Verlässlichkeit und Kontinuität. Unser technischer Dienst kümmert sich sogar um kleine Reparaturen, die Vermieter werden also nicht wegen einem tropfenden Wasserhahn angerufen.

Seit 30 Jahren wird die Kreisklinik saniert. Derzeit ist mit der Entkernung des Bettenhauses der neunte und letzte Bauabschnitt an der Reihe. Anfang 2019 sollen hier wieder die ersten Patientenbetten bezogen werden.

(Foto: Christian Endt)

Momentan wird ja - wie schon seit vielen Jahren - an der Klinik gebaut. Ist es vielleicht auch deshalb schwierig, Mitarbeiter zu finden, weil der Baulärm nervt?

Nein, das kann ich überhaupt nicht bestätigen. Es ist sogar so, dass der neunte Bauabschnitt eigentlich sehr ruhig ist. Wir bauen zwar im Herzen der Klinik, aber außer der Küche sind alle anderen Bereiche aus dem betroffenen Gebäude ausgelagert. Obwohl es sich um eine große Baustelle handelt, ist die Beeinträchtigung sehr gering. Es ist eher so, dass viele überrascht sind, dass man gar nichts mitbekommt von der Baustelle, außer optisch natürlich.

Es ist aber die Rede davon, dass der Krankenstand bei Ihren Mitarbeitern auch aus diesem Grund sehr hoch ist.

Ganz und gar nicht. Wir haben erst letzte Woche wieder von der AOK, bei der die meisten Beschäftigten versichert sind, die Jahreszahlen erhalten. Der Krankenstand bei uns ist weit unterdurchschnittlich für ein Krankenhaus. Es mag aber sein, dass der Krankenstand gefühlt hoch ist, vor allem, weil die Krankheitsfälle genau dort auftreten, wo man sie nicht gebrauchen kann.

Wie sieht es denn finanziell aus? Sie haben bereits im vergangenen Jahr prognostiziert, dass es sehr schwierig wird, in diesem Jahr wieder ein positives Ergebnis zu erzielen.

Wir werden es tatsächlich nicht schaffen, wie 2016 ein positives Ergebnis auszuweisen. Das liegt an mehreren Gründen. Zum einen gibt es einen neuen Tarifvertrag für die Pflege, eine seit Jahrzehnten überfällige Reform, die aber auch dazu geführt hat, dass die Personalkosten überdurchschnittlich gestiegen sind. Zum anderen gibt es - mein Lieblingswort - den sogenannten Fixkostendegressionsabschlag und den Mehrerlösausgleich, der uns in unserem Wachstum hindert. Die erhöhten Kosten, die bei uns durch die Tarifsteigerungen entstehen, könnten theoretisch durch mehr Leistungen abgefangen werden. Aber für diese Mehrleistungen werden uns eben erhebliche Beträge abgezogen, weil der Gesetzgeber davon ausgeht, dass man ja die Fixkosten sowieso schon gedeckt hat. Das ist ein Irrglaube. Natürlich hat man einen gewissen Anteil gedeckt, aber wenn ich mehr Leistungen anbiete, muss ich auch mehr qualifiziertes Personal zur Verfügung stellen und brauche auch mehr Material. Es handelt sich hier um sogenannte sprungfixe Kosten. Das ist ungefähr so als ob ein Bäcker seine Brezen normalerweise für einen Euro verkauft, und ab der 1000. Breze kriegt er nur noch 35 Cent dafür. Das wird nicht funktionieren. Weil hier die Schere insbesondere 2017 also sehr weit auseinandergeht, war von vornherein zu erwarten, dass wir in diesem Jahr kein positives Ergebnis erreichen werden.

Geht es in etwa so wie 2015 aus? Damals betrug das Minus 2,1 Millionen.

So in etwa ist es zu erwarten, aber das kann man aktuell noch nicht wirklich seriös sagen. Wir haben beispielsweise die Budgetverhandlungen für 2017 noch nicht geführt. Insofern wäre es unseriös, jetzt Zahlen zu nennen.

Im Kreistag wurde kürzlich die Verlegung der Notaufnahme angesprochen - wie geht dieses Projekt voran und was bringt es überhaupt?

Wenn man von einem Baubeginn Ende 2019, Anfang 2020 ausgeht, muss schon alles sehr gut laufen. Das ist sicherlich auch eine Baumaßnahme, die zwei Jahre Bauzeit erfordert. Die Verlegung hat viele Vorteile. Zum ersten ist die aktuelle Notaufnahme verkehrlich sehr ungünstig angegliedert. Wir haben die Anbindung über die Pfarrer-Guggetzer-Straße in einem Ortsbereich, der eher verkehrsberuhigt ist. Wir haben sehr wenig Platz für die Anlieferung von Patienten über Rettungswagen, aber auch privat. Für die Anzahl der Patienten, die wir mittlerweile haben, haben wir auch viel zu wenig Platz, seien es nun Behandlungsräume oder der Wartebereich. Die neue zentrale Notaufnahme, die dort entstehen soll, wo derzeit noch die Gebäude des historischen Krankenhauses sind, wird über die Münchner Straße angebunden. Es gibt also keinen Verkehr mehr über das Wohngebiet, das Ganze wird stark entzerrt. Wie bei einem Hotel wird es eine großzügige Vorfahrt geben mit Parkplätzen. Ein großer Vorteil ist auch die direkte Anbindung an die Radiologie sowie die Nähe zur Kardiologie und zum Herzkatheterlabor, kurze Wege also für Untersuchungen aus der Notaufnahme heraus.

In Ihrem Geschäftsbericht ist die Rede von neuen strategischen Allianzen, kann man dazu schon etwas sagen?

Ja, wir streben aktuell eine enge Zusammenarbeit mit den Romed-Kliniken an, mit dem wir schon sehr erfolgreich die Strahlentherapie in Ebersberg etabliert haben. Wir werden das im Bereich der Nuklearmedizin auch weiter ausbauen, das ist ein sehr spezieller Bereich innerhalb der Radiologie. Bis vor etwa einem Dreivierteljahr gab es die Möglichkeit, im Reischlhof in der Praxis nuklearmedizinisch ambulante Leistungen zu erhalten, die haben aber ihre Leistungen eingestellt. Wer aktuell eine nuklearmedizinische Behandlung braucht, zum Beispiel eine Schilddrüsenszintigrafie, dann muss er aktuell nach München-Trudering fahren oder nach Waldkraiburg. Da ist ein großer weißer Fleck auf der Landkarte. Als Kreisklinik Ebersberg sind wir nun allerdings nicht in der Lage, alleine eine nuklearmedizinische Abteilung zu führen aufgrund der für uns zu geringen Fallzahl bei den gleichzeitig zu hohen Investitionskosten. Deswegen wollen wir eine strategische Allianz mit dem Klinikum Rosenheim eingehen. Idealerweise sollen die Rosenheimer Kollegen schon von der Jahresmitte 2018 an bei uns zwei Tage in der Woche eine Praxis betreiben.

Kreisklinik GF Stefan Huber

Stefan Huber ist Chef der Kreisklinik.

(Foto: Christian Endt)

Wie geht es mit der Psychosomatik an der Kreisklinik weiter? Die Schließung der Station ist in den vergangenen Monaten massiv kritisiert worden.

Momentan höre ich keine Kritik mehr, statt dessen sehr viele positive Stimmen von außen, die die neue Struktur sehr gut finden und sich darauf freuen, wenn tatsächlich das Leistungsangebot wie geplant ausgebaut wird. Dadurch werden wir viel mehr Patienten versorgen können als es bisher der Fall war. Bisher war die Aufnahmestruktur sehr begrenzt auf ein sehr spezielles Krankheitsbild, künftig können weitere Bereiche mit abgedeckt werden. Ich freue mich, dass die Zusammenarbeit mit den Kliniken des Bezirks Oberbayern so hervorragend funktioniert, dass wir jetzt geplant haben, die Tagesklinik bereits im Sommer 2018 an das Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg zu übertragen, um dann weitere Angebote im Bereich Psychosomatik/Psychiatrie vorhalten zu können. Insbesondere würden wir gerne eine psychiatrische Institutsambulanz in Ebersberg etablieren. Dann können Patienten mit akuten psychiatrischen Erkrankungen sofort ambulant behandelt werden.

Mittelfristig soll die Psychosomatik ja im neuen Von-Scala-Haus untergebracht werden, wie sieht es hier aus?

Die Pläne werden sehr konkret, wir beantragen jetzt für die Berufsfachschule und die Psychosomatik den Neubau. Das wird 2018 eingereicht und hoffentlich auch genehmigt, so dass wir schon 2019 mit dem Bau beginnen könnten. Insgesamt sind es dreieinhalb Stockwerke für die Psychosomatik/Psychiatrie, die Berufsfachschule, eine Etage für Arztpraxen, Apotheken und ähnliches. Im obersten Stockwerk sind administrative Bereiche der Klinik möglich.

Grundsätzlich nähert sich die lange Sanierungsphase an der Kreisklinik ihrem Ende - wie geht es denn mit dem letzten Bauabschnitt voran?

Der neunte Bauabschnitt ist voll im Plan und wird Anfang 2019 beendet sein. Die Grundsanierung der Klinik, die vor 30 Jahren begonnen wurde, ist dann abgeschlossen. Das ist natürlich bemerkenswert - wie auch die Tatsache, dass wir im nächsten Jahr unser 140-jähriges Bestehen feiern. Da sind wir gerade dabei, das Programm aufzustellen, da werden wir sicher einige Veranstaltungen durchführen.

Was passiert dann mit dem Pfarrer-Guggetzer-Haus, wird das dann abgerissen oder abgebaut? Es sollte ja eigentlich nur ein Interimsgebäude sein.

Da hat natürlich die Stadt Ebersberg das Recht zu sagen, was sie sich bezüglich dieses Gebäudes vorstellt. Von Seiten der Klinik gäbe es da schon konkrete Vorstellungen, wir werden das Gebäude natürlich erst einmal noch brauchen, weil der Umzug nicht von heute auf morgen stattfinden kann.

Also vielleicht bleibt das Pfarrer-Guggetzer-Haus auch einfach stehen?

Das kommt darauf an, was die Stadt Ebersberg und der Träger dazu sagen. Ich musste der Stadt Ebersberg ja damals versprechen, dass wir es nach der Nutzung wieder abbauen. Ich höre inzwischen von sehr vielen Bürgern, dass sie das Gebäude eigentlich als positive Erweiterung der Klinik sehen und es sie in keinster Weise stört. Es gab ja damals die Diskussion um einen Containerbau, da dachte jeder, da kommt so eine Art Baucontainer hin. Dabei sieht das aus wie ein ganz normaler Baukörper, der, wie ich finde, die Klinik erst so richtig erwachsen macht. Wenn Sie mich jetzt fragen, was ich machen würde, wenn das Gebäude stehen bleiben könnte, dann wäre eine der Optionen insbesondere, Isolationszimmer als Einzelzimmer für die angegliederten Stationen zu betreiben. Patienten, die eine infektiöse Krankheit haben und isoliert werden müssen, könnten wir dort optimal zum Eigen- und Fremdschutz einzeln versorgen. Damit könnten wir den anderen Bereich wieder entzerren, es hätte also vom Gesamtablauf große Vorteile. Aber, wie gesagt, ich fühle mich an mein Wort gebunden, dass wir das Gebäude wieder abbauen, solange es keine andere Entscheidung der Stadt Ebersberg und des Trägers gibt.