Kreisjugendring Ebersberg:Weil es nur ums Gewinnen geht

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Das Landratsamt will die finanziellen Zuschüsse zu Turnierfahrten streichen. Der Grund: Der "erzieherische Ansatz" fehle.

Martin Mühlfenzl

An diesem Donnerstag wird sich der Jugendhilfeausschuss des Kreistags mit einem Thema beschäftigen, das bereits auf der Vollversammlung des Kreisjugendrings Ebersberg (KJR) für Brisanz gesorgt hat: die finanzielle Förderung von so genannten Turnierfahrten mit Übernachtung.

Kreisjugendring Ebersberg: Sprach sich für die weitere Unterstützung bei Turnierfahrten aus: KJR-Vorsitzender Chris Singer.

Sprach sich für die weitere Unterstützung bei Turnierfahrten aus: KJR-Vorsitzender Chris Singer.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Bisher unterstützt der KJR Trainingslager und Reisen von Sportlern zu Turnieren durch Mittel aus dem Haushaltsbereich "Aktivitäten". Auf der Vollversammlung entschieden die Delegierten, die Unterstützung künftig im Bereich "Veranstaltungen mit Übernachtung" zu verbuchen. "Weil sie dort hinein gehört und der bürokratischen Aufwand dadurch für die Antragsteller deutlich geringer wird", erläuterte KJR-Geschäftsführerin Monika Lix.

Doch die Delegierten der Vollversammlung mussten sich darüber hinaus mit einem Vorschlag des Jugendamtes Ebersberg befassen, wonach die bisherige Förderung in Höhe von maximal 250 Euro beendet werden soll: Jugendamtsmitarbeiterin Katja Hohenadel empfahl den Mitgliedern, sich für die generelle Abschaffung der Fördermittel auszusprechen. "Weil Turnierfahrten keinen pädagogischen Hintergrund haben", erläuterte Hohenadel. "Es fehlt der erzieherische Ansatz." Mittel des Kreises in der Jugendarbeit seien zweckgebunden zur Ausbildung und Bildung von Kindern und Jugendlichen einzusetzen. Bei Turnieren aber gehe es nur ums Gewinnen.

Dieser Ansatz des Jugendamtes löste unter den Delegierten heftige Debatten aus. Protest kam vor allem von der Kreisvorsitzenden des Bayerischen Landessportverbandes, Ingrid Golanski, und der Referentin für Schulsport, Gerti Reischl. Diese setzte sich vehement für die Beibehaltung der Förderung ein und betonte den pädagogischen Charakter der Nachwuchsarbeit in Sportvereinen: "Der Sport leistet einen wichtigen Beitrag. Hier erlernen Kinder und Jugendliche soziale Kompetenzen und klare Regeln im alltäglichen Umgang."

Turnierfahrten würden helfen, Kinder zur Selbstständigkeit zu erziehen und Gemeinschaften zu stärken. "Da geht es doch nicht nur ums Gewinnen", empörte sich Reischl. Für die weitere Unterstützung bei Turnieren sprach sich auch der neue KJR-Vorsitzende Chris Singer aus: "Da darf kein Unterschied gemacht werden, ob es um Sport, Musik oder Pfadfinder geht. Alle leisten wichtige Arbeit, die unterstützt gehört."

Diesem Plädoyer folgten die Delegierten und sprachen sich für die weitere Förderung aus. Über diese Empfehlung berät am kommenden Donnerstag der Jugendhilfeausschuss des Kreistags.

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