bedeckt München

Kommentar:Im Gespräch bleiben

Nicht alle Anwohner dürften nach der Veranstaltung zum Baugebiet Friedenseiche VIII zufrieden gewesen sein. Dennoch war der Abend ein Erfolg

Von Wieland Bögel

Zugegeben: Die Begeisterung über das Ergebnis dürfte sich bei so manchen in Grenzen gehalten haben nach der Video-Konferenz zum Baugebiet Friedenseiche VIII. Schließlich bleibt dieses bis auf weiteres genau so in der Planung, wie es von vielen der künftigen Nachbarn kritisiert wird. Dennoch ist Enttäuschung fehl am Platz, denn die Online-Veranstaltung war ein Erfolg, und das in mehrfacher Hinsicht.

Zum einen natürlich schon deshalb, weil sie stattgefunden hat, das ist in Zeiten von Corona schließlich nicht selbstverständlich. Wer sich erinnert: Eigentlich hätte am Tag des Online-Meetings die Ebersberger Bürgerversammlung abgehalten werden sollen. Dass es einerseits der Stadt gelungen ist, zusammen mit dem Alten Kino die Veranstaltung technisch zu organisieren und dass andererseits knapp 100 Leute teilgenommen haben, ist daher wirklich ein Erfolg. Ein solcher ist auch, dass die Konferenz, trotz merkbar unterschiedlicher Ansichten, inhaltlich fundiert und sachlich abgelaufen ist. Bei so einem kontroversen Thema und in einem so ungewohnten Format hätte es auch ganz anders ausgehen können. Nicht zuletzt kann man auf der Habenseite verbuchen, dass die Kritikpunkte in einem öffentlichen Rahmen ausformuliert worden sind, anstatt lediglich auf seitenlangen Stellungnahmen im Bauleitverfahren.

Was nun folgt, sind die berühmten Mühen der Ebene - hier die Niederungen des Baurechts. Stellungnahmen werden abgewogen, eventuell die Pläne geändert und neu ausgelegt, neue Stellungnahmen eingeholt und so weiter. Ob sich Einwände der Nachbarn - und welche - auf die Planung auswirken, ist völlig offen, genau wie der Zeitpunkt, an dem der Bebauungsplan gültig wird. Gut möglich, dass dies erst in einem Jahr der Fall ist. Bis dahin sollten Stadt und Anwohner weiter im Gespräch bleiben - auch wenn dies nicht immer Begeisterung auslöst.

© SZ vom 27.11.2020
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