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Kommentar:Danke Markus

Auf einmal können es für den bayerischen Ministerpräsidenten gar nicht genug Windräder im Wald sein. Mit seiner Wende erweist er aber den Aktiven vor Ort einen Bärendienst

Von Wieland Bögel

Vorne etwas aufbauen, um es dann mit dem Hintern gleich wieder einzureißen, selten hat diese zugegeben etwas ordinäre Redensart so gut gepasst wie auf die jüngsten Entwicklungen zum Thema Windkraft - auch wenn Hände und Hintern zu verschiedenen Personen gehören. Erstere zu jenen, die im Landkreis seit Jahren für einen Ausbau der Windkraft werben, speziell am Standort im Ebersberger Forst. Letzterer zu Markus Söder, der soeben einfach mal verkündet hat: Es darf auch ein bisschen mehr sein. Windräder im Wald nämlich, davon kann es gar nicht genug geben. Dumm nur, dass man hier im Landkreis gerade einen Bürgerentscheid auch damit gewonnen hat, weil es hieß: Fünf Windräder sind genug. Ja, wie denn nun?

Fakt ist zum einen, dass es aller Voraussicht nach bei den fünf Windrädern im Ebersberger Forst bleiben dürfte - wenn die überhaupt jemals gebaut werden, das Verfahren ist noch ganz am Anfang. Entsprechende Verträge sind unterzeichnet und nicht einmal das Wort eines Ministerpräsidenten, auch nicht des bayerischen, macht diese unwirksam. Zum anderen ist es aber auch ein Fakt, dass die Forderung der im Wahlkampf um Umweltthemen bemühten CSU nach Windrädern in den Wäldern genau jene zu bestätigen scheint, welche schon seit Jahren aus den unterschiedlichsten Motiven gegen die Rotoren im Ebersberger Forst zu Felde ziehen. Denn - egal ob man sich nun um Bäume, Vögel, Haselmäuse oder Immobilienpreise sorgte - auf das Argument: "Das ist erst der Anfang!" konnten sich alle einigen, die gegen den Standort im Forst waren.

Und jetzt? Gibt ihnen der Ministerpräsident in München quasi recht. Dass die Forderung nach Windrädern in den Wälder lediglich ein Feigenblatt für eine insgesamt schwachbrüstige Klimapolitik ist? Geschenkt. Was bleibt, ist der Eindruck: Denen mit den Windrädern im Speziellen und vielleicht auch mit dieser Energiewende im Allgemeinen ist nicht zu trauen. Windradgegner und Klimawandelleugner nicht nur im Landkreis können sich freuen und mit den Befürwortern der Energiewende die gleichen zwei Worte - die einen erfreut, die anderen wütend - sagen: "Danke Markus".

© SZ vom 23.07.2021
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