Hohenlinden:Heimatlose Pfadfinder

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Im Hohenlindener Pfarrheim dürfen sich die Jugendlichen nicht mehr treffen, nun gibt es ein Ausweichquartier

Von Philipp Schmitt, Hohenlinden

Die Pfadfinder hat die Corona-Pandemie stark getroffen: Sie stehen in Hohenlinden derzeit auf der Straße, haben keinen Platz mehr, wo sie sich treffen können - denn ins neue Pfarrheim dürfen sie wegen der Pandemie derzeit nicht mehr, solange dort das Hygienekonzept nicht umgesetzt werden kann: "Wir wissen nicht, wie wir den Winter überstehen sollen", sagte dazu Sebastian Lausch von den Pfadfindern vom Stamm "Impeesa" während der jüngsten Gemeinderatsitzung in der Grundschule. Immerhin: Eine Übergangslösung für die Wintermonate ist nun gefunden.

Diskussionen über die Räumlichkeiten sind nicht neu. Denn im Neubau des Pfarrheims gibt es zwar einen Jugendraum, aber keinen festen Raum für die Pfadfinder wie im abgerissenen alten Pfarrheim. Doch nun habe sich die Lage durch die Pandemie zugespitzt: "Wir brauchen eine Lösung", lautete der Appell der Pfadfinder an den Gemeinderat.

Die Grünen und die CSU, vertreten durch Thomas Riedl (CSU) und Jugendreferent Winfried Rohrbach (Grüne) hatten einen Antrag gestellt, um sich für die Pfadfinder einzusetzen. Es wurde einstimmig beschlossen, dass die Pfadfinder für die Zeit der Pandemie im Winter den Bürgersaal im Wendlandhaus übergangsweise nutzen dürfen und die Gemeindeverwaltung dafür Regeln erstellen soll.

Ins neue Pfarrheim können die Pfadfinder noch nicht zurück, es habe aber ein Gespräch dazu mit dem Pfarradministrator des Pfarrverbands Maria Tading Christoph Stürzer gegeben, hieß es. Das etwa zehnseitige Hygienekonzept müsse umgesetzt werden können, so die Vorgabe. Die Pfadfinder haben seit Beginn der Pandemie nach eigenen Angaben keinen Zugang mehr zum Pfarrheim, auch nicht zu ihrem mit Utensilien gefüllten Schrank: "Wir dürfen da nicht mehr rein, solange das Hygienekonzept noch nicht steht", sagte Lausch.

"Wir brauchen jetzt eine Lösung. Es ist wichtig, dass die Pfadfinder ihre hervorragende Arbeit und ihr Angebot auch während der Pandemie aufrecht erhalten können", sagte Riedl, der das Wendlandhaus als Übergangs-Domizil ins Spiel brachte. Der Zweite Bürgermeister sagte, er könne nicht verstehen, warum die Pfadfinder seit Monaten nicht mehr ins neue Pfarrheim dürfen und die Umsetzung des Hygienekonzepts dort so lange dauert: "Man kann doch das Pfarrheim nicht dauernd zusperren."

"Die Lösung muss jetzt schnell und ohne Aufschub kommen", sagte Rohrbach (Grüne). Der Jugendbeauftragte fügte an, dass vom Erzbistum schon lange Hygienekonzepte für Pfarrheime während der Pandemie erstellt und in anderen Gemeinden umgesetzt wurden. Er verstehe deshalb nicht, warum die Umsetzung in Hohenlinden so lange dauere und sich die Pfadfinder dort seit Wochen nicht mehr treffen dürfen. Theo Falterer (CSU), der auch Vorsitzender des SV Hohenlinden ist, sagte, dass die Pfadfinder übergangsweise auch im Stüberl des Sportvereins unterkommen könnten. Barbara Meyer und Hildegard Fröhlich (beide ÜWH) forderten, dass die Pfadfinder auch im neuen Pfarrheim "wieder eine feste Heimat finden". "Es ist nicht gut, wenn die Pfadfinder immer auf der Wanderschaft sind, sie brauchen einen festen Platz", sagte Mechtild Maurer (ÜWH).

Dritter Bürgermeister Johannes Rumpfinger, der selber Pfadfinder war, würdigte die gute Jugendarbeit. Wegen der Pandemie stehe der Saal und das Stüberl im Wendlandhaus derzeit meist leer - der Bürgersaal sollte den Pfadfindern übergangsweise zur Verfügung gestellt werden. "Das muss aber Hand und Fuß haben", erwiderte Bürgermeister Ludwig Maurer (ÜWH). Der Gemeindechef wies auf die Satzung zur Nutzung des Wendlandhauses hin. Auch andere Gruppierungen in der Gemeinde - die ebenfalls gute Jugendarbeit leisteten - suchten Räume. Zudem müssten die Pfadfinder flexibel sein, falls das Wendlandhaus kurzfristig für Veranstaltungen benötigt werde. Geklärt werden müsse außerdem, wer die Reinigung übernehmen soll. "Es muss Spielregeln geben", sagte Maurer.

Die Verwaltung soll Regeln ausarbeiten. Der vorübergehenden Nutzung des Bürgersaals durch die Pfadfinder im Pandemie-Winter wurde zugestimmt. Die Termine und Regeln sollen die Pfadfinder mit der Gemeindeverwaltung abstimmen. "Wir sind über diese Übergangslösung froh, weil wir einen Raum brauchen, wo wir uns treffen können", sagte Sebastian Lausch von der Pfadfinderschaft Sankt Georg in Hohenlinden nach dem Beschluss.

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