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Großes Jubiläum und volles Programm:Kleinod auf der Anhöhe

Vor 300 Jahren wurde am 5. Oktober 1719 der pittoreske Neubau der barocken Wallfahrtskirche feierlich geweiht. Das Jubiläum wird nun gefeiert.

(Foto: Renate Schmidt)

Vor 300 Jahren wurde die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt geweiht. Das feiert die Pfarrei Forstern-Tading nun mit mehr als 30 Veranstaltungen

Schon von Weitem prägt die malerisch auf einer Anhöhe gelegene Barockkirche Mariä Himmelfahrt mit ihrem markanten Turm als Blickfang die Landschaft. Doch auch innen drin ist die Kirche mit ihren prächtigen Altären, den farbenfrohen Fresken und dem Gnadenbild einer Madonna aus dem 15. Jahrhundert ein besonderes Kleinod im Süden des Nachbarlandkreises Erding. Der kleine Ort Tading war und ist neben Maria Thalheim und Dorfen seit Jahrhunderten ein bedeutender Wallfahrtsort. Vor 300 Jahren, am 5. Oktober 1719, wurde der pittoreske Neubau der Wallfahrtskirche feierlich geweiht. Die aktuelle Pfarrei Forstern-Tading wurde erst vor 50 Jahren gegründet. Beide Jubiläen werden bis zum Kirchweihsonntag 2020 mit mehr als 30 Veranstaltungen gefeiert. Am Sonntag geht es mit einem Festgottesdienst mit Weihbischof Bernhard Haßlberger los.

"Wir freuen uns auf das Festjahr, das Programm bietet eine große Bandbreite", sagt Pfarradministrator Christoph Stürzer, Leiter des 2011 gegründeten Pfarrverbands Maria Tading, zu dem die Pfarreien Forstern-Tading, Pastetten, Buch am Buchrain und auch Hohenlinden gehören.

"Wir sind stolz auf unsere Wallfahrtskirche, die uns sehr ans Herz gewachsen ist. Wir wollen die Wallfahrt nach Tading aufleben lassen", fügt Kirchenpfleger Anton Grill an. Bereits vergangenen Samstag erinnerte eine Lichterprozession von Forstern nach Tading an die Ereignisse vor drei Jahrhunderten, die Pfarradministrator Stürzer so schildert: Am 5. Oktober 1719 weihte - zwei Jahre nach Fertigstellung des Neubaus - der Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck die Kirche in Tading und die drei Altäre. Am Tag zuvor hatte er im Schloss Burgrain im Nachbarort Isen - das ganze Schloss gehörte damals der Kirche - die dortigen Altäre geweiht. Die Kirche in Tading war von 1714 bis 1717 gebaut worden. Die erste gotische Kapelle im kleinen Weiler wurde bereits 1315 erwähnt. Ihr folgte Anfang des 16. Jahrhunderts wegen der vielen Wallfahrer eine spätgotische Kirche, zu der in der Barockzeit Pilger zum Tadinger Gnadenbild, einer hölzernen Madonna mit Kind und Zepter, strömten.

Die Hauptblüte der Tadinger Wallfahrt war in der Zeit zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert. Damals pilgerten Grill zufolge Wallfahrer aus 52 Pfarreien aus der Erdinger, Ebersberger, Münchner und Wasserburger Gegend nach Tading. Grill, der sich als Verbundpfleger des Pfarrverbands intensiv mit der Historie der Tadinger Hauptkirche des Pfarrverbands beschäftigt, fügt an, dass die spätgotische Kirche 1713 abgerissen wurde. Tading gehörte damals zur Pfarrei Buch am Buchrain und der Bucher Pfarrer Josef Schiltl hatte einen größeren Neubau geplant.

1707 hatte der Erdinger Stadtmaurermeister Anton Kogler die Bucher Kirche Sankt Martin neu gestaltet. Von 1714 bis 1717 leitete Kogler in Tading den Neubau im Stil des Erdinger Barock. Das gotische Gnadenbild war zuvor 1713 von Tading in die Bucher Kirche gebracht worden, wo es bis zur Fertigstellung der Tadinger Kirche 1717 gehütet wurde. Anton Kogler leitete im heutigen Landkreis den Neu- und Umbau von mehr als 30 Barockkirchen. Kogler, der bis zu seinem Tod 1729 Erdinger Stadtbaumeister war, stammte aus einer nach Erding gezogenen Maurer-Dynastie aus Schliersee.

Doch nicht nur die von Kogler geschaffene, wie ein Postkartenmotiv wirkende Wallfahrtskirche ist eine Augenweide: Auch in der Kirche sind prächtige Barock-Altäre, schöne Skulpturen und farbenfrohe Deckenfresken berühmter Künstler und Handwerker, wie vom Bildhauer Christian Jorhan, zu sehen. Den herrlichen Stuck brachten Miesbacher Stuckateure an. Johann Eckart fertigte 1721 den Hochaltar für die spätgotische Madonna und 1740 die Seitenaltäre, die Gestaltung übernahm der Erdinger Bildhauer Joseph Senes. Das Deckengemälde stammt von Johann Martin Heigl. 1969 wurde das 250. Weihejubiläum und die Erhebung zur Pfarrei mit Julius Kardinal Döpfner gefeiert. Tading gehörte bis zur Gründung der Expositur Reithofen 1846 zur Pfarrei Buch. Im Mai 2011 wurde die Wallfahrtskirche mit Gründung des Pfarrverbandes zur Hauptkirche.