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Ebersberger Legenden:Die Unvergessenen

Vor 50 Jahren starben die Ebersberger Rennfahrer Hans Attenberger und Sepp Schillinger bei einem Unfall. Eine Ausstellung erinnert nun an die Beinahe-Weltmeister und zeigt technische Raritäten aus deren Zeit

5o.ster Todestag Attenberger-Schillinger

Einen Ausflug in die Welt des Rennsports der 1960er und 1970er Jahre kann man derzeit im Autohaus Ebersberg unternehmen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Ein Auftritt, wie es sich für einen Weltmeister gehört: Euphorische Fans und ein freudiges, anerkennendes "Habe die Ehre" von den Kollegen. Ex-Kollegen, um genau zu sein, der mehrfache Gespann-Weltmeister Josef Huber aus Obing galt in den 1970er Jahren als bester Beiwagenfahrer der Welt, gewann unter anderem das legendäre Tourist Trophy Rennen auf der Isle of Man. Am Wochenende war er nun in Ebersberg, um an zwei andere große Rennfahrer in seiner Disziplin zu erinnern: Hans Attenberger und Sepp Schillinger, die vor 50 Jahren bei einem Rennen tödlich verunglückten. Den beiden und ihrer Zeit ist noch bis Ende Juli eine Ausstellung im Autohaus Ebersberg gewidmet.

Zur Ausstellungseröffnung haben sich viele Besucher eingefunden. 32 Kränze und 58 Pokale (die vom Freundeskreis Attenberger-Schillinger vor dem Verfall bewahrt wurden) sind, wie Perlen an der Kette aufgereiht, für drei Wochen im Verkaufsraum des Autohauses in Ebersberg zu sehen. Davor in einem Halbkreis Maschinen, die selbst bei Laien Bewunderung hervorrufen. Darunter ist eine Jawa (Baujahr 1965), Sieger der deutschen Sandbahn-Meisterschaft; ein Schwenker mit lenkbarem Beiwagen; ein EML Motocross Gespann, mit Zwillingshinterrädern; eine mit Ethanol betriebene Godden Jawa (Baujahr 1978, Leihgabe von Peter Hartmann aus Jakobneuharting); eine BMW mit quer eingebautem Motor; eine JAP mit Kurzhubmotor (Leihgabe von Christoph Eichhorn, Ebersberg).

Keine dieser Maschinen kommt von der Stange, alles ist Eigenbau. Dazu kann man die historischen Rechercheergebnisse des Freundeskreises Attenberger-Schillinger bewundern und ebenso die Aufnahmen des Sportfotografen, Franz Besendörfer, der die Rennfahrer Fauth, Enders, Engelhardt, Auerbacher, Hahn, Butscher, Huber sowie Attenberger und Schillinger in Schwarz-Weiß gebannt hat. Bemerkenswert sind die bis ins kleinste Detail handwerklich ausgearbeiteten, maßstabgetreuen Modelle von Manfred Gubler, darunter ist die Nachbildung der Maschine von Hans Attenberger.

5o.ster Todestag Attenberger-Schillinger

Nichts für schwache Nerven ist so ein Rennen wenige Zentimeter über dem Asphalt in einer Maschine, wie sie Attenberger und Schillinger fuhren.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Für die Ausstellung finden die Besucher anerkennende Worte: "Tolle Dokumente" aus einer Zeit, in der alles noch überschaubar war. Man bewundert heute noch die beiden "pfundigen" Burschen, die alles daran setzten, Gespann-Weltmeister zu werden. Von ihrem Ziel keine vier Kilometer entfernt, verunglückten sie in Francorchamps (Belgien) tödlich, in der Weltmeisterschaftswertung führend.

Attenberger und Schillinger waren 1968 eine Identifikationsfläche für eine ganze Generation und Repräsentanten der Kleinstadt Ebersberg in der Welt. Der Unfall löste in ihrer Heimatstadt und auch unter der Rennfahrerkollegen große Trauer aus. Vermutlich trägt der Lebensweg zum Mythos bei, der alles andere war, als man es sich von Weltmeistern vorstellt: Hans Attenberger, der talentierte Fahrer, hatte seit einem Unfall in Kinderjahren eine Behinderung, Sepp Schillinger war ein wahrer Akrobat im Beiwagen. Beide sind ohne Vater in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Man erzählt sich, dass sich Freunde und Fans so sehr mit den beiden verbunden gefühlt haben, dass auch schon einmal in der Wirtschaft zu ihrer Unterstützung der Hut rumging. Einmal leisteten sich die beiden zum Rennen eine Übernachtung in einer Wirtschaft. Nach dem Rennen sagte der Wirt: "Um Gottes Willen. Die zwei haben heute das Rennen gewonnen? Der eine hupft und der andere zieht an einer Schnur die Persilschachtel mit seinen Sachen hinter sich her."

Die Ausstellung ist noch bis zum Dienstag, 31. Juli, im Autohaus Ebersberg zu sehen.