Dorfläden Ein Modell zum Nachmachen

An manchen Orten ohne Einkaufsmöglichkeit helfen sich die Bürger selbst

Von Wieland Bögel

Wer hat, dem wird gegeben, wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat", diese Weisheit wird dem Evangelisten Matthäus zugeschrieben, und dass er damit nicht ganz unrecht hatte, wissen Soziologen schon länger. Sie sprechen vom Matthäus-Effekt, wenn sich Erfolg an Erfolg beziehungsweise Misserfolg an Misserfolg reiht. Auch bei der Nahversorgung scheint es einen solchen Effekt zu geben: In einigen Gegenden, wo bereits viele Läden sind, werden es immer mehr, in anderen, wo man ohnehin meilenweit bis zum nächsten Geschäft unterwegs ist, wird auch dieses bald geschlossen. Um sich diesem Effekt entgegenzustellen, ist Einfallsreichtum und vor allem Engagement der Bürger gefragt.

Weder Supermarktkonzernen noch Ladenbesitzern kann man es übel nehmen, dass sie dahin gehen, wo die Kundschaft ist. Schließlich müssen sie davon leben, dass ihre Läden Umsatz machen - und je mehr Laufkundschaft, desto besser das Geschäft. Und die Kunden fahren eben gerne ins Gewerbegebiet mit Outletcenter auf der grünen Wiese, wo alles so praktisch auf einem Platz ist und die Schnäppchen locken. Oder zumindest in die nächstgrößere Ortschaft, wo es mehrere Supermärkte und Fachgeschäfte gibt. Gleichzeitig wird aber beklagt, dass es keinen Bäcker, Obstladen oder Metzger im eigenen Dorf mehr gibt.

Wer das ändern will, muss selbst aktiv werden, und in einigen Kommunen geschieht dies auch. Bürger gründen beispielsweise Genossenschaften, die einen Lebensmittelladen betreiben. Getreu einer anderen biblischen Weisheit: "Gib und dir wird gegeben." In diesem Fall gibt man Zeit und Engagement und zahlt vielleicht etwas höhere Preise, muss aber nicht mehr buchstäblich für jeden Apfel und jedes Ei eine kleine Reise unternehmen. Und vielleicht wirkt auch hier der Matthäus-Effekt: Je erfolgreicher die bestehenden Dorfläden sind, in desto mehr Orten könnte man sich zur Nachahmung entschließen.