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Diskussion im Gemeinderat:Bau-Boom in Hohenlinden

Früher waren große Wohnanlagen in der Gemeinde die Ausnahme, inzwischen liegen im Rathaus gleich mehrere Anträge für derartige Projekte vor - nicht jedem gefällt das

Große Mehrfamilienhäuser mit vielen Wohnungen waren früher in und um Hohenlinden selten - inzwischen sprießen derartige Projekte wegen des Bau-Booms, der steigenden Nachfrage nach Wohnungen und nach oben schnellenden Grundstückspreisen wie Pilze aus dem Boden. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurden wieder Bauanträge dieser Kategorie behandelt. Bürgermeister Ludwig Maurer (ÜWH) teilte mit, dass im Rathaus noch viele weitere Anträge zum Neubau großer Wohnhäuser "in der Schublade liegen".

Doch diese Entwicklung gefällt nicht jedem. Es sei ihm im Dorfgebiet "einfach zu viel", sagte etwa Zweiter Bürgermeister Thomas Riedl (CSU) über ein Anfang Oktober beantragtes Mehrfamilienhaus mit 17 Wohnungen und Tiefgarage am Kanzleiweg. Das Vorhaben mit Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen passe "baukulturell nicht zu unserem Ort". Die geplante Bebauung im Herzen Hohenlindens wäre ein Neubau wie mitten in der Großstadt und nicht im Interesse der Bürger, sondern nur im Interesse der Investoren. Riedl unterstrich, er sei nicht gegen Nachverdichtung im Ort, die aufgrund der Nachfrage und Rechtslage unvermeidbar sei. Ihm sei klar, dass in Hohenlinden in den nächsten Jahren viele große Mehrfamilienhäuser entstehen werden. Die Wohnhäuser müssten aber zum Charakter eines kleinen oberbayerischen Dorfes passen, was beim aktuell diskutierten Bauantrag nicht der Fall sei.

Der geplante Neubau auf dem etwa 1000 Quadratmeter großen Grundstück würde die Dimensionen sprengen, das Grundstück würde so intensiv ausgenützt, dass zum ersten Mal in Hohenlindens Bauhistorie eine Brandschutzmauer gebaut werden müsste: "Das passt doch nicht zu unserem Ort, da würde jeder Zentimeter ausgenützt", sagte Riedl, der von den CSU-Gemeinderatsmitgliedern Horst Bolscho und Alois Grabl in diesem Punkt Rückendeckung erhielt.

"Das Baugesetz gibt das aber her", entgegnete Gemeindechef Maurer. Derzeit seien intensive Nutzung und kräftige Nachverdichtung im Innenbereich möglich und auch in Hohenlinden im Trend, das konkrete Projekt sei aus baurechtlicher Sicht wohl im grünen Bereich. Die erforderlichen Stellplätze würden nachgewiesen, zudem sei dort ein neuer Kinderspielplatz geplant.

Riedl forderte dennoch ein städtebauliches Konzept für den Innenbereich der Gemeinde. Aus seiner Sicht überdimensionierte Mehrfamilienhäuser mit vielen Wohnungen sollten im Ortskern nur dort entstehen, wo der Standort dafür prädestiniert sei. Die Grundsatzfrage sei: "Wie sollen wir mit Bauanträgen von Investoren und Bauträgern im innersten Ortskern umgehen?" Der Zweite Bürgermeister forderte die Gemeinderatskollegen auf, über das konkrete Projekt und die grundsätzlichen Vorstellungen zum künftigen Bau von weiteren großen Wohnhäusern im Ortskern rasch nachzudenken.

Das gemeindliche Einvernehmen für das beantragte Vorhaben sollte noch nicht erteilt und der Punkt auf die Sitzung im Dezember vertagt werden. Riedls Ansicht nach muss über eine Veränderungssperre und einen Bebauungsplan für das Gebiet am Kanzleiweg diskutiert werden. Der Gemeinderat stimmte dem Antrag, den Beschluss zum Projekt am Kanzleiweg auf die nächste Sitzung zu verschieben, einstimmig zu.

Eventuell soll zum Thema Anfang Dezember noch eine Sondersitzung des Gemeinderates stattfinden, fügte Ludwig Maurer an. Zuvor hatte Mechtild Maurer (ÜWH) angeregt, dass sich der Gemeinderat bei einer Extra-Sitzung Zeit nehmen sollte, um das Thema generell diskutieren zu können. Ein Beschluss zum konkreten Projekt muss jedenfalls bis zum 8. Dezember fallen, damit Fristen gewahrt bleiben, daran erinnerte Bauamtsleiterin Beatrice Huber. Eine Veränderungssperre sei im konkreten Fall nur möglich, falls die Gemeinde einen klaren Plan mit triftigen Gründen zur Gestaltung des Areals hätte, andernfalls könne der Antragsteller eventuell Schadenersatz wegen der Verzögerungen einfordern: "Die Gemeinde muss dann schon wissen, was sie will." Beim Projekt am Kanzleiweg hätten die Nachbarn offenbar trotz der intensiven, dichten Bebauung nichts gegen das Vorhaben und den Bauantrag unterschrieben. Das geplante Vorhaben sei aus fachlicher Sicht wohl im dortigen Dorfgebiet realisierbar. Auch der Hochwasserschutz wäre wohl kein großes Hindernis, denn das Areal liegt Geschäftsleiterin Martina Baumann zufolge zwar am Rande einer Hochwasserschutzzone neben dem Bach, aber eben nicht in der Zone.